Meldungsdatum: 18.02.2020
Museumsquartier Osnabrück
Felix-Nussbaum-Haus
Dauerausstellung zu Leben und Werk Felix Nussbaums
Bis 15.11. Nasan Tur: „Gegenwärtig“. Zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler begegnen Felix Nussbaum
In der zweiten Ausstellung der Reihe „Gegenwärtig“ trifft der Konzeptkünstler Nasan Tur auf das Leben und Werk des Malers Felix Nussbaum. Machtstrukturen, Flucht, Exil und Fragen der Identität sind Themen, die beide Künstler zu ihrem Schaffen antreiben. Nasan Turs kritische Stimme zu Gesellschaft und Politik macht ihn zu einem politischen Künstler.
Die Ausstellung im Felix-Nussbaum-Haus zeigt ältere Arbeiten – die in diesem Kontext eine neue Aktualität bekommen – und für die Ausstellung entwickelte neue Arbeiten als Reaktion und Kommentar auf Nussbaums Werk.
Innere Unruhe und Getriebensein vermittelt das Video „Run“ (2004). Die Kamera folgt einem Mann in Rückenansicht, der pausenlos, in höchst angespannter Eile, ohne erkennbaren Grund, durch enge Räumlichkeiten rennt. Ohne Anfang und Ende ist der Läufer in einer Endlosschleife gefangen – ein Zustand, der an einen Angsttraum erinnert, aus dem zu erwachen nicht möglich ist.
Im Zentrum der Ausstellung steht das Soundobjekt „Deutschland“ (2019): eine von Nasan Tur präparierten Drehorgel. Tur reagiert mit dieser Arbeit auf das von Nussbaum häufig ins Bild gesetzte Motiv der Drehorgel – ein Instrument, das auf die ständige Wiederholung einer vorgegebenen Tonfolge festgelegt ist, unfrei und monoton. Tur verwandelt einen alten Leierkasten in einen zeitgenössischen Kommentar auf unsere aktuelle Gesellschaft, indem er das alte Lochband durch eine neues ersetzt: Die Drehorgel spielt die Melodie der deutschen Nationalhymne, allerdings so sehr verlangsamt, dass sie verzerrt leiert und kaum erkennbar ist. Tur betrachtet als Künstler Begriffe wie „Nation“ oder „national“, die zwar in identitätsstiftenden Kulturprodukten wie der Nationalhymne ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln, doch gleichzeitig einen be- und ausgrenzenden Charakter besitzen.
Die Fotografie „Agony“ (2019), thematisiert die Bedingungen, die Lebewesen in Täter und Opfer, Jäger und Gejagte, Starke und Schwache kategorisieren. Als Nasan Tur während einer friedlichen Demonstration in der Türkei selbst zum Gejagten wurde, wuchs der Wunsch, Widerstand zu leisten. Es entstanden Skulpturen – metaphorische Bilder – in denen er die „Naturgesetze“ umkehrt: Der Fasan stürzt sich auf das Frettchen, das Rehkitz drückt den Fuchs zu Boden und das Schaf springt dem Wolf an die Kehle. Die Unterdrückten werden zu den Unterdrückern. „Was ist richtig, was falsch? Es gibt keine einfachen Erklärungen“ (Nasan Tur). Erst mit der in der Ausstellung präsentierten Fotografie wird das Ungleichgewicht aufgelöst. Eine ausschnitthafte und geänderte Perspektive lässt Fuchs und Lamm geradezu zärtlich einander zugewandt erscheinen.
Während Nasan Turs Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom entstand die Vi-deoarbeit „In My Pants“ (2015). Wie Felix Nussbaum 1932 war Tur 2014 eingeladen, in der Akademie zu arbeiten, die schon zu Nussbaums Zeiten als die „bedeutendste Einrichtung zur Spitzenförderung deutscher Künstlerinnen und Künstler“ (Wikipedia) gilt und dessen Stipendiaten als „Elite deutscher Künstler“ (Homepage Villa Massimo) bezeichnet werden.
Nasan Tur platziert das Selbstbildnis „In My Pants“ in den Raum „Mauern“ der Felix-Nussbaum-Sammlung und stellt damit sein Bild der persönlichen Angst und Unsicherheit Nussbaums Bildern dialogisch zur Seite. Als Ausdruck der Empathie reagiert Tur auf Nussbaums abweisenden und bedrohlichen Mauern, die zu seiner Rom-Zeit, in der die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht ergriffen, als Bildmotiv besonders augenfällig wurden.
