22. August 2013. Einst als Ort für den kulturellen Austausch und Seminare gegründet hat die Begegnungsstätte Kassel in der russischen Stadt Jaroslawl eine neue Zweckbestimmung erhalten. Als „Gasthaus Kassel“ dient es nun für Übernachtungen in Kassels Partnerstadt. Die Räume waren für die dort angebotenen Deutsch-Kurse aufgrund der starken Nachfrage zu klein geworden. Außerdem machte der Kostendruck eine Neuausrichtung erforderlich. Übernachtungen buchen können Interessierte über das Internetportal der MUBINT-Hochschule www.mubint.ru/departments/service/kassel/ bzw. yar.renthome.ru.
„Die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Städten sind in den vergangenen beiden Jahrzehnten gewachsen und intensiviert worden durch regelmäßige Schulprojekte, Bürgerbegegnungen, sportliche und kulturelle Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch in verschiedenen Bereichen der Kommunalverwaltung. Ein „Kassel-Haus“ mitten in Jaroslawl ist ein sichtbares Zeichen für das Heute und gleichzeitig ein Beleg für die Geschichte unserer partnerschaftlichen Entwicklung“, erklärt Stadträtin Brigitte Bergholter, Beauftragte der Stadt Kassel für Städtepartnerschaften
„ Für uns als Initiatoren der Begegnungsstätte ist es wichtig, dass das „Kassel-Haus“ im Stadtbild sichtbar bleibt. Wir unterstützen es auch in Zukunft, indem wir gezielt bei Jaroslawl-Besuchern Werbung für die Nutzung machen“, erklärt Dr. Gabriele Gorzka, Universität Kassel.
1989 entstand die Idee, für die neue Partnerschaft zwischen Kassel und Jaroslawl einen Ort zu schaffen, an dem ein kultureller Austausch, Seminare, Ausstellungen und andere Formen der Bürgerbegegnungen stattfinden könnten. Die Idee reifte zu dem Projekt, gemeinsam ein altes Holzhaus für diesen Zweck in Jaroslawl zu sanieren. Damit sollte zugleich ein Zeichen gesetzt werden für die Erhaltung alter russischer Architektur bzw. die Verbindung traditioneller Baukunst mit moderner westlicher Technik und Ausstattung.
Nahezu fünf Jahre waren nötig, um dieses Vorhaben zu realisieren. Offiziell getragen von den Städten, den Hochschulen und Deutsch-Russischen Gesellschaften beider Seiten wurde das Projekt allein durch Geldspenden und Sach- oder Dienstleistungen finanziert. Die technische Projektleitung hatte Dipl. Ing. Rolf Wekeck vom Amt für Bauordnung und Denkmalpflege der Stadt Kassel, ehrenamtlich übernahmen seitens der Universität Kassel Prof. Dr. Ing. Dieter Haberland die Schadensaufnahme und technische Aufmessung des Gebäudes sowie Prof. Jochem Jourdan die Planung für den Innenausbau.
In der Bauphase von 1990 bis 1994 überstand das Projekt etliche politische und ökonomi-sche Wirren - teilweise drohte es zu scheitern an Geldmangel bzw. unterschiedlichen Vorstellungen von der fachgerechten Sanierung, Kommunikationsschwierigkeiten oder wechselnden Zuständigkeiten auf beiden Seiten. Aber am 28. Mai 1994 konnte die Einweihung im Beisein des deutschen Botschafters, der Oberbürgermeister beider Städte und zahlreicher Kasseler Bürger gefeiert werden. Auf ca. 300 qm bot die Begegnungsstätte, die ganz im Zentrum von Jaroslawl liegt, als „offenes Haus“ mehrere Ausstellungs- bzw. Seminarräume sowie drei Gästeappartements.
