Meldungsdatum: 10.09.2019
Museumsquartier Osnabrück
Felix-Nussbaum-Haus
Dauerausstellung zu Leben und Werk Felix Nussbaums
Bis 10.11. Brigitte Waldach: „Existenz“
Für die erste Präsentation der neuen Ausstellungsreihe „Gegenwärtig. Zeitgenössische Künstler*innen begegnen Felix Nussbaum“ anlässlich des Geburtstages von Felix Nussbaum am 11. Dezember hat Brigitte Waldach eine raumgreifende Installation realisiert.
Die Berliner Künstlerin ist für die Bearbeitung existentieller Themen bekannt, aus denen die ehemalige Meisterschülerin von Georg Baselitz unter anderem begehbare räumliche Zeichnungen entwickelt. Durch die Verdichtungen von Fäden schafft die Künstlerin neue visuelle Ebenen. Die eigens für den Raum der Gegenwart konzipierte Installation „Existenz“ ist ein System von Verflechtungen, das seinen Ursprung in dem Symbol des Davidssterns hat. Die verspannten Fäden und ihre Vernetzungen symbolisieren in Waldachs Arbeiten Zeit und Raum, Leben und Tod als komplexes und dynamisches Geflecht.
Rot leuchtet es aus der gläsernen Front des verzerrten Kubus im Raum der Gegenwart. Stimmen drängen aus seinem Inneren. Die Worte und Sätze sind schwer zu erfassen, da sie geflüstert wie gesprochen und übereinander gelagert Gedankensprüngen gleichen. Es sind Felix Nussbaums Worte, die in Briefen überliefert nun im Raum Fragmente aus seinem Leben zu hören geben. Gleich einer schwingenden Resonanz erweitern Texte von Literaten und Denkern des 20. Jahrhunderts Nussbaums Innensicht.
Rote Fäden durchkreuzen den vorderen Raum, scheinen sich in einer Ecke zu verfangen, wo sie durch die Enge eingeschnürt immer neue Richtungen einschlagen – unruhig erscheint der Verlauf. An den Wegepunkten benennen Stationen aus Nussbaums Leben Richtungsänderungen und Brüche der persönlichen Geschichte des Malers, die eng mit der deutschen Geschichte des Judentums verwoben ist.
Im hinteren Teil des Raumes verdichtet sich auf der Rückseite des Kubus eine Form: zwei übereinadergelagerte Dreiecke, die zusammen einen Davidsstern bilden. Ursprünglich ist dieses Symbol der zwei Dreiecke ein jahrtausendealtes Sinnbild der Durchdringung von Geist und Materie, von sichtbarer und unsichtbarer Welt, die erst in ihrem Zusammenkommen eine Ganzheit bildet. In der Geschichte von zunehmend jüdischer und politischer Bedeutung wird das Symbol als Zeichen der Identität auch in Nussbaums Werk künstlerisch befragt.
Strahlen gehen von diesem Zeichen aus: weiße und schwarze Verspannungen ziehen sich durch den Raum – Geist und Materie –, treffen auf Wände, werden umgelenkt, drehen sich, fächern sich auf, dynamisieren den Raum. Wieder trifft der Blick auf einen roten Faden, der mitgeführt wird und hier mehrmals aus dem Gewebe ausbricht: das Individuelle kommt im Universalen zum Vorschein.
Brigitte Waldach lädt mit ihrer Installation zu einem Raumerlebnis ein, in welchem Sound, Text, Zeichnungen und verspannte Bänder eine neue Dimension bilden. Die von Waldach inszenierten multimedialen Erzählstränge bilden auf der einen Seite unterschiedliche Ebenen, über die in das persönliche Schicksal Felix Nussbaums eingetaucht werden kann. Auf der anderen Seite fragt die Installation nach der eigenen Position im schwindelerregenden, komplexen Gewebe eines universalen Seins.
Brigitte Waldach, 1966 in Berlin geboren, studierte zunächst Germanistik und anschließend Bildende Kunst an der Berliner Universität der Künste bei Georg Baselitz, dessen Meisterschülerin sie wurde.
Ihre Werke befinden sich in zahlreichen öffentlichen Sammlungen wie der Albertina in Wien, dem Museum Kunstpalast in Düsseldorf, dem Aros Kunstmuseum in Arhus, dem Kunstmuseum Stavanger, der Kunstsammlung des Deutschen Bundestags, dem Kupferstichkabinett Berlin, der Berlinischen Galerie sowie in vielen nationalen wie internationalen Privatsammlungen.
