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02. Dezember 2019
Von Braunschweig nach Hollywood: Galka Scheyer brachte moderne deutsche Kunst in die USA
Podiumsdiskussion und internationale Tagung im Altstadtrathaus
Braunschweig.

Mit der faszinierenden Braunschweiger Künstlerin und Kunsthändlerin Emilie Esther „Galka“ Scheyer (1889-1945) haben sich Wissenschaftler aus Deutschland, Europa und den USA in einer zweitägigen Tagung am 26. und 27. November in Braunschweig intensiv beschäftigt. Die vielfältigen Beiträge bezogen sich auf Scheyers eigenes Schaffen als Künstlerin ebenso wie auf ihre Tätigkeit als Händlerin und Vermittlerin der Werke der Künstlergruppe „Blaue Vier“, die sie gemeinsam mit vier anerkannten Künstlern gegründet hatte: Paul Klee, Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger und Alexej von Jawlensky.

 

Galka Scheyer, die aus einer jüdischen Braunschweiger Unternehmerfamilie stammte, hatte ihre Heimatstadt in jungen Jahren verlassen und führte ein kosmopolitisches Leben im Zeichen der modernen Kunst. Für ihre Künstler organisierte sie Ausstellungen und Lichtbildvorträge, unternahm Reisen durch Europa, die USA und Asien. Im Gegensatz zu anderen Kunsthändlern kam es ihr offenbar weniger auf den Verkauf der Werke an als auf die Vermittlung und Erläuterung der modernen Kunst und ihrer Künstler, die in der damaligen Zeit noch wenig bekannt waren. Ihren Unterhalt verdiente sie außerdem mit Kunstunterricht, den sie Kindern und Erwachsenen gab.

 

Noch vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten emigrierte Scheyer in die USA, wo sie sich ein breites Netzwerk an Künstlern, Architekten und vor allem Kunstsammlern aufbaute. Nur zweimal reiste sie noch nach Europa, zuletzt 1932/33. Hitlers Machtergreifung erlebte sie bei ihrem Besuch in Braunschweig, sie kehrte Ende Mai 1933 wieder in die USA zurück. Im August 1933 erwarb sie schließlich bei Hollywood ein Grundstück, auf dem sie ihr Wohnhaus mit einer Galerie errichten ließ. Der bekannte österreichisch-amerikanische Architekt Richard Neutra lieferte den Entwurf dafür. Zahlreiche Hollywood-Größen, darunter Billy Wilder, Greta Garbo und Marlene Dietrich, zählten zu ihrem Kreis, aber auch viele Persönlichkeiten, die vor dem Nationalsozialismus aus Deutschland geflüchtet waren. Galka Scheyer starb 1945 in Hollywood.

 

Mit der internationalen Tagung, organisiert von der Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur der Technische Universität Braunschweig, in Kooperation mit dem Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig, dem Städtischen Museum Braunschweig und dem Kultur- und Wissenschaftsdezernat der Stadt Braunschweig, soll der Name Galka Scheyer auch in Braunschweig bekannt und auch sichtbar gemacht werden.

 

Großen Zuspruch erfuhr die öffentliche Podiumsdiskussion am 26. November, in der das aktuelle Thema „Deutsch-jüdische Kultur – Transformationen und Transfers“ behandelt wurde. Dr. Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Dr. Miriam Bistrovic, Repräsentantin des Leo Baeck Institute New York | Berlin, und Prof. Dr. Alexander von Kienlin, TU München und ehemaliger Leiter der Bet Tfila – Forschungsstelle, diskutierten, moderiert von Dr. Henning Steinführer, Leiter des Stadtarchivs Braunschweig, mit den über 120 Gästen. Unter ihnen war Darion Akins, Generalkonsul der USA, der mit seiner Teilnahme auch die „außergewöhnliche deutsch-amerikanische Biografie“ Galka Scheyers gewürdigt hat.

 

Mit den Gästen der Tagung und einigen Braunschweiger Bürgern fand am 27. November vor Galka Scheyers Geburtshaus in der Okerstraße die Enthüllung einer Informationstafel statt, die von der Braunschweiger Bürgerstiftung gestiftet wurde. Damit hat die (fast) vergessene Scheyer in Braunschweig wieder einen Ort der Erinnerung erhalten – die Tagung zeigte, welch faszinierende Persönlichkeit es mit ihr wiederzuentdecken gilt.







Zu dieser Meldung können wir Ihnen folgende Medien anbieten:

Kongress
Im Altstadtrathaus fand ein Kongress zu Galka Scheyer statt. Es nahmen u.a. teil (von links): Dr. Henning Steinführer (Leiter des Stadtarchivs Braunschweig), Dr. Ulrich Knufinke (TU Braunschweig), Dr. Miriam Bistrovic (Repräsentantin des Leo Baeck Institute New York | Berlin), Prof. Dr. Alexander von Kienlin (TU München und ehemaliger Leiter der Bet Tfila – Forschungsstelle), Generalkonsul der USA Darion Akins, Dr. Anja Hesse (Dezernentin für Kultur und Wissenschaft) und Dr. Felix Klein (Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus).
©Jörg Scheibe


Informationstafel
Bei der Enthüllung einer Informationstafel von links: Axel Walter Schmidt (Besitzer des Hauses Okerstraße 10), Dr. Anja Hesse (Dezernentin für Kultur und Wissenschaft) und Dr. Jörg Munzel (Bürgerstiftung).
©Jörg Scheibe




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