19. Juni 2019.
In Kassel werden bis zum Jahr 2030 insgesamt etwa 11.700 zusätzliche Wohnungen benötigt. Dies ist einer der zentralen Befunde einer Wohnraumbedarfsanalyse, die die Stadt Kassel beim Institut Wohnen und Umwelt (IWU) in Darmstadt in Auftrag gab und deren Ergebnisse nun im Rahmen eines öffentlichen „Runden Tischs Wohnen“ mit Vertretern verschiedener Akteure am Kasseler Wohnungsmarkt, Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung, Wohnungsmarktexperten und interessierten Gästen vorgestellt wurden.
Die vom IWU erstellte Analyse liefert stadträumlich differenzierte Aussagen zur künftigen Bevölkerungs- und Haushaltsentwicklung sowie darauf aufbauend Prognosen zur Anzahl der benötigten Wohnungen. Das Gutachten enthält zudem Aussagen zum Einfluss der demografischen Entwicklung auf die Art der benötigten Wohnungen sowie Bewertungen zu den Bedarfen im öffentlich geförderten Wohnungsbau.
„Diese Analyse liefert mit ihren Prognosen wichtige Orientierungspunkte für die weitere wohnungspolitische Diskussion und alle Maßnahmen zur Verbesserung der Wohnraumversorgung, die wir in die Wege leiten,“ stellt Kassels Stadtbaurat Christof Nolda (Bündnis 90/Die Grünen) fest. Auf der Grundlage der Studie solle im kommenden Jahr ein Wohnraumversorgungskonzept erarbeitet und der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung vorgelegt werden. Darin sollten unter anderem Aussagen zur Schaffung zusätzlichen Wohnraums, zur Mietenentwicklung und zu weiteren wohnungspolitischen Instrumenten formuliert werden. Nolda: „Der Bedarf ist nun differenziert beschrieben. Jetzt geht es um Maßnahmen zur Verbesserung der Wohnraumversorgung.“
Nach der Wohnungsbedarfsanalyse werden bis zum Jahr 2030 etwa 11.700 zusätzliche Wohnungen benötigt – das sind rund 900 pro Jahr. In dieser Zahl sind sowohl ein Anteil für den Ersatz wegfallender Wohnungen als auch der sogenannte „Nachholbedarf“ berücksichtigt, also der Ausgleich bereits heute bestehender Versorgungsrückstände. Die wichtigste Komponente des künftigen Wohnungsbedarfs ist jedoch der sogenannte „Neubedarf“, der durch den Anstieg der Bevölkerungs-, beziehungsweise Haushaltszahlen entsteht. Dieser Neubedarf lässt sich auf etwa 4350 Wohnungen bis zum Jahr 2030 beziffern. Wegen des in den nächsten Jahren höheren und danach abflachenden Bevölkerungswachstums ist dieser Neubedarf bis 2025 höher und lässt anschließend deutlich nach.
Einen besonders hohen Bedarf an neuen Wohnungen wird es im Osten und Norden der Stadt geben, weil dort die Haushaltszahlen überdurchschnittlich stark ansteigen. In den anderen Stadtbereichen wird es bis 2025 ebenfalls einen zusätzlichen, aber wesentlich geringeren Bedarf geben. Nach 2025 wird dort der Bedarf gedeckt sein oder in einigen Stadtteilen sogar zurückgehen.
Hinsichtlich des Bedarfs an geförderten Wohnungen stellt das Gutachten eine deutliche Verschärfung der Situation fest: die Zahl der Haushalte, die Anspruch auf eine geförderte Wohnung haben, steigt insgesamt an, darunter besonders der Anteil der Transferleistungsempfänger. Gleichzeitig sinkt durch Auslaufen der Bindungsfristen tendenziell die Zahl der belegungsgebundenen Wohnungen, die für die berechtigten Haushalte zur Verfügung stehen. Nolda: „Eine seit Jahrzehnten auf Zeit angelegte Wohnbauförderung stellt uns heute vor eine nicht einholbare Aufgabe.“
Die Frage, welche Wohnungen wann und wo benötigt werden, hängt nach dem IWU-Gutachten ganz stark von den Wohnbedürfnissen unterschiedlicher Haushaltstypen ab. Ältere Haushalte haben andere Wohnbedürfnisse als junge Haushalte. Familienhaushalte benötigen i.d.R. größere Wohnungen als Singlehaushalte. Die Wohnbedürfnisse von Haushalten ändern sich im Lebenszyklus – die tatsächliche Wohnsituation verändert sich hingegen seltener. Insbesondere ältere Haushalte verbleiben häufig in Wohnungen, die sie bereits während der Familienbildung belegt haben. Dies ist der sogenannte „Remanenzeffekt“. Trotz bestimmter Präferenzen ist die Wohnungswahl von Haushalten also nicht klar vorhersehbar. Das Preisgefüge am Wohnungsmarkt und die Angebotsalternativen spielen bei der Wahl der Wohnung eine entscheidende Rolle.
Die Wohnbedarfsanalyse setzt uns in die Lage, die umfangreichen Anstrengungen der gemeinsam handelnden, wichtigen Partner im Wohnungsmarkt zu bewerten, ob sie den Anforderungen der Zukunft gerecht werden.
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