Meldungsdatum: 06.09.2021
Museumsquartier Osnabrück:
Felix-Nussbaum-Haus:
Bis 14.11. Johanna Diehl „Taubes Geäst“
„Wer erinnert sich an Felix Nussbaum?“ titelte die Neue Osnabrücker Zeitung und rief 1971 dazu auf, Erzählungen, Begegnungen und Erinnerungen zu Felix Nussbaum zusammenzutragen, um den bis dato in der Geschichtsschreibung unsichtbaren Künstler ans Licht zu holen. Jahrelange Forschungen und engagiertes Zusammentragen von Informationen geben heute ein scheinbar klares Bild der Künstlerpersönlichkeit und seines Schaffens. Und doch bleibt vieles im Verborgenen.
Johanna Diehl (*1977) wendet in ihrer Ausstellung im Felix-Nussbaum-Haus des Museumsquartiers Osnabrück ihren Blick auf eben solche „Falten der Geschichte“ (Walter Benjamin). Ihre Suche gilt der Präsenz vergangener, zum Teil ausgelöschter Geschichte im Heute, ebenso wie generationsübergreifenden Traumata. Die vielfach ausgezeichnete Fotokünstlerin spürt dem Verborgenen und Übersehenen im kulturellen Gedächtnis nach. Sie interessiert sich für Formen des Überschreibens von Erinnerung und für die Anwesenheit von Abwesendem. Anhand ihrer Fotografien von architektonischen Räumen und mithilfe privater und kollektiver Archive betrachtet Diehl die Identität eines heutigen Europas.
Für die Ausstellungsreihe „Gegenwärtig“ im Felix-Nussbaum-Haus dringt Johanna Diehl tief in das Leben und Werk Felix Nussbaums ein. Die international renommierte Fotokünstlerin begibt sich auf Nussbaums Spuren während des Exils und der Flucht und untersucht, in welcher Gestalt sein vom Widerstand geprägtes Werk heute noch präsent ist. In seinen Gemälden interessiert sich Diehl dabei für die Dinge, die sich außerhalb des Bildzentrums, am Rand, gewissermaßen in den „Falten“ des Bildes befinden. In ihren für die Ausstellung entstandenen fotografischen und filmischen Arbeiten konzentriert sich die Künstlerin unter anderem auf die gestutzten Bäume aus Nussbaums Werk, die symbolisch mitunter für das frühzeitig Um-die-eigene-Existenz-gebracht-werden stehen. „Oft im Hintergrund, scheinen die gestutzten, verkürzten, eingegangenen und gekrümmten Hölzer von den ungeheuren Vorgängen einer Welt im Krieg und von existentieller Bedrohung zu erzählen“ (Johanna Diehl). Auch richtet Diehl ihren Blick auf die beschädigten Musikinstrumente in seinen Bildern, wie Lauten und Geigen, und beschäftigt sich mit der darin spürbaren Vorahnung des Verlusts des Lebens und des Zerfalls Europas. Darüber hinaus hat Johanna Diehl in Zusammenarbeit mit dem Künstler und Konzertschlagzeuger Raphael Sbrzesny zwei Filmarbeiten realisiert, in denen der renommierte Lauten-Virtuose Joachim Held Fragmente einer Partitur aus Nussbaums Malerei aufführt, und Raphael Sbrzesny eine raumgreifende Installation aus Bäumen und Zweigen zum Klingen bringt. In den eigens für die Ausstellung „Taubes Geäst“ entstandenen Arbeiten tritt die geheimnisvolle Symbolik Nussbaums auf diese Weise neu in den Vordergrund. Mit einer großen Sensibilität den Blick zu richten auf das, was nicht im Fokus steht, charakterisiert Diehls künstlerisches Vorgehen. Hier, in den Zwischenräumen, sucht sie das Eigentliche unter Bezugnahme auf Walter Benjamins Passagenwerk: „In den Falten der Geschichte befindet sich das Eigentliche, im Subjektiven, Alltäglichen, also in dem Nicht-in-den-offiziellen-Geschichtsbüchern-Verzeichneten“ (Johanna Diehl).
Johanna Diehl (geb. 1977 in Hamburg) lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte Fotografie und Bildende Kunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Prof. Timm Rautert, Boris Mikhailov und als Meisterschülerin bei Prof. Tina Bara sowie an der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris bei Christian Boltanski und Jean-Marc Bustamante.
Ihre Arbeiten werden in nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt und befinden sich unter anderem in der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland, der Stiftung für Fotografie und Kunstwissenschaft Ann und Jürgen Wilde, der DZ Bank Kunstsammlung und in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne, München.
Johanna Diehl erhielt zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt vom Hauptstadtkulturfonds, das Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds, Bonn, der Akademie Schloss Solitude, Stuttgart, der Konrad-Adenauer-Stiftung (EHF) und der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo (Casa Baldi).
Seit März 2019 ist Diehl Professorin für Fotografie an der Fakultät Gestaltung der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Würzburg.
