28. Mai 2010.
Tabakwerbung zielt bewusst auf Mädchen, Jungen und Frauen.
Seit 1987 gibt es den von der WHO ins Leben gerufenen Nichtrauchertag, jedes Jahr mit einem Schwerpunktthema. Für 2010 lautet es: „Die Marketingstrategien der Tabakindustrie“.
Trotz Nichtraucherschutzgesetzgebung und Selbstverpflichtungserklärungen der Tabakwarenindustrie sind heranwachsende Jungen und Mädchen zweifelsfrei eine Hauptzielgruppe der Tabakwerbung. So sprechen das Aktionsbündnis Nichtrauchen und die Deutsche Krebshilfe ganz offen von Kindern und Jugendlichen „im Fadenkreuz der Tabakindustrie“. Das jetzt vorgestellte Plakat zum Weltnichtrauchertag trägt deshalb den Titel „Jugend im Visier“.
Ganz ungeniert bewegt sich die Tabakwerbung an den Grenzen des Erlaubten. Nachdem es Werbeeinschränkungen in Kinos und im Fernsehen gegeben hat, werden Jungen und Mädchen bereits auf dem Schulweg durch bunte Zigarettenautomaten, Werbeplakate an Bushaltestellen und auf Großflächen sowie durch geschickte Schleichwerbung zu ködern versucht.
Aus Sicht der Tabakindustrie ist ein solches Vorgehen nur folgerichtig. Da jeder zweite Raucher langfristig an den Folgen einer Nikotinsucht stirbt, müssen ständig neue Kunden gewonnen werden, damit der Strom der Tabakabhängigen nicht abreißt, und je früher man Kinder und Jugendliche zum Rauchen verführt, um so schwerer kommen sie von der Zigarette wieder los. Das weiß die Tabakindustrie ganz genau und deswegen ist ein früher Beginn der Raucherkarriere für sie besonders vorteilhaft.
Das Gesundheitsamt Region Kassel unterstützt ausdrücklich die Aktivitäten der Deutschen Krebshilfe sowie des Aktionsbündnisses Nichtrauchen, die in diesem Jahr besonders Kinder und Jugendliche sowie Frauen vor den Folgen der Tabaksucht schützen wollen.
„Wichtig ist die Botschaft an Kinder und Jugendliche, dass nicht Rauchen, sondern Nichtrauchen cool und schick ist“, erklärt die Leiterin des Gesundheitsamtes Region Kassel, Dr. Karin Müller. Dabei, so die Amtsleiterin, dürfe man nicht mit langweiligen und moralsauren Parolen kommen, sondern mit griffigen Aussagen, die für die Angesprochenen unmittelbar nachvollziehbar seien. Als Beispiel nannte sie die Aufforderung: „Küsse einen Nichtraucher und schmecke den Unterschied!“.
Das Gesundheitsamt jedenfalls unterstützt alle Aktivitäten, die geeignet sind, Kinder und Jugendliche davon zu überzeugen, dass Selbstbewusstsein und Ansehen in der Gruppe sehr wohl möglich sind, ohne dass man sich hierzu an einer Zigarette festhalten muss. „Gern kommen wir auch in Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendzentren hierüber mit den jungen Menschen ins Gespräch“ betont die Leiterin des Gesundheitsamtes. Hierzu ist sie sich auch der vorbehaltlosen Unterstützung der Gesundheitsdezernentin der Stadt Kassel, Anne Janz, sicher, die erst kürzlich die jüngsten Aufweichungen des Nichtraucherschutzes durch die hessische Landesregierung mit deutlichen Worten kritisiert hatte.
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