Ein Pflegestützpunkt für Hanau!
- Förderverein für Palliative Patientenhilfe und Stadt machen Ernst
In Hanau soll so zeitnah wie möglich ein Pflegestützpunkt entstehen, darin sind sich die Stadtspitze und Dr. Maria Haas-Weber, Vorsitzende des Hanauer Ärztevereins und 1. Vorsitzende des Fördervereins Palliative Patienten-Hilfe Hanau e.V., absolut einig. Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Bürgermeister Axel Weiss-Thiel kündigten nach intensivem Austausch mit der hoch engagierten Ärztin an, dass die Beratungsstelle für Pflegebedürftige und Pflegende am 16. September 2019 im Haus am Steinheimer Tor eröffnet werden soll. Dort sind bereits das Seniorenbüro und die Freiwilligenagentur der Stadt Hanau und weitere soziale Einrichtungen wie der Sozialverband VDK, die Hilfezentrale, Menschen in Hanau und der Blindenbund e.V. ansässig und gut miteinander vernetzt.
„Das Haus am Steinheimer Tor ist aus diesem Grund der ideale Standort für die Pflegeberatungsstelle, da wir hier auf bestehende Strukturen und Kompetenzen zurückgreifen können“, erläutert Oberbürgermeister Claus Kaminsky. „Leider können wir die Einrichtung vorläufig nicht ‚Pflegestützpunkt‘ nennen, da es nur Kreisfreien Städten wie beispielsweise Frankfurt, Darmstadt, Offenbach, Kassel und Wiesbaden vorbehalten ist, mit den Kassen zu verhandeln und in gemeinsamer finanzieller und personeller Trägerschaft einzurichten“, erklärt er.
Auch Landkreise wären in der Position den Standort für einen Pflegestützpunkt festzulegen und daher verfügten Städte, die gleichzeitig auch Kreissitze seien - wie Fulda, Gießen, Bad Homburg, Wetzlar oder Marburg ebenfalls über einen Pflegestützpunkt. „Aber wir als Oberzentrum und größte Stadt im Osten der Rhein-Main-Region haben keinen, da der Main-Kinzig-Kreis anders entschieden hat. Doch wir wollen unseren Bürgerinnen und Bürgern diesen sehr wichtigen Service nicht mehr vorenthalten und eröffnen daher ein Hanauer Pflegeberatungszentrum mit der gleichen Funktion", erklärt der OB.
Die Finanzierung wolle die Stadt vorläufig aus eigener Tasche – und mit großzügiger Unterstützung des Vereins Palliative Patientenhilfe stemmen. Dieser werde über den Zeitraum von drei Jahren 60.000 Euro zuschießen, verspricht Maria Haas-Weber. „Mit dem Tag der Kreisfreiheit am 1. April 2021 kann aus dem Pflegeberatungszentrum dann auch ein offizieller Pflegestützpunkt werden. Die Gelder mit denen die Pflegekassen normalerweise diese Stützpunkte zu 50 Prozent finanzieren, werden wir bis dahin beantragen!“, verkündet Bürgermeister Axel Weiss-Thiel.
Als Anlass für die Entscheidung in Hanau zeitnah auch ohne die Unterstützung des Main-Kinzig-Kreises eine unabhängige Pflegeberatung einzurichten hätten auch die Rückmeldungen aus dem Bürgerwochenende „Zukunft Hanau“ im Congress Park Hanau gegeben, erläutert Kaminsky. „Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger haben mir dort verdeutlicht, dass dies einer der dringlichsten Wünsche in der Bevölkerung ist und es einen großen Bedarf nach Beratung und Unterstützung gibt. Wir können nicht mehr länger warten, bis der Main-Kinzig-Kreis diese Notwendigkeit erkennt und Hanau priorisiert.“
Mit dem Kreis gebe es bereits seit 2009 Gespräche über die Etablierung eines Pflegestützpunktes in Hanau, berichtet Bürgermeister und Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel. „Wir haben immer wieder dargelegt, wie dringend Hanau und die Bevölkerung im Altkreis Hanau eine solche Beratungsstelle benötigen.“ 2012 habe es sogar einen Stadtverordnetenbeschluss dazu gegeben, dass eine solche Stelle in Hanau unbedingt einzurichten sei. Doch habe der Kreis zuerst einen Pflegestützpunkt in Gelnhausen etabliert und 2018 schließlich angekündigt noch eine Dependance in Schlüchtern zu eröffnen, berichtet Weiss-Thiel. Die Stadt und der Altkreis Hanau – also 60 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner des Kreises – blieben somit weiter unversorgt. „Wir wollen hier unbedingt Abhilfe schaffen und können nicht mehr auf das Wohlwollen und die Einsicht des Kreises warten“, sind sich Weiss-Thiel und Kaminsky einig. Das neue Beratungsangebot in Hanau, werde selbstverständlich auch für die Menschen im Altkreis Hanau gelten, betonen sie beide. „Es ist nicht zumutbar, das Pflegebedürftige und ihre Angehörige in den Osten des Main-Kinzig-Kreises pilgern, um dort eine Auskunft zu erhalten.“