Mit Ausstellungen, zum Beispiel in der Kunsthalle Brandts in Odense/Dänemark, dem Kunstmuseum Stavanger/Norwegen, der Berlinischen Galerie, der Kunsthalle in Emden oder dem Marta Herford wurde Brigitte Waldach mit ihren großformatigen Zeichnungen und multimedialen Installationen zu Themen wie Gewalt und Pathos, Literatur und Musik bekannt.
Kulturgeschichtliches Museum
Bis 08.03. 4. Felix Schoeller Photo Award
Fotografen aus 113 Ländern haben zur diesjährigen Ausgabe des Felix Schoeller Photo Awards über 10.000 Fotos eingesandt. Eine hochkarätig besetzte Jury traf die Auswahl in den sieben Award-Kategorien Porträt, Landschaft, Mode, Fotojournalismus, Freie/Konzeptionelle Fotografie, beste Nachwuchsarbeit und dem neu hinzugekommenen Friedenspreis.
Erstmals loben die Friedensstadt Osnabrück und die ortsansässige Felix Schoeller Group den „Deutschen Friedenspreis für Fotografie“ aus. Die neue Sonderkategorie im Rahmen des Felix Schoeller Photo Awards richtet sich an professionelle Fotografen weltweit. Mit 10.000 Euro Preisgeld gehört der neue Fotografiepreis zu den hochdotierten internationalen Wettbewerben.
Osnabrück ist als Stadt des Westfälischen Friedens dem friedenspolitischen Engagement verpflichtet. Vor diesem Hintergrund waren die Teilnehmer des Deutschen Friedenspreises für Fotografie dazu aufgerufen, sich künstlerisch mit Voraussetzungen, Gelingen und Scheitern von Frieden auseinanderzusetzen – zwischen Ländern ebenso wie im Zusammenleben von Gesellschaften oder gar einzelnen Menschen.
Der Deutsche Friedenspreis für Fotografie ist bundesweit einmalig. Als Baustein der Kulturstrategie 2020 trägt er dazu bei, das Profil der Kulturarbeit der Stadt Osnabrück zu schärfen. Im Fokus der Kulturstrategie 2020 steht die Friedensstadt und der langfristige Ausbau des Museumsquartiers Osnabrück zu einem Friedensmuseum.
Bis 08.12. die bauhaustapete – neu aufgerollt
Tapeten und Bauhaus? Was nicht passt, wird passend gemacht! So oder so ähnlich hat Emil Rasch von der Hannoverschen Tapetenfabrik Gebr. Rasch & Co vielleicht gedacht, als er 1929 auf Initiative seiner Schwester, der Bauhausschülerin Maria Rasch, nach Dessau reiste, um den Bauhaus-Direktor Hannes Meyer von der Idee zu überzeugen – mit Erfolg! Im Jahr 1929 gemeinsam mit Studierenden und Lehrenden des Bauhauses in Dessau entwickelt, wurde die in Bramsche bei Osnabrück produzierte Bauhaustapete ein die Bauhaus-Ära überdauernder Erfolg.
Die Ausstellung „bauhaustapete – neu aufgerollt“ spannt den Bogen von der Geschichte des Projektes, ihren Akteurinnen und Akteuren sowie der Werbekampagne über die aktuelle Neuauflage der Bauhaustapete bis hin zu der Frage nach Spuren des Bauhauses in unserem heutigen Alltag. Ziel ist ein zeitgemäßer Blick auf ein besonderes Bauhaus-Produkt, anhand dessen die Widersprüchlichkeiten der Wirkungsgeschichte des Bauhauses genauso aufgezeigt werden sollen wie dessen Utopien und Ideen für gemeinschaftliches, interdisziplinäres Gestalten.
Die Konzeption der Ausstellung versteht die Bauhaustapete explizit als Projekt, bei dem unterschiedliche Akteurinnen und Akteure aus Kunst, Kultur, Wissenschaft, Handwerk, Industrie und Wirtschaft trotz anfänglich konträr erscheinender Grundsätze erfolgreich kooperiert haben. Diesen Kooperationsgedanken spiegelt auch die Ausstellung wider: Sie entsteht in enger Zusammenarbeit mit Studierenden und Lehrenden des Kunsthistorischen Instituts der Universität Osnabrück, mit der Tapetenfabrik Rasch in Bramsche, zeitgenössischen Künstlern und unter Beteiligung von Osnabrücker Bürgerinnen und Bürgern.
