Meldungsdatum: 11.06.2021

Un.eindeutig zuhause – Diverse Stadtgeschichten in Osnabrück

Ausstellung des Museumsquartiers Osnabrück im Stadtraum

Die Ausstellung „Un.eindeutig Zuhause – Diverse Stadtgeschichten in Osnabrück“ des Museumsquartiers Osnabrück erprobt vom 12. Juni bis 15. Oktober neue Wege der Museumsarbeit. Erarbeitet von migrantischen Selbstorganisationen, Aktivist:innen, Studierenden, Ehrenamtlichen und Künstler:innen, ermöglicht sie einen multiperspektivischen Blick in die Osnabrücker Migrations-, Flucht- und Diskriminierungsgeschichte.

Spurensuchende finden im Stadtraum acht QR-Code-Stelen. Start der Tour ist das Museumsquartier Osnabrück (MQ4). Jede Station erzählt anhand von Briefen, Podcasts, Interviews, Fotos und Videos eine andere, für viele vielleicht bis heute verborgene, Geschichte – auch über ziviles Engagement.

So zeigen Internationale Studierende in „COMMON GROUND. A trip down memory lane” Osnabrück als einen Ort, an dem verschiedene Kulturen zusammenkommen. In den Interviews von „Black Osnabrück“ sprechen Schwarze Osnabrücker:innen über ihre Lebensgeschichten, ihre Wahrnehmung der ‚Friedensstadt‘ und Zukunftsperspektiven für eine bessere Gesellschaft. „4. Mai 1973 – Wilder Streik bei Karmann“ befasst sich mit einem einstigen Osnabrücker Autobauer, der zu Beginn der 1970er viele Migrant:innen beschäftigte – und ihnen den Urlaub kürzen wollte, die einzige Chance für einen Heimaturlaub. „Lebensrealitäten – Hayatın gerçekleri“ spiegelt in acht Lebensgeschichten Osnabrücker Alltag zwischen Deutschland und der Türkei. In „Von Osnabrück nach Osnabrück“ eröffnen Briefe Perspektiven auf das Leben in Osnabrück. „Zivilgesellschaftliches Engagement & Migrantische Selbstorganisation“ zeigt Osnabrück als eine Stadt langer Migrations- und Fluchtgeschichte, mit einer vielfältigen Bevölkerung, unterschiedlichen gesellschaftlichen, rechtlichen, politischen Möglichkeiten der Teilhabe. „Flucht, Asyl & Aktivismus in Osnabrück“ fasst zusammen, dass die Unterstützung für Geflüchtete und Asylsuchende in Osnabrück eine lange Geschichte hat.

Die Ausstellung ist ein Projekt der Museumslotsin Laura Hartmann. Für sie ist Museum immer auch dort, wo Menschen sind und Geschichten ihrer eigenen Lebenswelt schreiben. „Un.eindeutig Zuhause – Diverse Stadtgeschichten in Osnabrück“ erzählt eben diese, frei von jeder Musealität, an Orten ohne Eintrittszeiten und Hemmschwellen. Es sind Orte, die Begegnung und Austausch ermöglichen, auch ganz spontan.

Es geht um Wissen und Gefühle, um das Infragestellen von Gewohnheiten, um Stadt-Verstehen und Stadt-Veränderung – und um das Statement, dass Vielheit eine Herausforderung ist, die uns alle reicher werden lässt.

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Museumsquartier Osnabrück (MQ4) mit dem Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück. Sie wird gefördert von der Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte und der Stiftung Niedersachsen.


Detail-Informationen:


COMMON GROUND
A trip down memory lane

Wir sind internationale Studierende und zeigen Osnabrück, ein Ort an dem verschiedene Kulturen zusammenkommen, als unsere ‚gemeinsame Basis‘:Mit Fotos haben wir Gefühle und Bedeutungen eingefangen, die wir mit der Stadt verbinden.

An diesem für uns neuen Ort mit verschiedenen Kulturen sind wir auf unterschiedliche Gewohnheiten, Verhaltensweisen, Möglichkeiten und Sichtweisen gestoßen. Wir haben uns den Herausforderungen gestellt und dabei eigene Stärken entwickelt und entdeckt.

Wir wollen unseren Blick auf die Stadt zeigen. Für uns ist Migration ein wichtiger Teil der Gesellschaft.

Wir glauben, dass wir alle – neuangekommen oder alteingesessen – Die Stadt gestalten und verändern können. Dialog und Austausch helfen, um sich der Osnabrücker Vielheit bewusst zu werden. Damit neue Möglichkeiten entstehen und die Gemeinschaft bereichert wird.


