09. November 2010.
„Mit der der Vorlage eines städtischen Masterplans will die Stadt Kassel einen eigenen Beitrag zur Neuordnung der Museumslandschaft Kassel leisten“, erklärte Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen am Dienstag bei der Vorstellung des Teils 2 des Masterplans „Städtische Museen und Kultureinrichtungen Kassel“ im Rathaus vor der Presse. Der zweite Teil hatte am Montag den Magistrat passiert und wird nun der Stadtverordnetenversammlung zur Kenntnisnahme zugeleitet.
Ziel der Masterplanung sei es, die Standorte und Aktivitäten der städtischen Museen, Archive und Kultureinrichtungen sowie ihre Entwicklungsperspektiven aufzuzeigen, unterstrich der Oberbürgermeister.
Der Masterplan umfasst die städtischen Kultureinrichtungen Brüder Grimm-Museum, Stadtmuseum, Naturkundemuseum, Stadtarchiv, documenta Archiv sowie das Kulturhaus Dock 4. Ferner werden die Einrichtung eines Technikmuseums und die Möglichkeit einer Ausstellungsfläche für bildende Künstler im Kulturbahnhof untersucht.
Im ersten Teil der städtischen Masterplanung wurden die Sanierungs- und Ausbaupläne des Brüder Grimm-Museums und des Stadtmuseums vorgestellt. Im Hinblick auf das Stadtjubiläum im Jahr 2013 und die Grimm-Jubiläumsjahre 2012/13 wurden diese beiden Projekte einer vertiefenden und umsetzungsnahen Betrachtung und Planung unterzogen. Für deren Umsetzung stehen im Haushalt der Stadt Kassel 20 Millionen Euro Eigenmittelbereit.
Die Baumaßnahmen am Stadtmuseum und am Palais Bellevue seien bereits in vollem Gange, führte Hilgen weiter aus. Nach Abschluss der denkmalgerechten Sanierung des Palais Bellevue werde das Brüder Grimm-Museum im Herbst 2011 wieder einziehen. Dies allerdings nur vorübergehend - denn die Planungen für einen Neubau des Brüder Grimm-Museums auf dem Weinberg schritten zügig voran. In 2014 solle das neue Museum stehen. Das Investitionsvolumen werde auf rund 18,3 Millionen Euro geschätzt. Die Sanierungskosten für das Palais Bellevue betrügen 3,66 Millionen Euro. Neben der umfangreichen Sanierung erhalte das Stadtmuseum einen Teil-Neubau. Das Museum werde 2013 wieder eröffnet. Die Kosten betrügen zirka acht Millionen Euro.
Der jetzt vom Magistrat beschlossene zweite Teil des Masterplans verstehe sich als eine ergänzende Betrachtung. Für die dort vorgestellten Einrichtungen Naturkundemuseum, Stadtarchiv, documenta Archiv, Kulturhaus Dock 4 und das Technikmuseum würden denkbare Perspektiven mit unterschiedlichen Optionen aufgezeigt. Oberbürgermeister Hilgen: „Für deren Umsetzung gibt es zwar aktuell weder politische Beschlüsse noch Mittel für ihre Verwirklichung, aber eine strategisch vorausschauende Kulturentwicklungsplanung verlangt das Aufzeigen von langfristigen Entwicklungslinien. Mit seiner umfassenden Bestandsaufnahme und dem Aufzeigen der optionalen Möglichkeiten ist der Masterplan Teil 2 eine hervorragende Grundlage für die weitere kommunalpolitische und öffentliche Diskussion.“
Die Projekte im Einzelnen:
Naturkundemuseum
Dank seiner hervorragenden Museumsarbeit und interessanten Ausstellungen erreicht das Museum bis zu 100.000 Besucher jährlich. Das Museum stößt allerdings aufgrund seiner räumlichen Situation an seine Grenzen. Alle Möglichkeiten zur Optimierung sind ausgeschöpft. Folgende Maßnahmen werden empfohlen:
Zur Lösung der Raumproblematik wird ein zirka 600 Quadratmeter umfassender Neubau angrenzend an das Ottoneum vorgeschlagen.
Stadtarchiv
Das historische Hauptarchiv der Stadt Kassel (Stadtarchiv) befindet sich auf unterschiedlichen Stockwerken im Marstallgebäude. Das Gebäude ist nicht barrierefrei zu erschließen und die Anlage der Räume nicht funktional. Auch besteht ein zusätzlicher Flächenbedarf für das Magazin.
