Meldungsdatum: 16.12.2019
Museumsquartier Osnabrück
Felix-Nussbaum-Haus:
Dauerausstellung zu Leben und Werk Felix Nussbaums
Bis 15.11. Nasan Tur: „Gegenwärtig“. Zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler begegnen Felix Nussbaum
In der zweiten Ausstellung der Reihe „Gegenwärtig“ trifft der Konzeptkünstler Nasan Tur auf das Leben und Werk des Malers Felix Nussbaum. Machtstrukturen, Flucht, Exil und Fragen der Identität sind Themen, die beide Künstler zu ihrem Schaffen antreiben. Nasan Turs kritische Stimme zu Gesellschaft und Politik macht ihn zu einem politischen Künstler.
Die Ausstellung im Felix-Nussbaum-Haus zeigt ältere Arbeiten – die in diesem Kontext eine neue Aktualität bekommen – und für die Ausstellung entwickelte neue Arbeiten als Reaktion und Kommentar auf Nussbaums Werk.
Innere Unruhe und Getriebensein vermittelt das Video „Run“ (2004). Die Kamera folgt einem Mann in Rückenansicht, der pausenlos, in höchst angespannter Eile, ohne erkennbaren Grund, durch enge Räumlichkeiten rennt. Ohne Anfang und Ende ist der Läufer in einer Endlosschleife gefangen – ein Zustand, der an einen Angsttraum erinnert, aus dem zu erwachen nicht möglich ist.
Im Zentrum der Ausstellung steht das Soundobjekt „Deutschland“ (2019): eine von Nasan Tur präparierten Drehorgel. Tur reagiert mit dieser Arbeit auf das von Nussbaum häufig ins Bild gesetzte Motiv der Drehorgel – ein Instrument, das auf die ständige Wiederholung einer vorgegebenen Tonfolge festgelegt ist, unfrei und monoton. Tur verwandelt einen alten Leierkasten in einen zeitgenössischen Kommentar auf unsere aktuelle Gesellschaft, indem er das alte Lochband durch eine neues ersetzt: Die Drehorgel spielt die Melodie der deutschen Nationalhymne, allerdings so sehr verlangsamt, dass sie verzerrt leiert und kaum erkennbar ist. Tur betrachtet als Künstler Begriffe wie „Nation“ oder „national“, die zwar in identitätsstiftenden Kulturprodukten wie der Nationalhymne ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln, doch gleichzeitig einen be- und ausgrenzenden Charakter besitzen.
Die Fotografie „Agony“ (2019), thematisiert die Bedingungen, die Lebewesen in Täter und Opfer, Jäger und Gejagte, Starke und Schwache kategorisieren. Als Nasan Tur während einer friedlichen Demonstration in der Türkei selbst zum Gejagten wurde, wuchs der Wunsch, Widerstand zu leisten. Es entstanden Skulpturen – metaphorische Bilder – in denen er die „Naturgesetze“ umkehrt: Der Fasan stürzt sich auf das Frettchen, das Rehkitz drückt den Fuchs zu Boden und das Schaf springt dem Wolf an die Kehle. Die Unterdrückten werden zu den Unterdrückern. „Was ist richtig, was falsch? Es gibt keine einfachen Erklärungen“ (Nasan Tur). Erst mit der in der Ausstellung präsentierten Fotografie wird das Ungleichgewicht aufgelöst. Eine ausschnitthafte und geänderte Perspektive lässt Fuchs und Lamm geradezu zärtlich einander zugewandt erscheinen.
Während Nasan Turs Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom entstand die Vi-deoarbeit „In My Pants“ (2015). Wie Felix Nussbaum 1932 war Tur 2014 eingeladen, in der Akademie zu arbeiten, die schon zu Nussbaums Zeiten als die „bedeutendste Einrichtung zur Spitzenförderung deutscher Künstlerinnen und Künstler“ (Wikipedia) gilt und dessen Stipendiaten als „Elite deutscher Künstler“ (Homepage Villa Massimo) bezeichnet werden.