Die 2020 parallel zu der Ausstellung entstehenden „Osnabrücker Exilfenster“ entsprechen Turs Arbeitsweise: „Die eigentliche Entwicklung meiner Arbeit findet draußen statt.“ Draußen, in der Gesellschaft, begegnet er seinen Themen. Draußen, außerhalb der Museumsmauern, sieht er auch das Wirkungsfeld seiner Kunst. Für die konzeptuelle Arbeit wird Tur mit im Osnabrücker Exil lebenden Menschen den Austausch suchen. Die Kontaktaufnahme, die wiederum über Menschen unternommen wird, ist der Beginn eines Prozesses, in dem Beziehungen geknüpft werden. Der Kreis weitet sich, wenn die Gespräche aus dem privaten in den öffentlichen Raum verlagert werden oder am Ende Bilder, die „Exilfenster“, in die Stadt und als Mitnahmeplakat wiederum ihren Weg zurück in private Wohnungen finden. Als Kettenreaktion setzt dieses Kunstprojekt über die Ausstellung und das Museum hinaus Menschen in Bewegung, aktiviert Gedanken und regt zum Handeln Vieler an.
Biographie Nasan Tur
Studium an der HfG Offenbach und an der Städelschule, Frankfurt.
Kulturgeschichtliches Museum
Bis 7.6. Sammlung im Dialog Teil 3: „Franz Hecker – Gemälde“
Der Museums- und Kunstverein Osnabrück e.V. und das Museumsquartier erinnern gemeinsam an den 150. Geburtstag des bekannten Osnabrücker Malers Franz Hecker (1870 – 1944). Die Ausstellung präsentiert Gemälde aus der Sammlung des Kulturgeschichtlichen Museums im Oberlichtsaal.
Der auch überregional bekannte Hecker gehört zu den beliebtesten Landschafts- und Porträtmalern der Osnabrücker Region. Er wurde am 15. November 1870 in Bersenbrück geboren und studierte an der Kunstakademie in Düsseldorf. Zahlreiche Studienaufenthalte und Reisen führten ihn quer durch Europa. Der Ausstellungstitel „Franz Hecker – Gemälde“ erinnert an die gleichnamige erste Hecker-Präsentation in Osnabrück: 1903 stellte der Dürerbund den Maler an gleicher Stelle im Oberlichtsaal des Osnabrücker Museums aus.
Im Gegensatz zu anderen Künstlern und Künstlerinnen seiner Zeit – wie etwa die Osnabrücker Felix Nussbaum oder Friedrich Vordemberge-Gildewart – hatte Hecker während des Nationalsozialismus keine Probleme, seine Kunst zu präsentieren. Seine naturalistische Malweise sowie seine Bildthemen entsprachen dem Geschmack der NS-Machthaber. Es überrascht daher nicht, dass ihm in Osnabrück 1933 und 1940 zwei weitere große Ausstellungen gewidmet wurden. Die Stadt ehrte Hecker 1944 zudem mit der Verleihung der Justus-Möser-Medaille. Am 21. November 1944 kam der Maler bei einem Luftangriff ums Leben.
Lotter Str. 2, 49078 Osnabrück, Tel. 0541/323-2207
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11 - 18 Uhr (jeden ersten Donnerstag im Monat 11 - 20 Uhr), Samstag/Sonntag 10 - 18 Uhr
Kunsthalle Osnabrück
Bis 05.04. Ayumi Paul: SYMPATHETIC RESONANCE
Die Arbeiten und Projekte von Ayumi Paul basieren auf Performance und Installation, die über das Hören die Möglichkeiten poetischer Interkommunikation erfahrbar werden lassen. In ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung „SYMPATHETIC RESONANCE“ werden in der Kunsthalle Osnabrück bereits bestehende Werke wie Neuproduktionen zu einer Gesamtinstallation zusammengeführt.
Für „The Singing Project“ hat die Künstlerin seit März 2019 zweimal im Monat Frauen zum gemeinsamen Singen in die Kunsthalle Osnabrück eingeladen. Dieses wird während der Ausstellungslaufzeit von der Künstlerin weitergeführt. Durch den kontinuierlichen und gemeinschaftlichen Prozess entwickelt sich eine fluide Klangskulptur, die sich räumlich und zeitlich unbegrenzt entfalten kann. Gleichzeitig bildet das Projekt die Grundlage für eine Spielstruktur, die die Kunsthalle in „einen immer singenden Ort“ verwandelt. Im ehemaligen Kirchenraum der Kunsthalle wird durchgängig mindestens eine Frauenstimme live zu hören sein. Es ist eine Einladung an alle Besucher sich anzuschließen, singend oder hörend.