Folgende Maßnahmen werden empfohlen:
Für die Umsetzung der Maßnahmen könnte entweder - nach Ausbau - das Dachgeschoss des Marstallgebäudes hinzugenommen werden, ein Archivneubau geplant oder ein bestehendes Gebäude angemietet oder angekauft werden.
documenta Archiv
Die einzelnen Abteilungen des documenta Archivs sind unter äußerst beengten Bedingungen im Erdgeschoss des Kulturhauses Dock 4 untergebracht. Bibliothek, Archiv und Verwaltungsräume sind nicht in einer räumlichen Einheit verbunden.
Damit die documenta auch zwischen den Ausstellungsjahren in der Öffentlichkeit präsent ist, wird die Einrichtung eines documenta Zentrums empfohlen. Dem documenta Zentrum sollten angehören:
Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Kassel hat sich bereits für eine mittel- bis langfristige Realisierung des documenta Zentrums ausgesprochen und das Land Hessen gebeten, das Vorhaben gemeinsam umzusetzen.
Für das documenta Zentrum wird eine Fläche von zirka 5.500 Quadratmeter notwendig sein. Folgende Gebäude werden in die Untersuchung eines möglichen Standortes mit einbezogen: Die documenta Halle, das Kulturhaus Dock 4 und die Bundesbankfiliale am Standort Ständeplatz.
Kulturhaus Dock 4
Das Kulturhaus Dock 4 arbeitet seit 2002 mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendkultur und hat seinen Sitz in der ehemaligen Gerhart Hauptmann-Schule. Es wird von unterschiedlichen kulturellen Produzenten als Probe- und Aufführungsstandort genutzt. Im Kulturhaus Dock 4 befinden sich darüber hinaus die documenta GmbH und das documenta Archiv. Alle Nutzergruppen stoßen an ihre räumlichen Grenzen und haben zusätzlichen Flächenbedarf. Zusätzlich besteht ein erheblicher Sanierungs- und Modernisierungsbedarf.
Perspektivisch würden das Dock 4 ausreichend Platz für die Einrichtung eines documenta Zentrums bieten. Die Kulturszene wäre dann zu verlagern; als geeignetes Areal würde sich der KulturBahnhof anbieten.
Würden die documenta GmbH und das documenta Archiv anderweitige Räumlichkeiten finden, könnte das Kulturhaus Dock 4 die an die documenta GmbH und das documenta Archiv abgegebenen Räume wieder in seine Nutzung übernehmen.
KulturBahnhof
Der KulturBahnhof ist mit seinem Umfeld ein bedeutender kulturwissenschaftlicher Standort in Kassel und hat hessenweit Modellcharakter. Diese Strukturen sind zu stärken, damit sich der Standort und das Schillerviertel in seinen Ansätzen weiter entwickeln können. Die Stadt Kassel hat für ihre derzeit wegen Sanierung geschlossenen Museen Ausstellungsbereiche angemietet. Weitere Flächen könnten perspektivisch Ausstellungsflächen für Kasseler Künstlerinnen und Künstler sein.
Im Umfeld des KulturBahnhofes haben sich im Schillerviertel tragende Akteure wie A.R.M., Galerie Loyal, Lolita Bar, fensterzumhof und Chasalla-Haus angesiedelt.
Diese Strukturen sind zu stärken, damit sich der Standort und das Schillerviertel in seinen Ansätzen weiter entwickeln können.
Technikmuseum
Die Machbarkeitsstudie Technikmuseum kommt 2007 zu dem Schluss, dass sich ein Technikmuseums in Kassel inhaltlich trägt und geht von einem Investitionsbedarf von elf bis 35 Millionen Euro aus. Sowohl das Land Hessen als auch die Stadt Kassel haben erklärt, dass sie gegenwärtig keine Mittel für den Aufbau eines Technikmuseums zur Verfügung stellen können, dass aber grundsätzlich die Option für eine spätere Realisierung offen gehalten werden soll. Dem Verein Technikmuseum ist es gelungen, im ehemaligen Henschelwerk in Rothenditmold eine Halle mit einer Fläche von 2.500 Quadratmeter anzumieten, in der gegenwärtig ein Ausstellungsdepot realisiert ist.
Kulturinformationszentrum
Das Kulturinformationszentrum Innenstadt als Tourismusinformation von Kassel Marketing befindet sich im Rathaus. Die Räume sind sehr beengt und etwas versteckt im Rathaus. Empfohlen wird daher ein neu zu errichtendes Besucherzentrum in der Innenstadt (Friedrichsplatz), das die bisherige Tourismusinformation aufnimmt und auch für andere Kultureinrichtungen touristische Dienstleistungen übernimmt.
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