Das Kasseler Ost-West-Wissenschaftszentrum der Universität Kassel (OWWZ) - als Koordinator auf Kasseler Seite für die Nutzung des Hauses - beantragte 1995 beim Auswärtigen Amt erfolgreich Mittel zum Aufbau eines Zentrums für Deutsche Sprache. Das Goethe-Institut München finanzierte für zwei Jahre eine entsprechende Lehrkraft. 1996 wurde in der Begegnungsstätte das Deutsch-Zentrum eingerichtet, das später als Vorbild für weitere Goethe-Sprachkurszentren in Russland diente. Hier wurden Deutschlehrende in neuen Methoden der Didaktik geschult, ein Sprachlernzentrum und eine Mediathek aufgebaut sowie eine Bibliothek mit deutschsprachigem Bestand an Sachbüchern, Belletristik und Zeitschriften – gefördert über lange Zeit durch das Auswärtige Amt, das Goethe-Institut und die Stadt Kassel.
Die Begegnungsstätte – oder, wie die Jaroslawler sagen, das „Haus der Freundschaft“ – war in den folgenden Jahren ein wichtiger Ort für den wissenschaftlichen und kulturellen Austausch. Ab 1998 entstanden etliche Kooperationsprojekte: mehrere EU-geförderte Maßnahmen zur Verwaltungsreform, Aufbau neuer Studiengänge an den Jaroslawler Hochschulen und eines vom DAAD geförderten Zentrums für Hochschuldidaktik oder auch von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanzierte Weiterbildungsprogramme zu Qualitätsmanagement in der Produktion oder energieeffizientem Bauen. Für die Treffen der beteiligten Partner und Schulungen wurde der – von der Fa. Starke in Kassel ausgestattete – Konferenzraum sehr gern genutzt.
Mit finanzieller Unterstützung der Stadt Kassel organisierten die russischen Partner hier kleine Kunstausstellungen, Weihnachts- und Osterfeste für Kinder , Lesungen und Filmvorführungen.
In den 90er Jahren bot die Begegnungsstätte im Vergleich zur örtlichen Infrastruktur eine sehr hohe technische Ausstattung, die auch von Nicht-Kasselern gern genutzt wurde. So übernachtete der deutsche Botschafter bei seinen Besuchen in Jaroslawl stets in einem Appartement der Begegnungsstätte.
Regelmäßige Sanierungen des Gebäudes und die Kosten für Personal und Betrieb übernahm die russische Seite: hier zeigte Prof. Valerij Ivanov, Rektor der MUBINT Hochschule, als Koordinator der Jaroslawler Seite ein starkes Verantwortungsbewusstsein für das Gebäude und seine Nutzung. Der enorme Kostendruck führte 2012 zu einer Neuausrichtung in der Nutzung: Da die Räumlichkeiten für die sehr erfolgreichen Deutschkurse zu klein geworden waren, zog das Deutsch-Zentrum in sanierte Gebäude der MUBINT Hochschule um. Die freigewordenen Flächen und Appartements wurden modernisiert und werden heute als „Gasthaus Kassel“ genutzt. Hier können Interessierte über das Internetportal der MUBINT www.mubint.ru/departments/service/kassel/ bzw. yar.renthome.ru Übernachtungen buchen. Mehr über Jaroslawl erfahren Sie auf den Internetseiten der Stadt Kassel unter http://www.stadt-kassel.de/stadtinfo/staedtepartnerschaft/jaroslawl/ Weitere Informationen:
Stadträtin Brigitte Bergholter, Beauftragte für Städtepartnerschaften, Stadt Kassel, Rathaus, 34117 Kassel
Dr. Gabriele Gorzka, UniKasselTransfer/ Ost-West-Wissenschaftszentrum, Mönchebergstraße 7, 4109 Kassel, Telefon 05 61/804-35 67, -36 09, E-Mail:gorzka@uni-kassel.de
Stadt Kassel
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Rathaus / Obere Königsstraße 8
34112 Kassel
Telefon: 0561 / 787-1231 oder 0561 / 787-1232
Telefax: 0561 / 787-87
E-Mail: presse@kassel.de
Pressesprecher Ingo Happel-Emrich
Pressesprecherin Petra Bohnenkamp
Kassel und die Region im Internet:www.kassel.de
Die Stadtverwaltung im Internet: www.stadt-kassel.de
Die Pressestelle documenta-Stadt Kassel ist Mitglied bei www.presse-service.de. Dort können Sie Mitteilungen weiterer Pressestellen recherchieren und per E-Mail abonnieren.