Nasan Tur platziert das Selbstbildnis „In My Pants“ in den Raum „Mauern“ der Felix-Nussbaum-Sammlung und stellt damit sein Bild der persönlichen Angst und Unsicherheit Nussbaums Bildern dialogisch zur Seite. Als Ausdruck der Empathie reagiert Tur auf Nussbaums abweisenden und bedrohlichen Mauern, die zu seiner Rom-Zeit, in der die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht ergriffen, als Bildmotiv besonders augenfällig wurden.
Die 2020 parallel zu der Ausstellung entstehenden „Osnabrücker Exilfenster“ entsprechen Turs Arbeitsweise: „Die eigentliche Entwicklung meiner Arbeit findet draußen statt.“ Draußen, in der Gesellschaft, begegnet er seinen Themen. Draußen, außerhalb der Museumsmauern, sieht er auch das Wirkungsfeld seiner Kunst. Für die konzeptuelle Arbeit wird Tur mit im Osnabrücker Exil lebenden Menschen den Austausch suchen. Die Kontaktaufnahme, die wiederum über Menschen unternommen wird, ist der Beginn eines Prozesses, in dem Beziehungen geknüpft werden. Der Kreis weitet sich, wenn die Gespräche aus dem privaten in den öffentlichen Raum verlagert werden oder am Ende Bilder, die „Exilfenster“, in die Stadt und als Mitnahmeplakat wiederum ihren Weg zurück in private Wohnungen finden. Als Kettenreaktion setzt dieses Kunstprojekt über die Ausstellung und das Museum hinaus Menschen in Bewegung, aktiviert Gedanken und regt zum Handeln Vieler an.
Biographie Nasan Tur
Studium an der HfG Offenbach und an der Städelschule, Frankfurt.
Kulturgeschichtliches Museum:
Bis 08.03. „Deutscher Friedenspreis für Fotografie” und „Felix Schoeller Foto Award”
Johanna Maria Fritz hat den Deutschen Friedenspreis für Fotografie gewonnen, der in diesem Jahr erstmals von der Stadt Osnabrück und der Felix Schoeller Group ausgelobt wurde. Das Preisgeld beträgt 10.000 Euro. Fritz setzte sich gegen eine international hochkarätige Konkurrenz aus 42 Ländern mit ihrer Arbeit „Like a Bird“ durch. Die Siegerserie wie auch die Arbeiten der Nominierten werden nun im Museumsquartier Osnabrück präsentiert.
Dass ein neuer Friedens-Kulturpreis aus Osnabrück kommt, ist kein Zufall. Die Initiatoren haben den Deutschen Friedenspreis für Fotografie aus der besonderen Geschichte der Stadt ins Leben gerufen. Als Ort des Westfälischen Friedensschlusses von 1648 versteht die Stadt Osnabrück ihre Geschichte als Auftrag für friedenspolitisches Engagement. Das gilt auch für die kulturellen Angebote, die die Stadt entwickelt – über regionale Grenzen hinaus.
„Like a bird” heißt die Arbeit der Berliner Fotografin Johanna Maria Fritz, die die Jury überzeugte. Fritz zeigt den Zauber und die Kraft der Zirkustradition in krisenerschütterten Ländern und Regionen. Ihre Fotografien der Clowns aus dem Gaza „reflektieren die Absurdität des Lebens an der Frontlinie zwischen der armen Bevölkerung und der israelischen Armee” (Johanna Maria Fritz). „Zirkusschulen in Afghanistan zeigen den Kindern einen anderen Weg auf.” Als Betrachtende der Fotografien reiht man sich in das Publikum der kaukasischen Seiltänzer ein, besucht den Zirkus im Iran und folgt mit den Werken der Stimme eines kleinen Jungen, der mit den Worten „Like a Bird” sein Zirkusleben umschrieb.