Die Besucherinnen und Besucher erwartet ein Gang entlang der 90-jährigen Geschichte der Bauhaustapete. Sie erfahren etwas über ihren ursprünglichen Bestimmungsort, die sogenannte „Volkswohnung“, und lernen die Macher der Tapete kennen. Zudem erfahren sie etwas über die umfassende, zeitweise vom Bauhaus übernommene Werbekampagne sowie über die Geschichte der Bauhaustapete nach Ende des Bauhauses bis hin zur aktuellen Kollektion 2019. Aus eben dieser gestaltet der zeitgenössische, international bekannte Künstler Tobias Rehberger eigens für die Ausstellung im Museumsquartier Osnabrück eine großformatige Wandarbeit.
Zum Ende des Rundgangs der Ausstellung trifft man auf einen Bereich, in dem die Frage nach dem Einfluss des Bauhauses und der dort (weiter) entwickelten, vielfältigen Formensprache auf unseren heutigen Alltag gestellt wird. Diesen Raum füllen zum einen Studierende des Kunsthistorischen Instituts der Universität Osnabrück mit Leben. Sie erarbeiten designhistorische Antworten auf die Frage, inwiefern in unserem unmittelbaren Lebensraum und Alltag Bezüge zum Bauhaus (re)konstruierbar sind. Zum anderen sind Osnabrücker Bürgerinnen und Bürger unter dem Motto „Was schläft denn da in Omas Keller” dazu aufgerufen, Objekte mit tatsächlichem oder vermeintlichem Bauhaus-Bezug beizusteuern. Gemeinsam werden die Objekte und ihre individuellen Geschichten für die Präsentation aufbereitet.
Begleitet wird die Ausstellung durch einen Katalog und ein umfassendes Vortrags-, Veranstaltungs- und Vermittlungsangebot. Großzügig unterstützt wird die Ausstellung vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der Stiftung der Sparkasse Osnabrück, von der Tapetenfabrik Rasch und dem Museums- und Kunstverein Osnabrück.
Lotter Str. 2, 49078 Osnabrück, Tel. 0541/323-2207
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11 - 18 Uhr (jeden ersten Donnerstag im Monat 11 - 20 Uhr), Samstag/Sonntag 10 - 18 Uhr
Kunsthalle Osnabrück
Bis 03.11. Crossing Lines - Ausstellung mit den Handabdrücken des Bauhaus- Künstlers László Moholy-Nagy und künstlerischen Arbeiten von Heba Y. Amin, Jakob Gautel, Olaf Holzapfel, Reuven Israel, Kostis Velonis und Jan Tichy
Anlässlich des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums präsentiert die Kunsthalle Osnabrück die von Christian Oxenius und Jan Tichy kuratierte Ausstellung „Crossing Lines“, deren Konzept auf einem Fund in László Moholy-Nagys künstlerischem Nachlass basiert: einem analogen Abdruck seiner Hand von 1926.
Der ungarische Künstler, eine führende Figur des Bauhauses, interessierte sich für Handlinien- und Zukunftsdeutungen und für die Theosophie. Letztere verbindet, aus der historischen Distanz betrachtet, nur vordergründig rationale und spirituelle Elemente der Menschheit, instrumentalisiert tatsächlich aber die Rationalität, um eine nur scheinbar auf ein gerechtes Gesellschaftsmodell abzielende Weltordnung zu legitimieren. Es lässt sich also in gewisser Weise aus Moholy-Nagys Handlinien jene Zukunft ablesen, die als „Moderne“ in den 1920ern bereits die fundamentalen Fehlentwicklungen zu Tage treten ließ.
„Crossing Lines“ öffnet einen kuratorischen Reflexionsraum, der die Institution Bauhaus als ein Beispiel betrachtet, an dem sich die Idee der Moderne manifestierte. Dazu sind sechs zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler eingeladen, die Rolle des Rationalismus gegenüber einer unbestreitbaren Präsenz spiritueller Elemente in der menschlichen Natur zu untersuchen und dabei unserem Bedürfnis, lebensweltlichen Zeichen weiterführende Bedeutungen beizumessen, nachgehen. Die ausgestellten Werke umfassen sowohl bereits ausgestellte Arbeiten als auch eigens für die Ausstellung geschaffene Neuproduktionen.
