An dem Erdwall, der als Lärmschutz entlang der Autobahn bei Kassel-Nordshausen entsteht, wurden im Sommer 2015 erneut Erdbewegungen festgestellt. Insbesondere durch die Lage des Erdwalls zur Autobahn und zur Kleinbahntrasse muss ein Gefährdungspotential einkalkuliert werden. Die Stadt Kassel hat Sofortmaßnahmen eingeleitet und sucht intensiv nach den Ursachen für die Erdbewegungen.
08. Dezember 2015. Die Stadt Kassel hat im Jahr 2005 beschlossen, einen Erdwall in Kassel-Nordshausen entlang der Autobahn A44 anlegen zu lassen. In den Jahren zuvor waren in Kassel bereits mehrere solcher Erdwälle erfolgreich hergestellt worden. An dem Erdwall in Nordshausen baut seit 2007 eine Arbeitsgemeinschaft (ARGE) aus drei Firmen. Der Erdwall ist inzwischen zu 90 Prozent fertig gestellt. Im Juli 2015 sind Hangrutschungen aufgetreten, im Bereich um den Erdwall sind Aufwölbungen des Geländes festzustellen. Der Erdwall entspricht damit nicht der vorgesehenen und genehmigten baulichen Form.
Die sichtbaren Aufwölbungen im Bereich der landwirtschaftlich genutzten Flächen, die sich auch im Eigentum Dritter befinden, wurden durch mehrere Messungen im Verlauf des Jahres 2015 bestätigt. Die Bewegungen sind aus fachlicher und geologischer Sicht erheblich. Die jüngsten Messungen haben allerdings keine bzw. unerhebliche Bewegungen festgehalten.
Seitdem die Geländeveränderungen bekannt wurden, haben die Stadt Kassel wie auch die mit dem Bau des Erdwalls beauftragte ARGE alle Fachleute zusammengezogen, um die Schadensursache zu erkunden und weitere Maßnahmen einzuleiten. Zur Information und Abstimmung werden Gespräche mit der Hessischen Landesbahn (HLB), dem Volkswagen-Werk und Hessen Mobil geführt.
Oberste Priorität hat, den Zustand des Bauwerks zu sichern und die Ursachen der Erdbewegungen zu klären. Dies geschieht in Abstimmung mit dem Prüfsachverständigen. Maßgebend für die Standsicherheit der Böden sind deren Wassergehalte. Um diese nicht zu verschlechtern wurden und werden umgehend erforderliche Maßnahmen durchgeführt. Bevor weitere Maßnahmen getroffen werden können, muss die Ursache für die Erdbewegungen geklärt sein. Ein Teil der Maßnahme ist die Installation von sogenannten Inklinometer-Messungen. Dabei handelt es sich um Tiefenbohrung zur Bestimmung von Schichtverschiebungen. Mit diesem Verfahren können die tatsächlichen Ursachen festgestellt und Möglichkeiten identifiziert werden, die Ursachen zu beheben.
Aktuelle Messungen finden im Auftrag der ARGE durch ein Vermessungsbüro an der Autobahn A44, am Erdwall und auf den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen statt. Ergänzend dazu bringen die städtischen Vermesser zusätzliche Messpunkte in Abstimmung mit der Hessischen Landesbahn an der Kleinbahntrasse und der Autobahn an. Die Messpunkte wurden bereits festgelegt und angebracht. Um alle nötigen Maßnahmen zu koordinieren, ist ein externer Projektsteuerer beauftragt worden.
Bereits 2013 Maßnahmen gegen Hangrutschung ergriffen
Nachdem im Jahr 2013 am östlichen Ende des Erdwalls eine Hangrutschung festgestellt worden war, wurde zur Klärung das Sachverständigenbüro PTM herangezogen. Um die Standfestigkeit sicherzustellen, wurden zusätzliche Drainagesysteme installiert. Gleichzeitig wurde eine Reihe von Messpunkten installiert, um das Gelände unmittelbar im Bereich des Erdwalls sowie an der Autobahn und Kleinbahntrasse zu überwachen.
Die ungeplanten Erdbewegungen waren nach Ansicht des Bodengutachters (2014) in erster Linie auf sogenannte Porenwasser-Überdrücke zurückzuführen. Deshalb war es das wesentliche Ziel, überschüssiges Wasser zu beseitigen. Die in dem Sicherungskonzept empfohlenen Horizontaldrainagen sind verlegt worden und sollten in den Erdkörper eindringendes Schichtenwasser abführen.
Weitere Erdbewegungen frühzeitig erkennen
Durch die im Juli 2015 an anderer Stelle festgestellten Veränderungen im erweiterten Erdwallbereich und deren Bestätigung durch die Messergebnisse gibt es aktuell einen undefinierten Zustand. Weitere Erdbewegungen können zurzeit nicht ausgeschlossen werden. Insbesondere durch die Lage des Erdwalls zur Autobahn und zur Kleinbahntrasse muss ein Gefährdungspotential einkalkuliert werden, weil die Ursachen für die Erdbewegung noch nicht festgestellt sind.
Bei den vorliegenden Untergrundverhältnissen sind nach Einschätzung des Prüfsachverständigen Prof. Dr.-Ing. Vogler keine schlagartig eintretenden Erdrutschungen an der Autobahn A44 zu erwarten. Das zwischenzeitlich eingerichtete Mess- und Überwachungssystem entspricht den bauaufsichtlichen Regeln der Beobachtungsmethode. Das System ist geeignet, mögliche weitere Erdbewegungen frühzeitig zu erkennen, um erforderlichenfalls geeignete Maßnahmen einleiten zu können. Ähnlich wird es für die Gefährdung der Kleinbahntrasse gesehen, die das VW-Werk andient.
Nach Aussage des Prüfsachverständigen kann ohne weitere Untersuchungen und Klärung der geotechnischen Ursachen nicht beurteilt werden, ob die Erdbewegungen endgültig zum Stillstand gekommen sind oder ob weiterhin ein Risiko für Geländeverformungen in angrenzenden Bereichen besteht. Die diesbezüglichen Untersuchungen wurden bereits eingeleitet.
Hintergrund: Lärmschutz für Anwohner der Autobahn
Die Stadt Kassel hat nach entsprechend erfolgreicher Herstellung mehrerer Erdwälle in Kassel im Jahr 2005 beschlossen, einen weiteren Erdwall in Kassel-Nordshausen entlang der Autobahn A44 errichten zu lassen. Durch das Projekt soll in erster Linie der Lärm für die Anwohner in den Stadtteilen Brasselsberg und Nordshausen reduziert werden. Zudem soll die landschaftliche Einfassung der Autobahn neu gestaltet werden. Für den Erdwall werden – da dies ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist - Erdstoffe aus Baustellen in Kassel und der Umgebung verbaut.
Die Baugenehmigung wurde 2006 erteilt. Im Jahr 2007 wurde ein Bauvertrag zwischen der Stadt und einer ARGE aus drei Unternehmen (Baureka Baustoff Recycling GmbH, Eurovia Teerbau GmbH, Schnittger Erdbau und Transporte GmbH) zur Umsetzung des Projekts unterzeichnet. Seit 2007 wird an dem Lärmschutzwall gebaut. Dieser soll 650 Meter lang, 80 Meter breit und 23 Meter hoch werden. Der Erdwall ist aktuell zu 90 Prozent fertiggestellt.
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