Zivilgesellschaftliches Engagement & Migrantische Selbstorganisation

Osnabrück ist eine Stadt mit einer langen Migrations- und Fluchtgeschichte, mit einer vielfältigen Bevölkerung. Hier leben Menschen mit sehr unterschiedlichen Interessen und gesellschaftlichen, rechtlichen sowie politischen Möglichkeiten der Teilhabe. Daher spielen Menschen, die sich zivilgesellschaftlichengagieren und migrantische Selbstorganisationen eine wichtige Rolle: Sie setzen sich vor Ort selbstorganisiert und meistens ehrenamtlich für mehr Zugehörigkeit, Anerkennung und für die Interessen und Wünsche ihrer vielfältigen Gemeinschaften ein. Außerdem sind sie wichtig für die Vernetzung mit städtischen Institutionen.


Flucht, Asyl & Aktivismus in Osnabrück

In der Stadt Osnabrück haben sich für Geflüchtete und Asylsuchende die Zugänge zu Unterkünften oder Wohnungen, zum Arbeitsmarkt sowie zu anderen Bereichen der rechtlichen, politischen und gesellschaftlichen Teilhabe im Laufe der Zeit gewandelt.

Immer wieder sind sie für ihren Wunsch nach Arbeit, einer eigenen Wohnung oder einer Möglichkeit des Bleibens auf sich gestellt.

Ihre Unterstützung hat in Osnabrück eine lange Geschichte: Aktivist:innen aus Kirche, Gesellschaft und aus anderen Organisationen setzen sich seit langem immer wieder Asylsuchende und Geflüchtete ein.


4.
Mai 1973 – Wilder Streik bei Karmann

Gegenüber vom Hasepark befand sich bis 2009 das Werk des Fahrzeugbauers Karmann. Heute wird es von Volkswagen genutzt. Zu Beginn der 1970er Jahre beschäftigte Karmann 5.000 Menschen.

Viele davon waren Migrant:innen. Ihnen blieb für Heimatbesuche nur ihr Urlaub. Diesen wollte Karmann, wegen der guten Auftragslage, aber kürzen.

Daraufhin begann ein wilder Streik. Der Streik wurde nicht von der Gewerkschaft unterstützt.

Die Arbeiter:innen riefen sich gegenseitig zum Streik auf.Ihre Botschaften hefteten sie an die auf dem Fließband durchlaufenden Wagen.Wilde Streiks wie dieser haben dazu beigetragen, dass die Anliegen von Migrant:innen wahrgenommen wurden. Sie sind ein wichtiger Teil ihrer jahrzehntelangen Kämpfe um Gleichberechtigung.


Von Osnabrück nach Osnabrück

Hier siehst Du Ausschnitte aus Briefen, die unterschiedliche Perspektive auf das Leben in Osnabrück zeigen.

In den Briefen schreiben Menschen, denen nicht von allen gleichermaßen zugehört wird, über sich. Wir sammelten ihre persönlichen Briefe, um ihnen eine Stimme zu geben und nicht ÜBER sie zu sprechen.

Was bedeutet Ankommen für Dich?
Und was ‚Heimat‘?
Fühlst Du Dich in Osnabrück zuhause?
Du möchtest die Briefe lesen?
Du möchtest uns einen Brief schreiben?
Wir freuen uns, wenn unsere Sammlung größer wird.

Lebensrealitäten – Hayatın gerçekleri

Geschichten aus der Türkei und Deutschland

Was ist Dir wichtig? Was wünschst Du Dir für ein Zusammenleben?

Was hat Dich in deinem Leben geprägt? Osnabrücker Alltag zwischen Deutschland und der Türkei: Tauche ein in die Lebensgeschichten von acht Menschen.

Sie sprechen über Orte und Personen, die sie besonders geprägt haben.

Sie erzählen von den Auswirkungen politischer Umstände auf ihr Leben und

was sie sich für ein Zusammenleben wünschen. Durch verschiedene Gegenstände wie Fotos, Bücher und Wegbegleiter, geben sie Dir dabei einen persönlichen Einblick in ihre Lebensrealitäten.

Acht Menschen, acht Geschichten, - eine Stadt. 

 

Black Osnabrück

Frag Dich selbst:

Wie nimmst Du Osnabrück wahr?
Was würdest Du an Osnabrück verändern wollen?
Was hat Dich geprägt?
Fühlst Du Dich wohl in Osnabrück?

Wir haben zehn Schwarze Osnabrücker:innen interviewt.

Sie haben über ihre individuellen Lebensgeschichten, ihre Wahrnehmung der ‚Friedensstadt‘ und Zukunftsperspektiven für eine bessere Gesellschaft gesprochen.

Pressekontakt: Claudia Drecksträter | Öffentlichkeitsarbeit Museumquartier Osnabrück | Lotter Str. 1 | 49078 Osnabrück | Telefon 0541 323-4581 | E-Mail: dreckstraeter@osnabrueck.de


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Illustration: Iman Sarrami