24. September 2010. Am Samstag, 23. Oktober, wird der Kulturpreis Deutsche Sprache zum zehnten Mal in der Brüder-Grimm-Stadt Kassel verliehen.
Der auf Initiative der Eberhard-Schöck-Stiftung und des Vereins Deutsche Sprache ins Leben gerufene Kulturpreis besteht aus drei Auszeichnungen: Udo Lindenberg erhält den Jacob Grimm-Preis Deutsche Sprache, die Arbeitsstelle für deutschmärische Literatur der Palacky-Universität Olmütz, vertreten durch Professor PhDr. Ingeborg Fiala-Fürst, den Initiativpreis und der undotierte Institutionenpreis geht an die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, vertreten durch ihren Dekan, Professor Dr. rer. pol. Walter Ried.
Für die Preisverleihung am 23. Oktober um 16 Uhr im Kongress Palais Kassel Stadthalle, zu dem der Oberbürgermeister Bertram Hilgen die Anwesenden recht herzlich begrüßt, sind noch Restkarten erhältlich. Interessierte werden gebeten, bis zum 1. Oktober eine Mail an kulturpreis-kassel@stadt-kassel.de zu senden.
Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache an Udo Lindenberg
Der Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache für das Jahr 2010 wurde Udo Lindenberg zugesprochen. Udo Lindenberg ist der einflussreichste und erfolgreichste deutsche Rockmusiker der vergangenen 40 Jahre, seine Lieder haben die deutschsprachige Rockmusik geprägt. Seine Lieder haben gezeigt, dass Rockmusik in deutscher Sprache erfolgreich sein kann.
Udo Lindenberg bekommt den Preis für die Texte, die er singt und teilweise selbst geschrieben hat, zugesprochen. Einige dieser Texte sind moderne Balladen, andere sind kleine Dramen, wieder andere Liebesgeschichten, glückliche und tragische. Und auch gesungene Nonsens-Lyrik gehört zu Lindenbergs Repertoire.
Die Stoffe seiner Lieder spiegeln mitunter sehr kritisch die Probleme der Gesellschaft wider. Es geht um atomare Bedrohung, Faschismus, Friedenssehnsucht oder ganz existenziell um Respekt im Umgang miteinander. Lindenbergs Texte haben Politik gemacht, etwa „Mädchen aus Ost-Berlin“, „Sonderzug nach Pankow“ oder „Bananenrepublik“; manche entwickelten sich zu Ohrwürmern, so „Andrea Doria“, „Rudi Ratlos“ oder „Cello“. Udo Lindenberg hat gezeigt, dass anspruchsvolle, schöne Rock-Texte in deutscher Sprache möglich sind und außerordentlich erfolgreich sein können. Die von ihm gegründete Udo-Lindenberg-Stiftung fördert Nachwuchskünstler, um „neue Wege gegen das Mitmarschieren in der Masse zu suchen, provokant zu schreiben und sich nicht anzupassen an den Superstar-Schrott.“
Der Jacob-Grimm-Preis ist mit 30.000 Euro dotiert. Er ist Teil des Kulturpreises Deutsche Sprache, der bereits zum zehnten Mal vergeben wird. Er wird von der Eberhard-Schöck-Stiftung (Baden-Baden) und vom Verein Deutsche Sprache getragen. Zu den bisherigen Trägern des Jacob-Grimm-Preises gehören Günther de Bruyn, Paul Kirchhof, Vicco von Bülow alias Loriot und Cornelia Funke. Udo Lindenberg ist der erste Musiker in der Reihe der Preisträger.
Der Initiativpreis Deutsche Sprache geht 2010 an die Arbeitsstelle für deutschmährische Literatur der Palacky-Universität Olmütz (Olomouc) in der Tschechischen Republik. Diese Einrichtung befasst sich mit der Dokumentation und Pflege des deutschsprachigen literarischen Erbes Mährens. In der kommunistischen Zeit war dieses Erbe verleugnet worden. Mit Hilfe umfassender Quellensammlungen macht die Arbeitsstelle in Olmütz der breiten Öffentlichkeit literarische Werke von Autoren wie Robert Musil, Max Zweig oder Ernst Sommer zugänglich. Dieser Teilpreis ist mit 5.000 Euro dotiert. In den vergangenen Jahren war er unter anderem der Schriftstellerin Marica Bodroži?, der Deutschen Bibliothek Helsinki und dem Kasseler Netzwerk „Mensch zuerst“ zugesprochen worden.
Der undotierte Institutionenpreis Deutsche Sprache geht 2010 an die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Sie ist die einzige Fakultät, die am Studienabschluss ‚Diplom’ festhält und den bewährten Titel ‚Diplomkaufmann’ verleiht. Sie wird weiterhin dafür ausgezeichnet, dass man in Greifswald die Wirtschaftswissenschaften bis heute in deutscher Sprache studieren kann. Die Jury möchte mit dieser Entscheidung andere Fakultäten dazu ermutigen, sich für die Wieder-Einführung bewährter Studiengänge und anerkannter Titel (wie Diplomingenieur, Diplomgermanist, Diplommathematiker usw.) einzusetzen. Zu den früheren Trägern dieses Teilpreises gehören die „Stuttgarter Zeitung“, die Zeitschrift „Angewandte Chemie“ und die Weleda AG.
Die Jury des Kulturpreises Deutsche Sprache:
Professor Dr. Helmut Glück (Sprecher, Bamberg), Professor Dr. Wolf Peter Klein (Würzburg), Professor Dr. Walter Krämer (Dortmund), Dipl.-Ing. Eberhard Schöck (Baden-Baden)
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