Heba Y. Amins (*1980, Kairo) Installation „A Rectilinear Propagation of Thought“ basiert, ausgehend von dem Schriften des islamischen Mathematikers, Optikers und Astronomen Alhazen (Basra, Irak, 965 – 1040, Kairo, Ägypten), auf ihren Beschäftigungen mit Grundformen der Optik.
Jakob Gautel (*1965, Karlsruhe) zeigt eine Reihe von Fotografien und Archiv-Objekten, die während seiner Künstlerresidenz in Dessau am Bauhaus-Archiv entstanden sind. Die künstlerischen Forschungen widmen sich vorrangig dem Bauhaus-Bezug seiner Großeltern, von denen zwei in Dessau ein Studium absolviert haben.
Olaf Holzapfel (*1967, Dresden) wird drei Arbeiten zeigen: Eine Komposition aus drei seiner Heubilder (2018-19), einen Digitalabdruck (2008) und einen Film (2017). Holzapfel beschäftigt sich mit Codes, die in natürlichen Elementen eingelassen sind und der Art und Weise, wie wir sie wahrnehmen.
Reuven Israel (*1978, Jerusalem) zeigt vier Arbeiten: Die Skulpturen aus der Serie „As Above, So Below“ (2016-17) weisen subtil darauf hin, dass wir stets Links zwischen Objekten herstellen, die unsere Neugier auf etwas „Anderem" wecken sollen. Obwohl das Religiöse nicht direkt angesprochen wird, sind seine Werke sehr evokativ.
Kostis Velonis (*1968, lebt und arbeitet in Athen) entwickelt eine neue Arbeit: Seine Skulptur ist inspiriert von dem Werk der Bauhaus-Künstlerin Alma Buscher. In diesem Zusammenhang plant er eine größere Installation aus Sperrholz, die vor Ort realisiert wird.
Jan Tichy (*1974 in Prag, lebt und arbeitet in Chicago) plant eine ortsspezifische Installation mit Sand und Holzständern, in der auch die Objekte der anderen Künstlerinnen und Künstler integriert sein werden. Eine wichtige Rolle spielt die Architektur der ehemaligen Dominikanerkirche. Zudem wird es eine neue Arbeit geben, die kürzlich im Rahmen von Workshops in Modena und Prag mit dortigen Studierenden entstanden und von Moholy-Nagys Handabdruck inspiriert ist.
08. - 10.11. YUP Young Urban Performance Festival
kuratiert von Pia Tabea Visse, Anes Nguyen, Sophie Fijal, Desirée Hieronimus, Ann-Sophie Meyer, Ella Malin Visse, Theresa Vodde und Anna Bittner, Kunsthalle Osnabrück
Zum dritten Mal ist das inzwischen zur festen Größe in der jungen Performanceszene avancierte Festival zu Gast in der Kunsthalle Osnabrück. Im Rahmen eines Open Calls werden unterschiedliche Positionen für die diesjährige Version gefunden. Die Kuratorinnen, Künstlerinnen und Künstler öffnen einem inzwischen internationalen Publikum das Feld der Performance im Rahmen unterschiedlichster Spiel- und Darstellungsformen.
29.11. - 02.02. Filip Markiewicz: Celebration Factory III
kuratiert von Enrico Lunghi
„Celebration Factory“ von Filip Markiewicz ist das Produkt eines transformierten und von tiefen Krisen geprägten Europas, aber auch eine künstlerische Antwort auf dieses neue gesellschaftspolitische Paradigma. Feiern und Zelebration werden zu Trägern eines Bewusstseins, einer Infragestellung des Systems, das uns umgibt, oder eines Widerstands gegen die Herrschaft der Angst.
Für Celebration Factory III im ehemaligen Dominikanerkloster der Kunsthalle Osnabrück ist die Verwandlung des Kirchenschiffs in eine Eventhalle mit Bar, Tribüne, Bühne und Laufsteg geplant. Filip Markiewicz nutzt das Setting für eine delegierte Performance. Daneben dient ein Laufsteg für verschiedene „künstlerische Modenschauen“, bei denen auf die Vermischung zwischen Mode, Performance, Theaterbühne und kirchlichen Zeremonien abgehoben wird. Das Publikum sitzt auf einer eigens gebauten Tribüne im Langhaus, dem Laufsteg gegenüber. Von der Tribüne aus kann man nach rechts gewandt auf eine Open Stage - Bühne blicken, die in der Gedenknische, dem Besuchereingang des Kirchenschiffes gegenüber, eingerichtet wird. Hier präsentiert der Künstler von ihm selbst komponierte und gespielte Songs, lädt aber auch lokale Musiker zu Auftritten ein. In Foyer und Kreuzgang werden Zeichnungen von Markiewicz gezeigt.