Dr. Maria Haas-Weber ist froh und erleichtert, dass die Stadtspitze sich entschieden hat diesen Weg zu gehen: „Zur Zukunft der Großstadt Hanau gehört, dass wir mit Blick auf die alternde Gesellschaft eine Sorgekultur etablieren und stabilisieren.“, sagt sie. Daher ist für die Vorsitzende des Fördervereins Palliative Patienten-Hilfe Hanau und des Hanauer Ärztevereins ein Pflegestützpunkt in Hanau unabdingbar. Der Förderverein habe schon 2017 ein Konzept entwickelt, auf dem sich aufbauen lasse. Er sei bereit sich an der Finanzierung im ersten Jahr mit 30.000 Euro zu beteiligen, mit 20.000 Euro im zweiten und mit 10.000 Euro im dritten Jahr. Haas-Weber betont, dass es künftig um Hochaltrige, Menschen mit Herzinsuffizienz oder Muskelschwäche sowie um Demenzkranke gehe, „um die wir uns verstärkt sorgen müssen.“
Ein Pflegeberatungszentrum als erster Schritt auf dem Weg zum nötigen Pflegestützpunkt im Haus am Steinheimer Tor, müsse schon jetzt Hilfe - vor allem für pflegende Angehörige -bieten. „Wie mit Kontinenz umzugehen ist oder wie die Wechseldruckmatratze so schnell wie möglich zu organisieren ist, solche Fragen drücken die Betroffenen. Dabei müssen wir ihnen helfen“, beschreibt sie näher, worin die Herausforderungen im Alltag bestehen. „Das ist auch ein Stück Zukunft Hanau“, nimmt Dr. Haas-Weber dabei Bezug auf das Bürgerbeteiligungswochenende Ende März. In Hanau bestehe bereits ein funktionierendes Netzwerk, dafür habe der Förderverein gesorgt. Darauf lasse sich „eine neue Sorgekultur aufbauen.“
Hintergrund
Ein Pflegestützpunkt (PSP) ist eine örtliche Auskunfts- und Beratungsstelle rund um das Thema Pflege und richtet sich primär an Pflegebedürftige bzw. deren Angehörige.
Pflegestützpunkte werden von den Kranken- und Pflegekassen auf Initiative eines Landkreises oder einer kreisfreien Stadt eingerichtet. Grundlage für die Errichtung der Pflegestützpunkte ist in Deutschland der am 1. Juli 2008 in Kraft getretene § 92c des SGB XI im Rahmen des Pflege-Weiterentwicklungsgesetzes.
In den Pflegestützpunkten soll im Rahmen des Case-Managements die durch das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz eingeführte Pflegeberatung stattfinden.
Der Stützpunkt bildet hierfür das gemeinsame Dach für das Personal der Pflege- und Krankenkassen, der Altenhilfe oder der Sozialhilfeträger. Hier können sie den Betroffenen ihre Sozialleistungen erläutern und vermitteln
2017 sind folgende Aufgaben der Pflegestützpunkte festgelegt:
- umfassende sowie unabhängige Auskunft und Beratung zu den Rechten und Pflichten nach dem Sozialgesetzbuch und zur Auswahl und Inanspruchnahme der bundes- oder landesrechtlich vorgesehenen Sozialleistungen und sonstigen Hilfsangebote,
- Koordinierung aller für die wohnortnahe Versorgung und Betreuung in Betracht kommenden gesundheitsfördernden, präventiven, kurativen, rehabilitativen und sonstigen medizinischen sowie pflegerischen und sozialen Hilfs- und Unterstützungsangebote einschließlich der Hilfestellung bei der Inanspruchnahme der Leistungen,
- Vernetzung aufeinander abgestimmter pflegerischer und sozialer Versorgungs- und Betreuungsangebote.
Pressekontakt: Stadt Hanau, Ute Wolf, Telefon 06181/295-664
Zu dieser Meldung können wir Ihnen folgendes Medium anbieten:
PK Pflegestützpunkt in Hanau
Bürgermeister Axel Weiss-Thiel, Dr. Maria Haas-Weber und Oberbürgermeister Claus Kaminsky im Rahmen einer Pressekonferenz zum Pflegestützpunkt in Hanau.
|