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Nach der Katastrophe - Stadt Kassel unterstützt das Stadtarchiv Köln bei der Bergung von Archivgut

07. Juli 2009. Vier Monate nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs am 3. März ist die Bergung der verschütteten 30 Regalkilometer Archivgut - von der mittelalterlichen Urkunde bis zur Akte aus dem 20. Jahrhundert - immer noch im Gang. Zur Unterstützung hatte die Stadt Kassel Stadtarchivarin Dr. Sigrid Schieber jetzt für einen dreitägigen Hilfseinsatz freigestellt.

„Es ist selbstverständlich“, so Kassels Bürgermeister Thomas-Erik Junge, „dass wir der Stadt Köln Amtshilfe leisten, um weitere Archivalien zu bergen und die Mitarbeiter des Kölner Archivs tatkräftig zu unterstützen“. Obwohl derzeit schon etwa 80 Prozent der Unterlagen von der Unglücksstelle geborgen sind, wird die erste Sicherung des Materials wohl noch bis in den August dauern. Die zügige Bergung war nur möglich durch den Einsatz von inzwischen fast 2.000 Freiwilligen, darunter viele Archivarinnen und Archivare aus Deutschland und dem Ausland.

„Die Bergungsarbeit ist mittlerweile eingespielt und gut organisiert“, berichtet Dr. Schieber. An der Unglückstelle selbst arbeiten nur die Feuerwehr und Personal des Kölner Stadtarchivs. Die dort geborgenen und in weiße Umzugkartons verpackten Archivalien werden im „Erstversorgungszentrum“ ausgepackt und auf Listen aufgenommen, soweit eine Inhaltsbestimmung möglich ist. Anschließend werden sie in Trockenzelten getrocknet, um Schimmelbildung bei feuchtem Material auszuschließen, und schließlich in Archivkartons verpackt.

„Es ist schön zu sehen, wie viele Urkunden und Akten kaum beschädigt gefunden werden. Während meines Einsatzes in Köln tauchten komplette städtische Akten, Teile des Böll-Nachlasses und ein mittelalterliches Evangeliar auf. Viele Kartons sind aber auch mit zerknüllten Schnipseln gefüllt, bei denen kaum zu erkennen ist, worum es sich einmal handelte“, so Dr. Schieber.

Nasses Material, das unterhalb der Grundwassergrenze geborgen wird, gelangt nicht ins Erstversorgungszentrum, sondern wird sofort tiefgefroren, um den Papierzerfall und die Schimmelbildung zu stoppen. Die hauptsächliche Arbeit, das Trocknen des eingefroren Materials, die Zuordnung der durchmischten Archivalien, die Restaurierung beschädigter Unterlagen und das Zusammensetzen der Schnipsel - sofern das überhaupt noch möglich ist - wird in den kommenden Jahren in Angriff genommen werden. Erst danach wird das jetzt geborgene Archivgut wieder von Wissenschaftlern und Heimatforschern genutzt werden können.



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