Eine Zusammenarbeit mit Casino Luxembourg - Forum d’art contemporain, CCA (Centre for Contemporary Art) Derry /Londonderry (Nordirland) und NN Contemporary Art Northampton (Großbritannien).
Hasemauer 1, 49074 Osnabrück, Tel. 0541/323-2190
Öffnungszeiten: Dienstag 13 - 18 Uhr, Mittwoch 11 - 18 Uhr, Donnerstag 11 - 20 Uhr, Freitag 11 - 18 Uhr, Samstag/Sonntag 10 - 18 Uhr
Erich Maria Remarque-Friedenszentrum
Bis 17.11. m3 – Medien – Message – Massage. Konfrontation mit Gedrucktem
Ein Kunst- und Medienprojekt von Uwe Appold und Stephan Richter
Das Internet verändert den Blick auf die Welt. Alles wird infrage gestellt, gedruckten Medien nicht mehr geglaubt. Von „gefühlten“ oder „alternativen“ Fakten ist die Rede – oder von „Lügenpresse“. In den digitalen Netzwerken tobt der Meinungskampf, tun sich „Filterblasen“ auf. Doch wie haben mehr als 500 Jahre lang Schlagzeilen, Meldungen und Bilder in den gedruckten Medien Leser und Leserinnen gefangengenommen und das Denken der Menschen, Politik und Gesellschaft beeinflusst?
In dem Kunst- und Medienprojekt „m3“ hat der Maler und Bildhauer Uwe Appold, begleitet vom Journalisten Stephan Richter, 60 Original-Zeitungen und Drucksachen aus 300 Jahren in ebenso ungewöhnliche wie überraschende Rahmen gesetzt und in Objekte verwandelt – darunter ein Originalexemplar der „Wöchentliche Osnabrückische Anzeigen“ vom 8. Februar 1783. Das gedruckte Wort und Bild erhalten so eine neue Dimension. „Durch die zusätzliche künstlerische Ebene wird der Blick auf die Medien geweitet. Was macht die Zeitung mit dem Betrachter – was für Gedanken und Bilder lösen die Schlagzeilen in Menschen bis heute aus?“, fragte Uwe Appold.
“Die Zeitung ist das Medium des zweiten Gedankens. Das Gerede von ihrem Untergang ist falsch und gefährlich“, schreibt der Medienwissenschaftler Prof. Bernhard Pörksen (Freiburg) in einem Begleitkatalog zu dem Kunst- und Medienprojekt. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, Dietmar Wolff, sieht in der Initiative des Künstlers Uwe Appold und des Journalisten Stephan Richter, der 26 Jahre lang als Chefredakteur in der Zeitungsbranche tätig war, einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte. Wolff: „Hier geht es nicht um einen nostalgischen Blick auf das gedruckte Wort, sondern um Mutmaßungen über eine glückende Kommunikation im 21. Jahrhundert.“
Das Kunst- und Medienprojekt von Uwe Appold und Stephan Richter lädt zum Nachdenken über den Medienwandel und die Folgen für die öffentliche und politische Kommunikation ein. Dabei ging es bei der Zusammenstellung der Originalausgaben verschiedener deutschsprachiger Zeitungen und Zeitschriften vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis zum Ende des 20. Jahrhunderts nicht um eine technologische Zeitreise oder um einen historischen Blick auf besondere Ereignisse – zumal, wenn sie im kollektiven Gedächtnis mit besonderen Erinnerungen verknüpft sind. Die Auswahl macht vielmehr das oftmals Banale und Alltägliche in der Nachrichtenflut sowie den ständigen Wandel – getrieben durch scheinbare Aktualität - deutlich. Dabei fällt nicht zuletzt der Haptik des Printmediums und den künstlerisch gestalteten Rahmen der Exponate, die auf die mechanische Technologie des Buchdrucks und die damit verbundene Art der Betrachtung verweisen, eine besondere Bedeutung zu. Zu jedem Kunstobjekt hat Uwe Appold - ergänzend zur Originalzeitung - Zeichnungen und Collagen geschaffen, in denen er einzelne Meldungen, Schlagzeilen, Fotos oder auch Anzeigen des jeweiligen Mediums aufgreift.
