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documenta-Stadt Kassel

Ötzi - der Mann aus dem Eis

18. Oktober 2007. „Ötzi - der Mann aus dem Eis“ ist der Titel einer Sonderausstellung, die Bürgermeister Thomas-Erik Junge am Sonntag, 21. Oktober, um 11.30 Uhr im Naturkundemuseum im Ottoneum eröffnet.

Ötzi - der Mann aus dem Eis
Der berühmte Ötzi kommt zwar nicht als Original ins Kasseler Naturkundemuseum, doch verschiedene kunstfertige Replikationen des Gletschermannes bringen einen Hauch Bronzezeit in diese Sonderausstellung.

Schwerpunkt der Ausstellung ist, neben der Nachbildung der Gletscherleiche, der „lebende Ötzi“ in seiner heimatlichen Umgebung. Vorgestellt werden die Tiere, die er und seine Zeitgenossen damals im Alpenraum jagten oder die als Haustiere bereits zu Gefährten der Menschen geworden waren. Zu sehen sind darüber hinaus verschiedene Nachbildungen von Gebrauchs-, Jagd- und Kleidungsgegenständen aus der Jungsteinzeit. Die Ausstellung veranschaulicht, wie zu Ötzis Zeiten verschiedene Geräte und Waffen angefertigt wurden, wie gejagt, gekocht und Kleidung hergestellt wurde. Nicht nur Ötzi, sondern auch jene Wildtiere, die er und seine Zeitgenossen im Alpenraum und in Mitteleuropa jagten, werden vorgestellt. Neben der Erfolgsgeschichte der Domestikation wird auch die Geschichte der Jagd, die bis heute ihren Platz in unserer Gesellschaft hat, erzählt. Zu sehen sind neben zahlreichen steinzeitlichen Jagdgeräten auch die Nachbildung eines der ältesten Bogen (Holmegaard-Bogen). Zu sehen sind auch Funde aus Ötzis Zeit aus der Region Kassel. Leihgeber: Museumslandschaft Hessen-Kassel, Abteilung Vor- und Frühgeschichte.

Ein Erlebnis besonders für Familien mit Kindern und für Schulklassen!

Die Mumie
Erstmals in der Geschichte der Medizin und der Archäologie konnten Studien an einer 5.000 Jahre alten Leiche durchgeführt werden. Ötzis Körper ist weitgehend unversehrt. Er war zum Zeitpunkt seines Todes etwa 160 Zentimeter groß, 50 Kilogramm schwer und ungefähr 46 Jahre alt. Er trug wahrscheinlich einen Bart, die Haare belegen einen Kontakt zur Kupfererzverarbeitung.

Die auffällige Körperhaltung entspricht vermutlich jener zum Zeitpunkt des Todes. Durch den Eisdruck des Gletschers könnte es aber auch zu einer Positionsveränderung gekommen sein.

Es wird angenommen, dass die Mumifizierung durch Gefriertrocknung erfolgte. In den folgenden Jahren schob sich der Gletscher langsam über die Felsmulde, in der die Mumie geschützt lag. Erst als der Gletscher abschmolz, kam die Leiche wieder zum Vorschein.

Der Gletschermann
Die Kleidungsstücke und Alltagsgegenstände, die Ötzi bei sich trug, ermöglichen ein sehr genaues Bild über den Gletschermann und sein Leben.

Er trug einen knielangen Fellmantel. Darunter Beinkleider und Lendenschurz aus Ziegenleder. Den Kopf bedeckte eine Bärenfellmütze.

Die Schuhe bestanden aus Innen- und Außenschuh und waren gegen die Kälte mit Heu ausgestopft. Gegen Regen und Schnee konnte Ötzi einen geflochtenen Grasmantel umlegen. Das Wasser perlte daran ab, und die darunter liegende Fellkleidung konnte so nicht nass werden. Der Grasmantel diente auch als Tarnung bei der Jagd und als Decke in kalten Nächten.

Auf dem Rücken trug Ötzi eine Art Kraxe aus Holz mit einem Fellsack. Er führte mehrere Ausrüstungsgegenstände mit sich, die alle als Nachbildung in der Ausstellung zu sehen sind. Bemerkenswert ist sein Beil. Die Klinge ist aus fast reinem Kupfer, das Objekt war zu Ötzis Lebzeiten sehr wertvoll.

Der Kriminalfall „Ötzi“
Rund 16 Jahre nach dem Fund von Ötzi gibt es neue Spekulationen über die Todesursache der Gletschermumie. Der Mann aus dem Eis sei wahrscheinlich an einer Schädelverletzung gestorben, teilte die Europäische Akademie Bozen mit. Ötzi soll zunächst von einem Pfeil an der Schulter getroffen worden sein, sei aber nicht daran gestorben. Dann habe er einen schweren Schlag auf den Kopf erlitten und sei daraufhin mit dem Rücken nach unten auf einen Stein gefallen. Die unnatürliche Haltung der Leiche mit einem über die Brust gedrehten Arm weise darauf hin, dass Ötzi noch vor der Leichenstarre auf den Bauch gedreht wurde, um den Pfeil aus dem Körper zu ziehen. Ein Forschungsteam mit dem Wiener Archäologen Andreas Lippert, den Bozener Radiologen Paul Gostner und Patrizia Pernter sowie dem Gerichtsmediziner Eduard Egarter Vigl hatte die 5.300 Jahre alte Mumie erneut eingehend untersucht. Die neuen Ergebnisse widerlegen die Theorie, wonach Ötzi die Position im Schlaf eingenommen haben könnte oder sein Körper durch Gletscherbewegungen verschoben worden sei.

Begleitveranstaltungen zur Sonderausstellung:

Ötzi-Führung
Diese Führung stellt nicht nur Ötzi und seine bronzezeitliche Umwelt vor, sie geht auch auf die Erfolgsgeschichte der Haustierwerdung ein und gibt Einblicke in die Entwicklung der Jagd. Die Führung dauert 60 Minuten und kostet 25 Euro zuzüglich Eintritt.

Ötzi-Workshop
Nach einer Ötzi-Führung wird ein Leder-Schamanenbeutel hergestellt oder es können steinzeitliche Bilder mit Erdfarben und Steinzeitpinseln gemalt werden. Verschiedene Gerätschaften wie Steinmesser, Schmuck, Getreidemühle und „Feuerzeug“ können noch einmal in Ruhe angefasst und ausprobiert werden. Der Workshop dauert 90 Minuten und kostet 30 Euro zuzüglich Eintritt.

Ötzi-Kindergeburtstag
Lass dich mit deinen Freunden durch die Ötzi-Ausstellung führen und arbeite in der Bronzezeitwerkstatt. Der „Kindergeburtstag „ dauert 120 Minuten und kostet 55 Euro inklusive Eintritt und kleinem Geschenk. Die Personenzahl ist auf 15 begrenzt.

Weitere Informationen erteilt das Naturkundemuseum im Ottoneum, Steinweg 2, Telefon (05 61) 7 87-40 66, www.naturkundemuseum-kassel.de, naturkundemuseum@stadt-kassel.de. Anmeldungen zu Führungen und Veranstaltungen sind dienstags bis freitags von 10.30 bis 16.30 Uhr möglich.

Das Naturkundemuseum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr sowie mittwochs von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Erwachsene bezahlen drei Euro sowie Jugendliche (sechs bis 16 Jahre) zwei Euro Eintritt, der ermäßigter Eintritt beträgt ebenfalls zwei Euro. Gruppen bezahlen pro Person zwei Euro, Schulklassen pro Person einen Euro.



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