Die Jury begründete ihre Wahl folgendermaßen: „Der Preisträgerin ist es gelungen, eine universelle Lebensfreude darzustellen, die sich auch in Kontexten von Konflikt und Gewalt nicht ersticken lässt. Die Bilderserie beeindruckt durch den Kontrast von menschlicher Kreativität und Vielfalt. Die jeweiligen Krisenkontexte, die auf Konflikte und Gewaltverhältnisse verweisen, dienen auf den Bildern als Hintergrundfolie, während die Künstler*innen aus der Kulisse in den Vordergrund treten und Hoffnung, Schönheit, Freude und Lachen verbreiten. Es ist auch fotografisch eine ganz und gar friedliche Arbeit, die leiser Hoffnung Ausdruck verleiht – und dem politischen Clown eine Stimme. ”
Johanna-Maria Fritz, geboren 1994, wohnt offiziell in Berlin – in Wirklichkeit ist sie aber das ganze Jahr unterwegs. Studiert hat sie Fotografie an der Ostkreuzschule und ist seit Anfang 2019 Mitglied der gleichnamigen Agentur. Ihre Arbeiten wurden international in vielen Magazinen veröffentlicht und weltweit ausgestellt: In Australien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz, aber auch in China und in den USA.
Nominierte des Deutschen Friedenspreises für Fotografie waren darüber hinaus Roberto Guerra Toledo (Frankreich), Sameer Al-Doumy (Frankreich), Toby Binder (Deutschland) und Cletus Nelson Nwadike (Schweden).
Die Gewinnerinnen und Gewinner der weiteren Kategorien, die ein Preisgeld von 2000 Euro erhalten, waren der Deutsche Toby Binder (Porträt), der Deutsche Maximilian Mann (Beste Nachwuchsarbeit), der Russe Alexey Vasilyev (Foto-Journalismus), die Russin Julia Bezhanova (Modefotografie), die Deutsche Sarah Tröster (Freie/konzeptionelle Fotografie) und der Deutsche Daniel Reiter (Landschaft/Natur). Den mit 10.000 Euro dotierten Gold Award Winner erhielt der Deutsche Toby Binder.
Lotter Str. 2, 49078 Osnabrück, Tel. 0541/323-2207
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11 - 18 Uhr (jeden ersten Donnerstag im Monat 11 - 20 Uhr), Samstag/Sonntag 10 - 18 Uhr
Kunsthalle Osnabrück
Bis 02.02. Filip Markiewicz: Celebration Factory
Kuratiert wird die Ausstellung von Enrico Lunghi.
„Filme, Bücher, Theaterstücke haben einen Anfang und ein Ende, eine Ausstellung nicht“, sagt Filip Markiewicz, der für die Kunsthalle Osnabrück die vierte Auflage von „Celebration Factory“ entwickelt hat. 2017, im NN Contemporary Art im britischen Northampton, 2018 im Casino Luxembourg und Anfang 2019 im CCA Derry - Londonderry hatte Filip Markiewicz bereits die politischen wie moralischen Krisen Europas und der Welt auf stets unterschiedliche Weisen in Szene gesetzt, immer unter Bezugnahme ortsspezifischer Adaptionen. Nun lädt die Kunsthalle Osnabrück mit dem Ausstellungs- und Performance-Projekt „Filip Markiewicz: Celebration Factory“ dazu ein, in ein Universum von Zeichen und Bildern einzutauchen, das die Leere der aktuellen Diskurse greifbar machen soll.
Das sich fortschreibende Konzept des luxemburgischen Künstlers mit polnischer Herkunft beinhaltet mit jeder Neuauflage eine für den jeweiligen Ort neugeschriebene Performance. In Osnabrück umtanzt Joran*Yonis aka Pia Tabea Visse (*1992) nun farbige, vieldeutig fragmentierte, rostende Autoteile sowie ein verwahrlostes Klavier. Die Performance trägt den Titel „Weil ein Gemälde atmet, wenn man es anschaut, aber es stirbt, wenn man es fotografiert“ und bezieht sich auf ein Bild der Ausstellung. Die Videoperformance ist Teil der Ausstellung, ebenso wie die Installation aus Autowrackteilen, die während der Ausstellung den Witterungsbedingungen im Innenhof der Kunsthalle Osnabrück ausgesetzt sind. Sie findet während der Eröffnungszeremonie statt, die am Freitag um 19 Uhr beginnt.