Erstmals präsentiert wurden die Objekte im März 2017 im „Haus der Presse“ in Berlin. Der international renommierte Künstler und Kommunikationsdesigner Prof. Michael Schirner („Pictures in our Minds“) bezeichnete die Arbeiten bei der Ausstellungseröffnung in der Europa-Universität Flensburg als einmaligen, mitreißenden Blick in die „Gutenberg-Galaxie“. Die Exponate würden in Anlehnung an den großen Kommunikationstheoretiker Marshall McLuhan auf besondere Weise zum Medium und zur Botschaft.
Ab 28. 11 Armenische Architektur und Genozid. 1915 - 2015
Welche Auswirkungen hat der Genozid auf das kulturelle Erbe der Armenier in der Türkei? Diese Frage ist der Ausgangspunkt für die Ausstellung der Deutsch-Armenischen Gesellschaft „Armenische Architektur und Genozid. 1915–2015“. Als Fingerabdruck des armenischen Lebens steht die Architektur im Mittelpunkt. Fotos von Familien, Arbeitsstätten, Häusern und Stadtvierteln vermitteln Eindrücke vom Leben der Armenier vor 1915. Damals gab es ca. 5.000 armenische Schulen, Kirchen und Klöster – das Leben in weiten Teilen der Türkei war multiethnisch und armenische Architektur prägte ganze Straßen- und Ortsbilder. Was wurde aus den armenischen Bewohnern und was geschah mit den Bauten? Einen Eindruck von deren Verschwinden durch Zerstörung, Umbau und Verfall vor dem Hintergrund des Genozids vermitteln exemplarisch die einzelnen Stationen der Ausstellung, die sich an ein breites Publikum ohne historische Spezialkenntnis richtet.
Markt 6, 49074 Osnabrück, Tel. 0541/323-2109
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 – 13 Uhr u. 15 – 17 Uhr, Samstag/Sonntag 11 – 17 Uhr
Museum am Schölerberg - Natur und Umwelt
Bis 19.01. „Die geheime Welt der Pilze“
Pilze: Sie gehören weder zu den Pflanzen noch zu den Tieren. Sie können Leben schenken und Leben nehmen. Sie sind Teil unseres Alltags und nahezu überall präsent, als Lebensmittel, Medizin und auch Gift. Sie ermöglichen als Zersetzer von abgestorbenen Pflanzen und toten Tieren das Recycling in der Natur und bilden damit das mystische Bindeglied zwischen Leben und Tod. Ohne Pilze würde unsere bekannte Welt nicht existieren. Doch noch wissen wir viel zu wenig über diese eigene, vielfältige und besonders faszinierende Lebensform.
Die Ausstellung „Die geheime Welt der Pilze“ lädt ein zu einer Forschungsreise in die verborgene Welt der Multitalente. Was sind Pilze? Wo sind sie zu finden? Welche Bedeutung haben sie für das Leben auf unserer Erde? Welche Rolle spielen sie in unserer Kultur?
Dabei wartet die Ausstellung mit einigen Superlativen auf. Unter dem Mikroskop lässt sich der Mikrokosmos der Pilzwelt entdecken, während fünf Meter hohe Pilzmodelle die Ameisenperspektive auf die Organismen ermöglichen. Lebensechte Pilzpräparate zeigen die Formen- und Farbenvielfalt von hunderten Pilzarten und lassen auch interessierte Pilzsammler auf ihre Kosten kommen. Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Fachvorträgen, Exkursionen und Workshops wie Pilzbestimmungsabende schärfen den Blick für diese außergewöhnlichen Lebewesen.
Klaus-Strick-Weg 10, 49082 Osnabrück, Tel. 0541/323-7000
Öffnungszeiten: Dienstag 9 - 20 Uhr, Mittwoch bis Freitag 9 - 18 Uhr, Samstag 14 - 18 Uhr, Sonntag 10 - 18 Uhr
Pressekontakt: Heiko Mitlewski | Fachbereich Kultur | Tel. 0541 323-3217 | E-Mail: mitlewski@osnabrueck.de
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