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documenta-Stadt Kassel

Was die HNA schreibt und die Stadt dazu sagt - Eine Dokumentation von Abläufen

29. August 2007. In der heutigen Ausgabe der HNA-Lokalausgabe Kassel spekuliert Lokalchef Dr. Tibor Pézsa über die Stimmungslage unter Mitarbeitern des Klinikums, ohne über aktuelle Entwicklungen an der Pathologie zu berichten, über die ihn bereits gestern Holding-Chef Dr. Sontheimer in einem Telefonat informiert hatte. Hätte dies vielleicht die beabsichtigte Tendenz in der Berichterstattung in Frage gestellt? Dieser Eindruck kann entstehen, denn auch die Antwort der Stadt auf eine Anfrage an Oberbürgermeister Bertram Hilgen wurde nicht abgedruckt. Der Fragenkatalog, der den Umfang einer parlamentarischen Anfrage hatte, erreichte gestern nach 14 Uhr das Rathaus. Trotz der kurzen von der HNA gesetzten Frist lag der Redaktion bereits kurz vor 18 Uhr eine Erklärung der Stadt vor. Also für die Redaktion noch genügend Zeit für den Abdruck. Dies war aber anscheinend nicht gewünscht.

Die meisten Fragen hatten ohnehin mit Oberbürgermeister Hilgen den falschen Adressaten, sondern richteten sich ausschließlich an den Vorstand der Holding Gesundheit Nordhessen.

Deshalb gibt die Presseabteilung der Stadt Kassel all denen, die mehr wissen wollen, als in der HNA steht und sich ein eigenes Bild machen wollen, eine aktuelle Pressemitteilung der Gesundheit Nordhessen von heute sowie die städtische Erklärung und die ihr zugrunde liegenden Fragen der HNA von gestern an dieser Stelle zur Kenntnis:

Pathologie im Klinikum Kassel
Keine Schwächung der Pathologie

Kassel. Die Leistungsfähigkeit der Pathologie im Klinikum Kassel wird nach dem Chefarztwechsel Anfang Oktober in vollem Umfang erhalten bleiben und darüber hinaus noch ausgebaut. Mit diesem gemeinsamen Ziel hat der Vorstand der Gesundheit Nordhessen Holding eine Vereinbarung über die weitere Entwicklung der Pathologie mit dem künftigen Institutsdirektor, Prof. Dres. Gerhard Franz Walter, und dem jetzigen Direktor, Prof. Dr. Josef Rüschoff, geschlossen. Die Pathologie bleibt weiterhin ein unverzichtbares Kernfach für das Klinikum Kassel und seine herausgehobene Stellung als Klinikum der Maximalversorgung, so der Vorstandsvorsitzende, Dr. Gerhard M. Sontheimer. Es sei nicht an eine Verkleinerung des Institutes für Pathologie gedacht, vielmehr sei mit Prof. Walter und der Praxis die Erweiterung unter anderem um die Neuropathologie und der Ausbau der Molekularen Pathologie geplant.

Die Vereinbarung sieht ein enge Kooperation zwischen dem Institut für Pathologie des Klinikums und der Praxis von Prof. Rüschoff und Kollegen vor. Zwischen beiden Einrichtungen ist ein wechselseitiger Austausch von Personal, Technik und Infrastruktur beabsichtigt. Die einzelnen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden allerdings eindeutig dem Institut oder der Praxis zugeordnet.

Wie bereits mitgeteilt, wird das Institut für Pathologie des Klinikums künftig von zwei Chefärzten im Kollegialsystem geleitet, wobei Prof. Walter die Repräsentation nach außen übernimmt. Für die zweite Chefarzt-Stelle gibt es einen Kandidaten in der engeren Auswahl, die vertraglichen Regelungen sind aber noch nicht abgeschlossen.

„Neuer Pathologie-Chefarzt anerkannte Kapazität“

Kassel (psk). Kritik an der Berufung des Grazer Professors Gerhard Franz Walter zum Chef des Instituts für Pathologie im Klinikum hat Pressesprecher Hans-Jürgen Schweinsberg als nicht gerechtfertigt zurückgewiesen. Man müsse den Eindruck gewinnen, den Kritikern gehe es mehr um persönliche Interessen als um das Klinikum selbst.

Mit Prof. Walter sei es dem Klinikum gelungen, eine anerkannte Kapazität in Pathologie und Medizinmanagement nach Kassel zu holen. Prof. Walter habe sich dem Aufsichtsrat persönlich vorgestellt und dort einen hervorragenden Eindruck hinterlassen, so dass sich das Gremium einmütig für die Bestellung des Mediziners zum Chefarzt der Pathologie ausgesprochen habe, erläuterte Schweinsberg weiter „Prof. Walter hat fachlich wie persönlich einen überzeugenden Eindruck gemacht.“

Die Befähigung Prof. Walters zum Chefarzt der Pathologie stehe außer Frage. Prof. Walter habe sich in Pathologie und Neuropathologie habilitiert und sei seit vier Jahren Rektor der Medizinischen Universität Graz und zuvor Leiter des Instituts für Neuropathologie an der Medizinischen Hochschule in Hannover gewesen. Es sei natürlich selbstverständlich, dass kein Mediziner alle Teilgebiete seines Faches gleich gut abdecke. Deshalb sei auch vorgesehen, am Institut für Pathologie eine zweite Chefarztstelle zu besetzen, führte der Pressesprecher weiter aus. So seien in der inneren Medizin und der Chirurgie bereits heute jeweils vier Stellen mit Chefärzten besetzt. Im Übrigen besitze Prof. Walter die Voraussetzungen für die Erteilung einer Weiterbildungsermächtigung.