Ausstellungen (Auswahl): Haus am Waldsee, Berlin; Pinakothek der Moderne, München; Haus der Photographie, Hamburg; Bucerius Kunstforum, Hamburg; ZKM, Karlsruhe; Bundekunsthalle Bonn u.a.
Preise und Stipendien (Auswahl): Kunstfonds Bonn, Casa Baldi / Deutsche Akademie Rom Villa Massimo, Akademie Schloss Solitude
Publikationen (Auswahl): In den Falten das Eigentliche, Verlag der Buchhandlung Walther König; Ukraine Series, Sieveking Verlag; Borgo, Romanità, Alleanza, Hatje Cantz Verlag (Deutscher Fotobuchpreis Silber)
Kulturgeschichtliches Museum:
Bis 06.03. 2. Deutscher Friedenspreis für Fotografie /5. Felix Schoeller Photo Award, Nachwuchsförderpreis
Museumsquartier Osnabrück
Am 26. August 2021 wählte die Jury fünf Arbeiten aus den nahezu 400 Einreichungen und nominierte sie für den „Deutschen Friedenspreis für Fotografie”. Der Preis wird gemeinsam von der Stadt Osnabrück und dem ortsansässigen Spezialpapierhersteller Felix Schoeller Group vergeben. Die Sieger:in wird erst zur Preisverleihung am 2. Oktober 2021 bekanntgegeben und erhält ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro. Anschließend wird am 3. Oktober die Ausstellung im Museumsquartier Osnabrück eröffnet, in der die Arbeiten bis zum 6. März 2022 zu sehen sein werden.
Der von der Stadt Osnabrück und der Felix Schoeller Group initiierte Friedenspreis würdigt und fördert internationale, professionelle Fotograf:innen, deren Bilder Bemühungen um eine friedliche Welt widerspiegeln. Der Preis geht an Fotografen, die den Gedanken, dass unsere Zukunft im friedlichen Zusammenleben liegt, am besten zum Ausdruck bringen. Der Preis macht Hoffnung auf die positiven Möglichkeiten der Menschheit.
Der „Deutsche Friedenspreis für Fotografie“ ist dabei offen für viele fotografische Genres. Journalistische Arbeiten können ebenso eingereicht werden wie solche aus der Porträt-, Architektur- oder Natur- und Landschaftsfotografie oder aus dem freikonzeptionellen Bereich. Der Preis bettet sich ein in das Selbstverständnis der Stadt Osnabrück als „Friedensstadt“, erwachsen aus ihrer Geschichte als einer der Verhandlungsorte des Westfälischen Friedens von 1648, und gesellt sich zum ebenfalls in Osnabrück vergebenen Erich-Maria-Remarque Friedenspreis für Kunst, Wissenschaft und Journalismus.
Fotos, auf denen es um den Frieden geht, gibt es viele. Und nicht alle von ihnen haben mit einem Frieden zu tun, der das Gegenteil ist von einem Krieg. Frieden hat viele Gesichter. Man kann ihn ökologisch deuten, oder kulturell, oder familiär. Man kann ihn mit Geschlechterrrollen verbinden, oder mit dem Lebensalter, oder mit dem Betrieb, der das Gehalt bezahlt. Er betrifft jeden Einzelnen von uns, und er betrifft die Menschheit als Ganzes.
Diese Vielfalt zeigt der „Deutsche Friedenspreis für Fotografie“. Am 2. Oktober 2021 wird er, dotiert mit 10.000 Euro, im Rahmen des Felix Schoeller Photo Award im Museumsquartier Osnabrück verliehen. 2019 ging die Erstverleihung an Johanna Maria Fritz, Berlin.
Für den „Deutschen Friedenspreis für Fotografie“ wurden nominiert:
Antonio Aragon Renuncio, Spanien, – ‚I wanna be Messi‘
Reto Klar, Deutschland, – ‚Life between home and hell: Refugees in Camp Moria on Lesbos’
Ako Salemi, Iran, – ‚Afghanistan: The Color Awakens’
Emeke Obanor, Nigeria, – ‚Heroes’
Hamed Sodachi, Iran, – ‚Sunrise’
Der Deutsche Friedenspreis für Fotografie wurde im Rahmen des internationalen Felix Schoeller Photo Award für die beste Nachwuchsarbeit 2021 ausgeschrieben. Mit nahezu 400 Einreichungen hat sich die Resonanz auf den Deutschen Friedenspreis für Fotografie in diesem Jahr gegenüber 2019 nahezu verdoppelt. Die Anzahl der Länder, aus denen die Beiträge stammen, hat sich von 42 auf 95 erhöht. Angeführt wird die Liste von Einreichungen aus Deutschland, gefolgt von solchen aus Russland, dem Iran und Indien. Aber auch Brasilien, Bangladesch, Italien, Frankreich, Großbritannien und die USA gehören zu den Ländern, aus denen Fotoserien vorliegen.
