22. Oktober 2018.
Viele Hundert Menschen haben am Montag, 22. Oktober, zum 75.Jahrestag der schrecklichen Zerstörung Kassels gedacht. „Kein anderes Ereignis hat das Bild unserer Stadt in ihrer über 1100-jährigen Geschichte so abrupt verändert, so nachhaltig geprägt und ein solches Trauma verursacht – bis heute“, sagte Oberbürgermeister Christian Geselle bei der offiziellen Gedenkveranstaltung, zu der die Stadt Kassel unter dem Motto „Erinnern und Versöhnen“ in die Martinskirche eingeladen hatte.
400.000 Bomben gingen auf Kassel nieder
In der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober gingen über 400.000 Bomben auf Kassel nieder. 10.000 Menschen kamen im Feuersturm, der fast die gesamte Innenstadt zerstörte, ums Leben. Das verheerende Bombardement war eines von insgesamt 40 Luftangriffen auf Kassel. „Der Zweite Weltkrieg hat nicht nur das Gesicht unserer Stadt für immer verändert und geprägt, er hat die ganze Welt erschüttert und überall blutige Spuren und Narben hinterlassen. Dieser, vom nationalsozialistischen Deutschland hinterhältig angezettelte, schreckliche Weltkrieg und millionenfache Völkermord hat weltweit 60 Millionen Menschenleben gekostet – eine unvorstellbare Zahl!“
Als der Zweite Weltkrieg 1939 seinen Anfang nahm, lebten in Kassel 220.000 Menschen. Im April 1945 waren nur noch 71.209 übrig. Hinzu kamen 22.825 Menschen mit ausländischen Wurzeln, vor allem Zwangsarbeiter. Schicksale von Zeitzeugen wurden während der Gedenkveranstaltung in einem beeindruckenden Film dargestellt, der zu sehen ist auf der Internetseite der Stadt Kassel: bit.ly/Gedenken2210
Geselle: „Wehret den Anfängen!“
Geselle betonte, dass es angesichts der aktuellen Situation wohl wichtiger denn je sei, das Gedenken an die entsetzlichen Kriegserlebnisse auch in die nächsten Generationen zu tragen: „Wir leben in einer Zeit, in der Rassismus, Ausgrenzung, Antisemitismus, Hetz- und Hasskampagnen wieder zunehmen. Wehret diesen Anfängen! Aggression und Feindschaft zwischen Völkern, verschiedenen Kulturen und Religionen waren vor über 80 Jahren der Nährboden für das Unheil, das folgen sollte.“
Für ein friedliches Miteinander könne jede und jeder einen Beitrag leisten, „im Kleinen wie im Großen, in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Schule – und auch im Internet und in den sozialen Netzwerken“, hob Kassels Oberbürgermeister hervor. „Wir alle sind verantwortlich für das, was in unserer Stadt und unserer Gesellschaft geschieht.“
Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung feierten Bischof Prof. Dr. Martin Hein und Dechant Harald Fischer in der Martinskirche einen ökumenischen Gottesdienst. Um 20.44 Uhr und damit zu dem Zeitpunkt, als das Bombardement vor 75 Jahren begann, waren die Glocken verschiedener Kirchen in der gesamten Stadt zu hören.
Eindrucksvolles 3D-Bronzemodell am Friedrichsplatz enthüllt
Vor der Gedenkveranstaltung hatte Oberbürgermeister Geselle am Friedrichsplatz ein eindrucksvolles, dreidimensionales Bronzemodell des alten Kassel enthüllt, das dank des Engagements des Vereins der Freunde des Stadtmuseums entstanden ist. Gewidmet ist das Modell Hermine Ziegelroth-Maertens, die mit ihrer großzügigen Spende dessen Umsetzung möglich machte. „Das Bronzemodell zeugt von der einstigen Pracht des in über 1000 Jahren gewachsenen Stadtbildes, das heute wahrscheinlich längst Weltkulturerbe wäre“, betonte Geselle. Zuvor hatte er außerdem gemeinsam mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. einen Kranz am Ehrenmal für die Bombenopfer auf dem Hauptfriedhof Kassel niedergelegt.
Hintergrund
Seit September 2018 finden aus Anlass des 75. Jahrestages der Bombennacht in Kassel zahlreiche Veranstaltungen statt. Ein Überblick auf: bit.ly/Gedenken2210
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