Kritik aus Teilen der Ärzteschaft, nicht in die Entscheidungsfindung einbezogen worden zu sein, wies der städtische Pressesprecher zurück. „Für die Beschlussfassung im Aufsichtsrat ist eine Beteiligung der Chefärzte nicht vorgesehen.“

Zu der Kritik an der Bezahlung der Oberärzte am Klinikum erklärte der Stadtsprecher, am Klinikum werde - wie an anderen bundesdeutschen Krankenhäusern auch - nur der Tarifvertrag umgesetzt, der mit dem Marburger Bund ausgehandelt worden sei.

Zu den Arbeitsgerichtsverfahren: Bei fast 5000 Beschäftigten gebe es derzeit gerade ein Arbeitsgerichtsverfahren, teilte Schweinsberg mit. „Sicherlich kein Zeichen von schlechtem Arbeitsklima!“

Zum Thema Kreiskrankenhäuser erklärte der Stadtsprecher: „Da ist man auf einem guten Weg!“ Derzeit werde für alle der Gesundheit Nordhessen Holding angegliederten Kliniken das im Jahr 2006 vorgelegte Konzept weiterentwickelt. Im Übrigen hätten die Kreiskliniken in den vergangenen Monaten eine erfreuliche Entwicklung genommen und die wirtschaftlichen Ergebnisse seien mittlerweile deutlich über Plan.

Diese Presseerklärung bezieht sich auf folgenden Fragenkatalog der HNA

  1. Herr Prof. Walter hat seit mehreren Jahren keine praktische pathologische Übung mehr. Außerdem ist er Neuropathologe, d.h., dass 95 bis 97 Prozent aller im Klinikum auflaufenden pathologischen Fälle von ihm nicht, oder doch zumindest nicht auf dem bis dato gewohnten Niveau beurteilt werden können. War dem Aufsichtsrat bei der Einstellung Herrn Prof. Walters bekannt, dass dieser Herrn Rüschoff fachlich und arbeitspraktisch auch nicht annähernd ersetzen kann?
  2. Wieweit sind die Gespräche mit den Kandidaten für die zweite Position in der angestrebten Doppelspitze gediehen?
  3. Wofür wird Prof. Walter in der GNH überhaupt benötigt? Warum stellt man nicht gleich den richtigen Ersatzmann oder die richtige Ersatzfrau für den scheidenden Prof. Rüschoff ein?
  4. Wie wird sich die Kostensituation der Holding monatsbezogen verändern, wenn ab 1. Oktober
    a) immer noch kein geeigneter Nachfolger für Prof Rüschoff gefunden sein sollte
    b) sein Nachfolger (Prof. Walter) indessen schon als einer der Topverdiener am Klinikum mit auf der Gehaltsliste stehen wird
    c) die bislang von Prof. Rüschoff erbrachten Dienste dann nicht mehr an andere Krankenhäuser verkauft werden können
    d) und die bislang von Prof. Rüschoff erbrachten Dienste von der GNH selbst extern eingekauft werden müssen?
  5. Wie beurteilt der Aufsichtsratsvorsitzende, dass Prof. Walter ohne Einrichtung/Konsultation einer Berufungskommission am Klinikum über die Köpfe und das professionelle Urteil der Ärzteschaft im Haus hinweg bestellt wurde?
  6. Stimmt es, dass Bitten aus der Ärzteschaft um ein Gespräch mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden über die Probleme im Klinikum, speziell in der Pathologie, abgewiesen wurden oder unbeantwortet blieben?
  7. Warum gibt es auch noch Jahre nach dem Beitritt der ehem. Kreiskrankenhäuser immer noch kein medizinisches Konzept
    a) für deren Integration in die Holding
    b) und für die Schwerpunktbildung innerhalb der Holding insgesamt. Wo sollen die medizinischen Leuchttürme stehen?
  8. Wieviele Arbeitsgerichtsverfahren laufen derzeit in der Holding? Ist das eine Zunahme gegenüber 2004?
  9. Die aufgelaufenen Probleme und die erbittert ausgetragenen Zerwürfnisse innerhalb der GNH können als Folgen gravierenden Managementversagens und mangelnder Aufsicht gewertet werden. Was entgegnet der Aufsichtsratsvorsitzende auf diese Kritik?
  10. Der Marburger Bund hat auf seiner Internetseite schon vor einiger Zeit warnend auf die problematischen Verhältnisse am Klinikum Kassel hingewiesen. Indessen ist nicht nur die Zukunft der sehr wichtigen Pathologie im Haus unklar, auch die der Psychiatrie und der Handchirurgie. Wie beabsichtigt der Aufsichtsratsvorsitzende den fortschreitenden Kompetenz- und Ansehensverlust des Hauses zu stoppen?



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