Im Atrium und im Atriumgang werden weitere Klang- und Videoarbeiten gezeigt, die sich ebenfalls mit Synchronisationsprozessen und der Möglichkeit, durch unterschiedliche Realitäten und Materiezustände hindurch in Kommunikation zu gehen, auseinandersetzen.
Eine im Kirchenraum aufgenommene Edition wird als Teil dieses lebensumspannenden Projekts in einer Auflage von 50 Exemplaren während der Ausstellung in Osnabrück erhältlich sein.
Ayumi Paul (*1980 in Gießen), Komponistin, Violinistin und bildende Künstlerin, lebt in Berlin. Sie studierte klassische Violine an der Hochschule für Musik Hanns Eisler und an der Indiana University (USA) und spielte weltweit in renommierten Konzerthäusern, bevor sie sich ausschließlich eigenständigen, künstlerischen Werken widmete, die seither in internationalen Museen und Galerien präsentiert werden, zuletzt bei Esther Schipper (2017), in der National Gallery Singapore (2018) und in der Galerie Thaddaeus Ropac Paris (2018).
Das Projekt wird kuratiert von Julia Draganović, seit Juli 2019 Direktorin der Villa Massimo in Rom, und Christel Schulte, Kuratorin für Publikumsteilhabe und Lernen, Kunsthalle Osnabrück.
Die Ausstellung wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft und Kultur und unterstützt durch den Verein der Freunde der Kunsthalle Osnabrück e. V.
22.4. – 01.06. European Media Art Festival (Ausstellung)
Das European Media Art Festival (EMAF) gilt international als eines der einflussreichsten Foren für zeitgenössische Medienkunst. Jedes Jahr bietet es einen aktuellen Überblick über künstlerische Filme, Installationen, Performances, digitale Formate und hybride Formen, die von persönlichen und politischen Themen bis hin zu formalen Experimenten reichen. In diesem Jahr steht es unter dem Motto FIRST PERSON PLURAL.
In seiner Ausstellung, dem thematischen Filmprogramm und den Talks betrachtet das EMAF, wie sich unsere Vorstellungen vom Ich unter dem Einfluss digitaler Medien und den gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen der Spätmoderne verändern. Es fragt: Wer oder was kann überhaupt Ich sagen, sich Gehör und Geltung verschaffen? Wieviel Wir enthält das Ich? Und wieviel Ich können Wir uns heute noch erlauben?
Innerhalb dieser Fragestellungen werden die einzelnen Programmsektionen künstlerische Arbeiten versammeln und diskutieren, die die Narrative des „Ich“ spielerisch umkreisen, in emanzipatorisch-widerständigem Sinne umdeuten und nach ihrer Kollektivität stiftenden, aktivierenden Rolle befragen. Gerahmt vom Festivalthema FIRST PERSON PLURAL nähern sich Ausstellung, thematisches Filmprogramm und Talks diesen Arbeiten aus verschiedenen Blickwinkeln, Methoden und Schwerpunkten und ziehen dabei gemeinsame Fäden zwischen den Programmteilen.
Die Ausstellung versammelt Arbeiten, die sich mit Vorstellungen des Selbst, seiner körperlichen Verfasstheit und zunehmenden Fragmentierung (durch digitale Technologien) befassen, wobei auch das Verhältnis zwischen Individuum und Kollektiv sowie die Art und Weise, wie es mit anderen und der äußeren Umgebung umgeht, berücksichtigt werden. Die Ausstellung schafft einen Raum für Live-Präsentationen und direkte Begegnungen und konzentriert sich auf verschiedene Arten der Auseinandersetzung mit künstlerischen Arbeiten, die über die Präsentation statischer Installationen hinausgehen.
