07. August 2008. Geplant, aber nie realisiert: Acht städtebauliche Entwürfe für Kassel aus den letzten drei Jahrhunderten werden auf anschauliche Weise ans Licht geholt. Ein Projekt von Studierenden am Fachgebiet Architekturtheorie und Entwerfen der Universität Kassel unter der Leitung von Prof. Philipp Oswalt und Dipl.-Ing. Kilian Enders in Kooperation mit dem Stadtmuseum Kassel präsentiert sie in einer Ausstellung und vier Installationen im Stadtraum. Damit gewährt es nicht nur einen frischen, andersartigen Blick auf Kassel, sondern stellt alternative Vorstellungen zur real existierenden Stadt zur Diskussion. Mit dieser Ideengeschichte wird deutlich, wie die Stadt Kassel in den verschiedenen Epochen Kristallisationspunkt für die kreativen Geister der jeweiligen Zeit war. Das heutige real existierende Kassel ist nur eine von vielen möglichen „Kasseln“, wobei die Fiktionen Träume wie Alpträume aufzeigen, verpasste Chancen wie ersparte Katastrophen.
Höhepunkt des Projektes ist ein Parcours der Utopien am Dienstag, den 12. August ab 18 Uhr. Der Parcours beginnt im Stadtmuseum Kassel mit der Eröffnung der Ausstellung. Von dort aus geht es auf den Friedrichsplatz, wo die Entwürfe des französischen Revolutionsarchitekten Clau-de-Nicolas Ledoux für einen Triumphbogen und das Fridericianum mittels einer Modellinstallation 1:1 erfahrbar sind. Auf dem Weg zur Orangerie vermitteln drei ikonische Situationen (Bundestag, Bundeskanzleramt, Bundespräsidentenamt) ein fiktionales Bild der Bundeshauptstadt Kassel. Weiter geht es zur Wilhelmshöher Allee, wo am Rathenauplatz eine temporäre Installation die Ausdehnung eines der geplanten Plätze der Gauhauptstadt aus der NS-Zeit veranschaulicht. Abends um 22 Uhr findet der Parcours seinen Abschluss mit einer Sichtbarmachung der unrealisierten Fortsetzung der Kaskadenanlagen im Bergpark Wilhelmshöhe, die sich einst bis zur Fulda erstrecken sollten. Mit Hilfe der Berufsfeuerwehr Kassel und der Freiwilligen Feuerwehr Waldau wird ein neun Meter hoher Wasser-Screen erzeugt, auf welchen Visualisierungen der legendären Pläne projiziert werden.
Obgleich nie realisiert, sind die Visionen, Utopien und Alternativentwürfe Teil der Geschichte Kassels und haben diese beeinflusst.
Die kleine Ausstellung im Stadtmuseum Kassel leitet in das Thema ein und stellt alle acht Entwürfe vor (Ausstellungsdauer 13. August bis 7. September): Wasserkaskaden (Giovanni Francesco Guernier u.a., 1689ff.), Numacchia (1710), Triumphbogen und Umbau des Fridericianum (Clau-de-Nicolas Ledoux, 1775), Napoleonischer Stadterweiterungsplan (1808/ 1813), Kattenburg (1820), NS-Gauhauptstadtplanungen (1936-45), Kassels Bundeshauptstadtbewerbung (1949), Staatstheater (Hans Scharoun 1956).
Veranstaltungen Ausstellungseröffnung Dienstag, 12. August, 18 Uhr, anschließend ‚Parcours der Utopien’. Stadtrundgang zu vier Installationen im Kasseler Stadtraum: Sichtbarmachung von Entwürfen Ledouxs auf dem Friedrichsplatz, Sichtbarmachung der Bundeshauptstadt zwischen Friedrichsplatz und Orangerie. Sichtbarmachung des Gauforums am Rathenauplatz, 22 Uhr Bergpark Wilhelmshöhe: Sichtbarmachung der geplanten Kaskadenanlage von Landgraf Karl.
Die Sichtbarmachungen am Friedrichsplatz und Orangerie sind für drei Tage zu sehen, die Sichtbarmachung auf der Wilhelmshöher Allee/Rathenauplatz (einige Stunden) und im Bergpark (Dauer ca. 30 Minuten) sind eine einmalige Aktion.
Mittwoch, 13.08.2008, 18 Uhr Kolloquium Utopie: Kassel - unrealisierte Bauten 1700 – 2000 Kunst- und Architekturhistoriker über unrealisierte Entwürfe für Kassel und ihre Relevanz für die Gegenwart; mit Dr. Harald Kimpel, Dr. Folckert Lüken-Isberner, Christian Presche. Moderation: Professor Philipp Oswalt, Kilian Enders, FG Architekturtheorie. An diesem Abend besteht zudem die Gelegenheit, alle Ausstellungsräume bis 22 Uhr zu besuchen (Museumsabend).
Stadtmuseum, Ständeplatz 16, 34117 Kassel; Öffnungszeiten:
Info Universität Kassel Prof. Dipl.-Ing. Philipp Oswalt Fachbereich Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung tel (01 73) 86 04 84 5 täglich außer montags 10 Uhr bis 17 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr.
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