26. März 2007. 18 interkulturelle Gesundheitslotsinnen und -lotsen haben jetzt von Gesundheitsdezernentin Anne Janz im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Rathaus ihre Zertifikate erhalten. Migrantinnen und Migranten hatten sich im Rahmen des hessischen Projektes MiMi („Mit Migranten für Migranten“) weitergebildet oder ihr Wissen vertieft über das deutsche Gesundheitssystem, über Erkrankungen und Vorsorgeuntersuchungen sowie Maßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit. Bereits zum Ende der einjährigen Ausbildungsphase wurden von den 18 Gesundheitslotsen insgesamt 428 Landsleute zu Themen des deutschen Gesundheitssystems informiert. „Die Lotsen können zugewanderte Landsleute kultursensibel und muttersprachlich aufklären. Sie erreichen Landsleute in Augenhöhe und können die Probleme zugewanderter Personen durch eigenes Erleben besser verstehen“ so Stadträtin Janz.
Zugewanderte nehmen bei Erkrankung ärztliche Hilfe häufig erst spät in Anspruch, dabei geht kostbare Zeit für Diagnostik und Behandlung verloren. Häufig sind es Sprachbarrieren, oft auch das komplizierte Gesundheitssystem, die den Weg versperren. Hinzu kommt eine anderer Umgang mit Krankheit aus der eigenen Kultur und dem Gesundheitssystem des Herkunftslandes. „Aus der Schuleingangsuntersuchung ist bekannt, dass Kinder von Migranten seltener bei Kindervorsorgeuntersuchungen vorgestellt werden und geimpft sind“, so Janz. Sie betonte, wie wichtig eine frühzeitige Versorgung und Integration gerade der Kinder auch im Gesundheitsbereich ist, um den Kindern optimale Startbedingungen zu geben. Hier liegt die Chance der Gesundheitslotsen. Sie können die Sprachbarrieren überwinden. Alle Gesundheitslotsen sprechen gut Deutsch und ihre Muttersprache, häufig noch weitere Fremdsprachen. Sie haben die Möglichkeiten, Wege und Grenzen des deutschen Gesundheitssystems in Schulungen gelernt und haben sich in Präsentation und Didaktik geschult.
Möglich wurde die Ausbildung der Gesundheitslotsen in Kassel durch das Projekt MiMi, welches das hessische Sozialministerium zusammen mit dem Landesverband der Betriebskrankenkassen in Hessen und den Akteuren in den Kommunen finanziert hat. Das Ethno-Medizinische Zentrum in Hannover war für die Ausarbeitung der Schulungsunterlagen und vielsprachigen Übersetzungen wie die wissenschaftliche Begleitung des Projektes verantwortlich. In Kassel hat das Deutsche Rote Kreuz , Kreisverband Kassel-Stadt e.V. die Projektträgerschaft übernommen die organisatorische Verantwortung getragen. Die Lotsinnen und Lotsen wurden über den Ausbildungszeitraum vom DRK Kassel-Stadt kompetent begleitet. Städtische Kooperationspartner sind das Gesundheitsamt und das Sozialamt. Sie haben die Schulungen der Gesundheitslotsen inhaltlich mitgetragen und durchgeführt.
Stadträtin Janz: „Die Gesundheitslotsen haben mit viel Engagement in ihrer Freizeit in Abendterminen und ganztägig am Wochenende umfangreiches Wissen erarbeitet und vertieft.“ Das deutsche Gesundheitswesen, Umgang mit Medikamenten, Mundhygiene, Ernährung und Bewegung, Schwangerschaft und Familienplanung, Kindergesundheit und Unfallverhütung, psychische Erkrankungen und Sucht mit legalen und illegalen Drogen, Alter und Demenz waren Lehrstoff. Offene Diskussionen und Erfahrungsberichte aus den verschiedenen Kulturen machten die Veranstaltungen für die Gesundheitslotsen und die Referenten zu spannenden Stunden. Alle Gesundheitslotsen haben dann ihre Kompetenzen in selbst organisierten Veranstaltungen an Landsleute weitervermittelt. Dabei wurden schon über 400 Zugewanderte erreicht. Mit dieser Praxisphase ist die Projektphase beendet und die Schulung abgeschlossen. Den Gesundheitslotsen wurde als Nachweis ein Zertifikat überreicht.
„Die Gesundheitslotsen sind ein weitere Baustein in Kassel, um Zugewanderten die Integration zu erleichtern“ betonte Stadträtin Janz. Sie ergänzen den viersprachigen Kasseler Gesundheitswegweiser für Zugewanderte, der unter anderem im Gesundheitsamt der Stadt erhältlich ist, sowie die Datenbank im Internet zur Suche von Therapie- und Beratungseinrichtungen mit besonderen Fremdsprachenkompetenzen unter www.gesundheitsamt-kassel.de.
Die Gesundheitslotsen sind bereit, ihre Landsleute beim Bewältigen von gesundheitlichen Problemen den Weg zu zeigen. Sowohl das Deutsche Rote Kreuz wie das Gesundheits- und Sozialamt wünschen einen regen Abruf der Gesundheitslotsen durch Einrichtungen und Verbände, in den Zugewanderte zusammentreffen. Kontakt über Frau Gönenc beim DRK unter der Telefonnummer 05 61/9 70 08 88, E-Mail: Goenenc@DRK-KS.de auf. Weitere Informationen unter www.drk-ks.de (Internetadresse DRK).
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