02. Juli 2009. Begleitend zur Sonderausstellung „Das Kasseler Rathaus“ zeigt das Stadtmuseum ab Mittwoch, 8. Juli, 19 Uhr, eine Präsentation zu den Wettbewerbsentwürfen von 1901 und dem Rathausarchitekten Karl Roth. Leihgeber sind das Stadtarchiv und die Technische Hochschule Darmstadt. Zur Einführung spricht Gerd Fenner M.A.
Für den Neubau des Kasseler Rathauses schrieb die Stadtverwaltung im September 1901 einen öffentlichen Wettbewerb „unter den Architekten Deutschlands“ aus. Als Bauplatz wurde der Bereich des Messhauses an der Oberen Königsstraße bestimmt. Zu den Vorgaben gehörten genaue Angaben zum Raumbedarf für die Verwaltung und „eine größere Ratskeller-Wirtschaft“ sowie die Forderung, „den Charakter eines Rathauses klar zum Ausdruck“ zu bringen. Dabei war „vornehme Einfachheit unter Vermeidung von unnötigem Luxus in den Ansichten“ erwünscht. Die „Wahl des Baustils“ blieb dem Bewerber überlassen, jedoch sollte das Bauwerk auf jeden Fall einen „monumentalen Charakter“ erhalten. Der Haupteingang war durch „eine der Würde des Gebäudes entsprechende Haupttreppe“ hervorzuheben.
Zum festgelegten Termin 1. Mai 1902 gingen 119 Entwürfe ein. Dem 11 Mitglieder umfassenden Preisgericht unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Müller gehörten von außerhalb die Geheimen Oberbauräte Eggert, Berlin, und Hofmann, Darmstadt, der Stadtbaurat Licht aus Leipzig sowie der bekannte Architekt und Hochschullehrer Professor Friedrich von Thiersch aus München an.
Das Preisgericht tagte im Juli und bestimmte in drei Durchgängen 17 Projekte für die engere Wahl. Dem Entwurf mit dem Kennwort „Stadtbild“ wurde schließlich der erste Preis zuerkannt. Für den prämierten Architekten Karl Roth (1875-1910), mit gerade 31 Jahren Assistent an der technischen Hochschule Darmstadt, bedeutete es den Beginn einer beeindruckenden Karriere. Nahezu zeitgleich mit dem Kasseler Rathaus erbaute er das Rathaus in Dresden, 1912 bis 1923 und 1927 bis 1931 errichtete er in Barmen und Bochum zwei weitere große Rathäuser.
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