Im Chor des Kirchenschiffs der ehemaligen Dominikanerkirche hängt das jüngste Gemälde des Künstlers: ein Joker, der mit „Impeach“ überschrieben ist und in Vorbereitung der Osnabrücker Ausstellung entstanden ist. „Impeach“ (Anhörung) zeigt ein Porträt des Bösewichts „Joker“ aus dem Batman Universum aus der der gleichnamigen Neuverfilmung (2019) mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle. Das Ölgemälde ist wie ein Altarbild zentral im Chor angebracht und scheint den Betrachter zu sich hinzuziehen. Darüber hängen drei rote Flaggen auf der Höhe der Kirchenfenster, die als eine Art fiktives Logo aus den Sternen der Europa-Flagge und einem Kreuz in schwarz auf rotem Grund entstanden sind und der Szenographie eine mit der deutschen modernen Geschichte verbundene Bedeutsamkeit verleihen.
Auf die „Anhörung“ des Jokers läuft räumlich ein gelber „Catwalk“ zu, der am Ende der Ausstellung die Fußspuren des Publikums tragen und vermutlich seine Farbe verändert haben wird. „Celebration Factory“ schafft mit dem „Catwalk“ eine Bühne, auf der überdimensional große Banknoten das trügerische, obszöne Spektakel der Selbst-Repräsentation von Politik- und Wirtschaftsvertretern vorführen. Markiewicz macht das Publikum zu Mitspielerinnen und Mitspielern in einem Theaterstück, dessen Ende noch geschrieben werden muss, dessen Grundstimmung jedoch apokalyptisch scheint.
Im Chorkreuz des Kirchenschiffs schwebt – gleichsam als Menetekel - eine der beiden bedeutenden Leihgaben des „Bühnen Archiv Oskar Schlemmer“, mit dem die Kunsthalle Osnabrück kooperiert hat: die „Grosse Maske Riesenmarionette“ (1926). Neben dem Joker hängt das „Bauhaus Signet“ von Oskar Schlemmer aus dem Jahr 1923. Die beiden Leihgaben als historische Referenzen verleihen dem Projekt kulturhistorische Tiefe, ebenso wie die kubistischen Porträts auf der gegenüberliegenden Seite des Kirchenschiffs. Hier hat der Künstler Popikonen wie z.B. die US-Präsidententochter mit ihrem „Grinsen“ mit idealisierten Rembrandtporträts verschmolzen. Sie treten in einen vieldeutigen Dialog mit den anderen Exponaten, die auf Fragmenten von Baugerüsten oder einer unvollendeten Kunstmesse inszeniert sind. Bilder wie „Hashtag Depression“ deuten an, dass irgendetwas sehr Existenzielles die Zivilisationen beschleicht.
Mit dem Betreten der Ausstellung im Foyer der Kunsthalle wird das Publikum mit einer vieldeutigen Neoinstallation konfrontiert, die den Titel „Euphoric Union“ trägt. Sie ist 2018 entstanden und korrespondiert mit dem Brexit-Schlachtruf „We‘re Out!“ aus der „Daily Mail“. Die Ausstellung zieht das Publikum in die globalen Konflikte hinein, lässt keine Distanzen zu. Markiewicz schafft mit seinen Inszenierungen vieldeutige Abgründe, deren revolutionäre wie emanzipatorische Impulse in Illusionen zu versinken drohen. Endloser Konsum, aber auch die Kunstwelt selbst befördert das „Fake Fiktion“. Die Ausstellung kann also immer auch als Medien- und Institutionskritik gelesen werden, oder als ein Versuch, die Unmöglichkeit eines Auswegs zu beschreiben.