Hasemauer 1, 49074 Osnabrück, Tel. 0541/323-2190
Öffnungszeiten: Dienstag 13 - 18 Uhr, Mittwoch 11 - 18 Uhr, Donnerstag 11 - 20 Uhr, Freitag 11 - 18 Uhr, Samstag/Sonntag 10 - 18 Uhr
Erich Maria Remarque-Friedenszentrum
Bis 31. 05. WoW – Wirksam ohne Waffen
Sind Kriege unvermeidlich? Muss Militär geschickt werden, um „humanitär“ zu intervenieren? Welche Alternativen gibt es? Mit diesen Fragen setzt sich die Ausstellung WoW – Wirksam ohne Waffen auseinander und zeigt weltweite Beispiele „Gewaltfreier Interventionen“. Unter diesem Begriff verbirgt sich die Idee einer unabhängigen „Dritten Partei“, die hilft, Konflikte ohne Gewalt auszutragen. Es gibt vielfältige Formen gewaltfreien Eingreifens, von der Kriegsvorsorge bis zur Konfliktnachsorge. Sie wurzeln nicht zuletzt in Gandhis Idee einer Friedensarmee („Shanti Sena“), die in der Ausstellung ausführlich dargestellt wird. Gewaltfreie Intervention gibt es auf allen Kontinenten, im eigenen Land wie im Ausland, von Friedensfachkräften wie von Freiwilligen und Friedensaktivist*innen. Die Ausstellung wurde gemeinsam vom Bund für Soziale Verteidigung und dem Friedensmuseum Nürnberg erarbeitet und umfasst zwei Bereiche: zum einen wird die „Gewaltfreie Intervention“ in Krisen und Kriege thematisiert, zum anderen verschiedene Ansätzen „Ziviler Konfliktbearbeitung“.
Markt 6, 49074 Osnabrück, Tel. 0541/323-2109
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 – 13 Uhr u. 15 – 17 Uhr, Samstag/Sonntag 11 – 17 Uhr
Museum am Schölerberg - Natur und Umwelt -
Bis 23.08. Mission 2030 – Globale Ziele erleben
Die Welt steht vor zahlreichen Herausforderungen in Bezug auf nachhaltiges Wirtschaften, Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit. Doch wie gelingt eine nachhaltigere Entwicklung rund um den Globus?
Ausgeglichene Lebensverhältnisse, Chancengleichheit sowie ein schonender Umgang mit Ressourcen – das sind einige der sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen (UN), die sich die Weltgemeinschaft bis 2030 vorgenommen hat. Die Kinderrechtsorganisation Plan International startet nun die neue Wanderausstellung „Mission 2030 – Globale Ziele erleben“, die multimedial vor allem auch junge Menschen mit den nachhaltigen Entwicklungszielen vertraut machen und für deren Umsetzung begeistern will.
Das Museum am Schölerberg in Osnabrück, das sich als Umweltbildungszentrum über die Region hinaus für nachhaltige Bildungsarbeit engagiert, wird der erste Ausstellungsort. Die Ausstellung wird durch ein Rahmenprogramm insbesondere für Schulklassen, aber auch Einzelpersonen ergänzt, das sich ganz praktisch der Frage widmet: Wie kann jede und jeder Einzelne dazu beitragen, die 17 Nachhaltigkeitsziele Wirklichkeit werden zu lassen?
„Nur die wenigsten wissen, wie sehr die nachhaltigen Entwicklungsziele unser aller Leben betreffen. Das wollen wir ändern“, sagt Maike Röttger, Vorsitzende der Geschäftsführung von Plan International Deutschland. „Wir laden Besucherinnen und Besucher dazu ein, sich auf eine kurzweilige und lehrreiche Weltreise zu begeben. Mit ,Mission 2030‘ können vor allem junge Besucherinnen und Besucher die SDGs spielerisch kennenlernen und selbst aktiv werden.“
Mit den nachhaltigen Entwicklungszielen haben sich die UN nicht weniger als die Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie
ökologischer Ebene vorgenommen. Zentrale Ziele sind die Reduzierung von ungleichen Lebensverhältnissen, die Schaffung von Chancengleichheit sowie ein
nachhaltiges Management von natürlichen Ressourcen, das den Erhalt von Ökosystemen gewährleistet.
Die Mitmachausstellung „Mission 2030“ bietet neun interaktive Stationen, an denen das Publikum die SDGs anhand von multimedialen Elementen kennenlernen kann. Gäste können unter anderem die Rolle von Delegierten übernehmen und entscheiden, welche gesellschaftlichen Entwicklungen für die Zukunft die besten sind. Besucherrinnen und Besucher reisen virtuell nach Ägypten, Ghana, Guatemala, Kambodscha, Kolumbien und Timor-Leste sowie in die deutschen Großstädte Berlin und Hamburg. Dort erklären jeweils junge Protagonistinnen und Protagonisten anhand von realen Projektbeispielen die verschiedenen SDGs und ihre Umsetzung.
Klaus-Strick-Weg 10, 49082 Osnabrück, Tel. 0541/323-7000
Öffnungszeiten: Dienstag 9 - 20 Uhr, Mittwoch bis Freitag 9 - 18 Uhr, Samstag 14 - 18 Uhr, Sonntag 10 - 18 Uhr
Pressekontakt: Heiko Mitlewski | Fachbereich Kultur | Tel. 0541 323-3217 | E-Mail: mitlewski@osnabrueck.de
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