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02. Juni 2020
Friedrich-Gerstäcker-Preis für Susan Kreller
- Nach Jury-Entscheid
Braunschweig .

Die Autorin Susan Kreller erhält für ihr Buch „Elektrische Fische“ den mit 8.000 Euro dotierten Friedrich-Gerstäcker-Preis für Jugendliteratur der Stadt Braunschweig.

In dem 2019 im Carlsen Verlag erschienenen Roman erzählt Susan Kreller die Geschichte von Emma, die mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern von Dublin nach Mecklenburg-Vorpommern zieht und Irland, den Vater und die irischen Großeltern zurücklassen muss. Emma leidet an Heimweh und will schleunigst zurück nach Irland. Levin aus ihrer Klasse bietet ihr seine Hilfe an und gemeinsam schmieden sie an einem Fluchtplan. Doch irgendwann will Levin gar nicht mehr, das Emma fortgeht. Auch Emma beginnt an ihrer Rückkehr nach Irland zu zweifeln.
Der Roman „Elektrische Fische“ handelt von Familie, Freundschaft, dem Heimweh nach einer zurückgelassenen Heimat und auf der Suche nach einem neuen Platz in der Welt.

1947 von der Stadt Braunschweig gestiftet, erinnert der Friedrich-Gerstäcker-Preis für Jugendliteratur an den Weltreisenden und Abenteuer-Romancier Friedrich Gerstäcker, der seine Jugend und seine letzten Lebensjahre in Braunschweig verbrachte. Der älteste deutsche Jugendbuchpreis wird in diesem Jahr zum 33. Mal verliehen. Im zweijährigen Turnus wird ein Buch ausgezeichnet, das Jugendlichen im Alter ab zwölf Jahren das Abenteuer der Begegnung mit fremden Welten fantasievoll vor Augen führt und dabei die Gedanken der Toleranz und Weltoffenheit in sprachlich anspruchsvoller Form näherbringt. Den Preis erhielt zuletzt Julya Rabinowich und zuvor u. a. Dirk Reinhardt, Anna Kuschnarowa, Martin Grzimek, Anja Tuckermann, Iva Procházková und Christa-Maria Zimmermann.

Mitglieder in der Preisjury waren Udo von Alten (Friedrich-Bödecker-Kreis e. V.), Dr. Annette Boldt-Stülzebach (Stadt Braunschweig, Abteilung Literatur und Musik), Sabine Lippert (Stadtbibliothek Braunschweig), Thomas Ostwald (Friedrich-Gerstäcker-Gesellschaft), Prof. Dr. Jan Standke (TU Braunschweig – Inst. für Germanistik, Jurymitglied für den Deutschen Jugendliteraturpreis), Heike Ullmann (Buchhandel), Ute Wegmann (Germanistin, Autorin, freie Journalistin) sowie mit doppeltem Stimmanteil eine Jugendjury, der Mara Geckeler, Hannes Gremmels, Henrike Heise, Jule Reinhardt und Lina Seyler angehört haben.

Die Begründung der Preisjury für das Votum lautet:

„Gibt es ein größeres Abenteuer als einen Umzug in ein fremdes Land und in ein neues Leben mit fremden Menschen, auch wenn diese die Eltern der Mutter sind? Schon sehr bald stellt die Erzählerin Emma fest, dass dort in Mecklenburg-Vorpommern alles anders ist, sogar die deutsche Sprache. Der unerwünschte Umzug wird zu einer Herausforderung.
In ihrem Roman „Elektrische Fische“ verbindet Susan Kreller die Themen in einer Geschichte über Heimat, Familie und Freundschaft, in dessen Mittelpunkt drei Geschwister stehen. Die Mittlere - Emma - leidet, der Bruder scheint sich schnell anzupassen, die kleine Schwester verfällt in Schweigen, verliert ihre Sprache. Für die Kinder war Irland Heimat, und sie lassen viel zurück, vor allem den Vater.
Emma hat nur einen Gedanken: Zurück nach Irland. Mit Levin, einem Schulkameraden, der ihr zugewandt ist, plant sie ihre Flucht. Levin hat seine eigene Geschichte, geprägt von einem Alltag mit einer psychisch kranken Mutter. Er mag Emma und vermag mit wenigen Worten viel zu sagen. Allerdings beschließt Emma so lange zu bleiben, bis ihre kleine Schwester das Schweigen bricht. Endlich der ersehnte Tag und alles kommt anders.
Eine berührende Geschichte über Sehnsucht und Heimweh und über die Wichtigkeit, einen Platz in der Welt zu finden. In subtilen Nebensätzen erzählt Susan Kreller auch von den traurigen Aspekten der deutsch-deutschen Geschichte. Ebenso zeigt sie, dass jede Familie auf ihre Weise ein Schicksal trägt. Das Schweigen, das Verschweigen und das Fremde bilden die zentralen Themen.
Am Ende wird Emma ihren Platz finden. Das verdankt sie unter anderem Levins Mutter, die ihre Gefühle am besten zum Ausdruck bringen kann.
Susan Krellers Art zu assoziieren und Gedanken zu verknüpfen, ist auf heitere Weise besonders und ihr Schreiben von großer literarischer Qualität. Wir schauen mit Emmas Blick auf die Welt und erleben, wie weder Leichtes noch Schweres überreizt wird und sich Trauriges in Heiteres wendet. Die Schriftstellerin ist eine große Beobachterin der kleinen Gesten, der Augenblicke und weiß, sie in Sprache zu übersetzen - diese Sensibilität sowie die Freude am Sprachspiel, die psychologisch fein gezeichneten Figuren, die so authentisch sind, dass man meint, ihnen schon begegnet zu sein, und die Poesie – all das macht „Elektrische Fische“ zu großer Literatur. Ein Roman, durchdrungen von Menschenliebe.“

Die Preisträgerin Susan Kreller wurde 1977 in Plauen geboren und lebt derzeit mit ihrer Familie in Bielefeld. Die Autorin studierte Germanistik und Anglistik und promovierte über deutsche Übersetzungen englischsprachiger Kinderlyrik. Susan Kreller arbeitet heute als freie Journalistin und Autorin.
Sie ist Gewinnerin des Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendiums 2013. Für ihr Jugendbuchdebüt „Elefanten sieht man nicht“ wurde sie 2013 mit dem Hansjörg Martin Preis und der Silbernen Feder ausgezeichnet. Außerdem gewann sie 2015 mit „Schneeriese“ den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Jugendbuch. Es folgten drei weitere Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis. Für Elektrische Fische wurde Susan Kreller bereits mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2020 ausgezeichnet.

Die feierliche Preisverleihung wird voraussichtlich im Spätsommer stattfinden, sofern die dann geltenden Vorschriften dies zulassen.







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Susan Kreller





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