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documenta-Stadt Kassel

Bürgermeister Junge: Tierschutz hat Vorrang

09. Juni 2009. Der Tierschutz wird künftig in Kassel bei der Vergabe städtischer Zirkusstandplätze besondere Berücksichtigung finden. Das ist das Ziel eines Beschlusses, den der Magistrat jetzt gefasst hat. Bürgermeister Thomas-Erik Junge erläuterte am Dienstag im städtischen Pressedienst, dies bedeute, dass Zirkusbetriebe oder vergleichbare Unternehmen mit bestimmten Wildtieren in Zukunft keine städtischen Flächen für ein Gastspiel erhielten.

Diese Regelung gilt erstmals ab 1. Januar 2010, begründete Ausnahmen können bis Dezember 2014 auf Antrag zugelassen werden. Dies bedeutet, dass Zirkusunternehmen, die Elefanten, Jaguare, Leoparden, Tiger, Bären, Robben, Delphine, Giraffen, Flusspferde, Nashörner, Orang-Utans, Gorillas, Schimpansen, Zwergschimpansen sowie andere Affen, Känguruhs und Reptilien mitführten, in Zukunft in Kassel keinen städtischen Platz erhalten.

„Ich freue mich, dass es gelungen ist, den Tierschutz im Bewusstsein der Stadt Kassel nach vorne zu rücken. Nach Heidelberg und Chemnitz ist auch Kassel damit ein Vorreiter beim Tierschutz“, führte Bürgermeister Thomas-Erik Junge als zuständiger Dezernent aus. Wildtiere seien nämlich nicht domestiziert und stellten daher häufig besonders hohe Ansprüche an ihre Unterbringung, Ernährung und Pflege sowie an die Sachkunde des Halters.

Bei den aufgeführten Tierarten, die häufig oder gelegentlich in Zirkussen oder ähnlichen reisenden Betrieben mitgeführt würden, könnten diese Ansprüche nicht erfüllt werden. So könne dort ein dem natürlichen Verhalten und den Bedürfnissen der Tiere entsprechendes Lebensumfeld nicht geschaffen werden. Die Tiere würden einen Großteil ihres Lebens in engen Transportwagen verbringen. Dadurch sei die Zeit, sich frei zu bewegen oder sich artgemäß zu verhalten, stark eingeschränkt. Auch die notwendige Einrichtung von ausreichend großen, ausbruchsicheren und artgerecht ausgestatteten Gehegen kollidiere mit der Notwendigkeit zur fortwährenden Mobilität sowie dem beschränktem Platzangebot auf den Gastspielstandorten. Ferner verfügten die wenigsten Zirkusbetriebe über geeignete, beheizbare Winterquartiere oder Zelte, die auch bei schlechter Witterung eine artgerechte Haltung kälteempfindlicher Wildtierarten ermöglichten. Und letztlich seien viele Zirkusbetriebe wirtschaftlich nicht in der Lage, die finanziellen Mittel für erforderliche Anschaffungen, Unterhalts- und Spezialtierarztkosten aufzubringen.

Für Bürgermeister Junge sind die Folgen für die Tiere schwerwiegend und zeigten oft sich in Verhaltungsstörungen, Erkrankungen oder auch in Todesfällen.

Die Bewerbungen der Zirkusunternehmen und die Platzvergabe durch das Ordnungsamt, so Junge, erfolgten in der Regel sehr frühzeitig. Zum heutigen Zeitpunkt seien bereits Zusagen für das laufende Jahr getroffen worden. Da diese Zirkusse sich möglicherweise noch nicht so schnell auf die Kasseler Regelung einstellen können, werde diese erst zum 1. Januar 2010 in Kraft treten. Zirkusunternehmen, die sich für Gastspiele ab 2010 bewerben würden, könnten nun im Vorfeld von der Kasseler Regelung informiert werden und langfristig planen. Da die Neuregelung alle Zirkusunternehmen gleichermaßen betreffe, bestehe keine benachteiligende Ungleichbehandlung einzelner Unternehmen. Im übrigen könne für Tiere, die tatsächlich vor dem 1. Januar 2000 vom pachtenden Zirkusunternehmen angeschafft worden seien und die seit diesem Zeitpunkt ohne Unterbrechung mitgeführt würden, im Einzelfall aus Gründen des Bestands- und Tierschutzes eine Ausnahme zugelassen werden.



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