Das Publikum der Kunsthalle Osnabrück ist durch das Programm der vergangenen Jahre eingestimmt auf Provokation, politische Statements, gewagte Grenzgänge zwischen den Disziplinen. Markiewicz zeigt, wie eng Ereignisse, Themen und Personen, die das globale Zeitgeschehen bestimmen, medial verschaltet sind. Die collageartige, dekonstruktive und multimediale Produktionsweise des Künstlers verarbeitet Elemente aus Kunst-, Kultur- und Politikgeschichte und setzt sie wechselnden Bedeutungshorizonten aus, dekliniert die Leitmetapher „Celebration“ in ihren vielfältigen Brechungen und ironischen Lesarten.
Doch nicht alles ist Auflösung: „‘Celebration Factory‘ 2019/20 bezieht sich auf die Gelbwesten-Demonstrationen in Frankreich, die Demonstrationen in Hongkong - vielleicht nicht so sehr auf die Freitagsdemonstrationen und Jugendproteste“, sagt Filip Markiewicz während der Aufbauarbeiten. Das Projekt hat nicht die Absicht, eine flüchtige Form des politischen Aktivismus zu entwickeln, sondern schlägt eine quasi-surrealistische Sprache vor, die verschiedene Ausdrucksformen verschränkt und analysiert. Filip Markiewicz erforscht die Möglichkeiten einer künstlerischen Sprache, die das individuelle Bewusstsein für einen Widerstand gegen die „Herrschaft der Angst“ sensibilisiert. Dabei verliest er keine Lektionen und weckt auch keine vergeblichen Hoffnungen. Seine Sprache ist ein utopisches Streben, eine Antithese zur sklavischen und „mephistischen“ Haltung des „Business As Usual“.
Die Ausstellung wird gefördert durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und unterstützt vom Verein der Freunde der Kunsthalle Osnabrück e.V., von Ableton, dem FOCUNA Fonds Culturel National Luxembourg und dem Bühnen Archiv Oskar Schlemmer. Co-Kuratorin und Co-Kurator sind Catherine Hemelryk und Kevin Muhlen.“Celebration Factory“ ist ein sich entwickelndes Ausstellungs- und Performance-Projekt, das zuerst im NN Contemporary Art Northampton (2016) gezeigt wurde, 2018 im Casino Luxembourg - Forum d’Art Contemporain und 2019 im CCA (Centre for Contemporary Art) Derry~Londonderry fortgesetzt wurde. Die Kunsthalle Osnabrück ist die vierte Station.
10.02. – 05.04. Ayumi Paul: SYMPATHETIC RESONANCE
Kunsthalle Osnabrück
Die Arbeiten und Projekte von Ayumi Paul basieren auf Performance und Installation, die über das Hören die Möglichkeiten poetischer Interkommunikation erfahrbar werden lassen. In ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung “SYMPATHETIC RESONANCE” werden bereits bestehende Werke und Produktionen, die für die Kunsthalle Osnabrück neu entstehen, als Gesamtinstallation präsentiert.
Für “The Singing Project” lädt die Künstlerin seit März 2019 zweimal im Monat Frauen zum gemeinsamen Singen in die Kunsthalle Osnabrück ein. Dieses wird während der Ausstellungslaufzeit von der Künstlerin weitergeführt. Durch den kontinuierlichen und gemeinschaftlichen Prozess entwickelt sich eine fluide Klangskulptur, die sich räumlich und zeitlich unbegrenzt entfalten kann. Gleichzeitig bildet das Projekt die Grundlage für eine Spielstruktur, die die Kunsthalle in einen immer singenden Ort verwandeln wird. Im Kirchenraum der Kunsthalle wird durchgängig mindestens eine Frauenstimme live zu hören sein. Es ist eine Einladung an alle Besucher*innen sich anzuschließen, singend oder hörend.
Die Raumkomposition “Für Frieda” ist ihrer Großmutter gewidmet. Diese hat die Künstlerin noch nie Geige spielen gehört, bis sie ihr eines Tages alleine die Bachsonate vorspielt, die sie schon seit 25 Jahren übt. Die Aufnahme wird im Neubau zu hören sein, wo ein Boden eingezogen wird, der Holz aus vorangegangenen Ausstellungen benutzt. Im Atrium und im Atriumsgang werden weitere Klang- und Videoarbeiten gezeigt werden, die sich ebenfalls mit Synchronisationsprozessen und der Möglichkeit durch unterschiedliche Realitäten und Materiezustände hindurch in Kommunikation zu gehen, auseinandersetzen. Eine für die Ausstellung angefertigte und im Kirchenraum aufgenommene Edition wird als Teil eines lebensumspannenden Projekts der Künstlerin exklusiv in einer Auflage von 50 Stück während der Ausstellungslaufzeit erhältlich sein.
Ayumi Paul (*1980 in Gießen), Komponistin, Violinistin und bildende Künstlerin, lebt in Berlin. Sie studierte klassische Violine an der Hochschule für Musik Hanns Eisler und an der Indiana University (US) und spielte weltweit in den renommiertesten Konzerthäusern, bevor sie sich ausschließlich eigenständigen, künstlerischen Werken widmete, die in wichtigen Museen und Galerien präsentiert werden, zuletzt bei Esther Schipper (2017), National Gallery Singapore (2018) und Galerie Thaddaeus Ropac Paris (2018).
Kuratiert wird die Ausstellung von Julia Draganović und Christel Schulte.
Hasemauer 1, 49074 Osnabrück, Tel. 0541/323-2190
Öffnungszeiten: Dienstag 13 - 18 Uhr, Mittwoch 11 - 18 Uhr, Donnerstag 11 - 20 Uhr, Freitag 11 - 18 Uhr, Samstag/Sonntag 10 - 18 Uhr
Erich Maria Remarque-Friedenszentrum
Bis 01.03. „Nichts war vergeblich“. Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus
Die Ausstellung des Studienkreises deutscher Widerstand 1933-1945 würdigt den Mut von Frauen, die sich gegen den Terror des NS-Systems stellten. 18 Biographien stellen dar, auf welch' vielfältige Weise die Frauen dem Regime die Gefolgschaft verweigerten. Sie verfassten und verteilten Flugblätter, sie boten Verfolgten Unterschlupf, sie klärten im Ausland über das Unrecht in Deutschland auf. Immer folgten sie ihrem Gewissen – und setzten damit ihr Leben aufs Spiel. Der Anteil dieser Frauen im Kampf gegen den NS-Staat ist in der Öffentlichkeit noch immer wenig bekannt. Eine Vertiefungsstation widmet sich darüber hinaus dem Thema „Kommunikation im Widerstand“ und stellt u.a. dar, wie Flugblätter und illegale Schriften im Widerstand produziert und verbreitet wurden. In zwei Vitrinen werden exemplarisch Gegenstände und Handarbeiten gezeigt, die in den Konzentrationslagern Moringen, Lichtenburg und Ravensbrück von widerständigen Frauen während ihrer Inhaftierung gefertigt wurden.
Markt 6, 49074 Osnabrück, Tel. 0541/323-2109
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 – 13 Uhr u. 15 – 17 Uhr, Samstag/Sonntag 11 – 17 Uhr
Museum am Schölerberg - Natur und Umwelt
Keine Sonderausstellung
Klaus-Strick-Weg 10, 49082 Osnabrück, Tel. 0541/323-7000
Öffnungszeiten: Dienstag 9 - 20 Uhr, Mittwoch bis Freitag 9 - 18 Uhr, Samstag 14 - 18 Uhr, Sonntag 10 - 18 Uhr
Pressekontakt: Heiko Mitlewski | Fachbereich Kultur | Tel. 0541 323-3217 | E-Mail: mitlewski@osnabrueck.de
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