Thematisch drehen sich viele Arbeiten um die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Darüber hinaus wurden aber auch fotografische Arbeiten eingereicht, die sich mit den Folgen des Klimawandels, dem Frieden zwischen Lebensentwürfen oder mit Flüchtlingskrisen beschäftigen. Menschen sind zu sehen, die in Trümmern nach Brauchbarem suchen, die davon träumen gehen zu können, die in Afghanistan auf eine bessere Zukunft hoffen.
Um sich allein auf die Werke und die dahinterstehenden Konzepte konzentrieren zu können, sind der fünfköpfigen Jury weder die Namen noch die Nationalität der Fotograf:innen bekannt. Neben Nils-Arne Kässens, dem Direktor des Museumsquartiers Osnabrück, gehören der Jury die Galeristin Clara Maria Sels an, Simone Klein von der Deutschen Gesellschaft für Photographie, der Osnabrücker Friedensforscher Ulrich Schneckener, Professor für Internationale Beziehungen & Friedens- und Konfliktforschung, Universität Osnabrück. Vorsitzender der Jury ist der international renommierte Porträtfotograf Michael Dannenmann.
Das MQ4 zeigt ab dem 3. Oktober 2021 bis zum 3. März 2022 in einer Ausstellung neben der Siegerarbeit auch die Fotos aller nominierten Fotograf:innen. In der Ausstellung ebenfalls zu sehen ist der Preisträger sowie die Nominierten für die Kategorie „Beste Nachwuchsarbeit” des Felix Schoeller Photo Award. Dieser Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.
Die Nominierten sind veröffentlicht unter https://www.felix-schoeller-photoaward.com/winner/award-2021
Stadtgeschichte Osnabrück: Stadtspuren
Die neue Dauerausstellung beleuchtet die Geschichte der Friedensstadt Osnabrück seit dem 8. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Einzelne Exponate aus der umfangreichen Sammlung des Kulturgeschichtlichen Museums repräsentieren in sechs Themenfeldern die Meilensteine der Stadtgeschichte. So wird die städtebauliche, politische, religiöse, kulturelle, soziale und wirtschaftliche Historie unter verschiedenen Blickwinkeln erforscht. Dabei wird auch deutlich, dass lokale Geschichte immer auch den allgemeinen historischen Entwicklungen unterliegt. Daneben wird auch das ganz Eigene der Osnabrücker und ihrer Geschichte deutlich. Sieben Zeitgenossen wie zu Beispiel Justus Möser und Alwine Wellmann schaffen mit ihren Geschichten einen lebendigen Erzählstrang. Ein riesiges 3D-Stadtmodell, dass mithilfe von Projektionen verschiedene Szenarien der Stadtentwicklung darstellen kann, macht die Ausstellung zu einem interaktiven Erlebnis. Im „Stadtmodell der Zukunft“ sind Besucher:innen aufgefordert, an einer Version eines Osnabrücks von morgen zu arbeiten. In den umfangreichen Begleitprogrammen wird Stadtgeschichte hautnah erlebbar, die Osnabrücker Stadtgesellschaft wird damit in unterschiedlichen Projekten aktiv die Ausstellung eingebunden. Alle Osnabrücker Bürger:innen können auf diese Weise aktiv an der Erschließung ihrer eigenen Geschichte mitarbeiten und damit das Verständnis für Differenzen und Gemeinsamkeiten fördern. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zu einer offenen und friedvollen Stadtgesellschaft.
Lotter Str. 2, 49078 Osnabrück, Tel. 0541/323-2207
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11 - 18 Uhr, Samstag/Sonntag 10 - 18 Uhr.
Kunsthalle Osnabrück:
Bis 20.02. Barrierefreiheit
Corona hat aktuell auch diejenigen, die sich aufgrund ihrer Privilegien in Sicherheit wähnten, gezeigt, wie fragil, temporär und existentiell die eigene Gesundheit und der ökonomische Status Quo ist. Das Gefühl, sich in seinem Körper ungefragt sicher zu fühlen, wurde relativ plötzlich und von scheinbar unsichtbarer Kraft auf den Prüfstand gestellt. Gleichzeitig trifft dieses Gefühl vor allem auf diejenigen zu, die vormals ihre eigene Körperlichkeit nicht als begrenzt wahrgenommen haben, weil sie der in der westlichen Welt herrschenden Norm nach als gesund, fit, aktiv, selbstständig, stark und leistungsfähig gelten. Alles Adjektive, die die Pandemie außer Kraft gesetzt hat. Allerdings sind diese als „schwach“ konnotierten Begriffe marginalisierter Alltag vieler Menschen in unserer Gesellschaft. Corona hat das Armuts-, Gesundheits- und Ausgrenzungsrisiko für Menschen mit Beeinträchtigungen, physisch oder psychisch Erkrankte, Geflüchtete, prekär lebende Menschen, alte Menschen, queere Personen und Frauen noch verstärkt.
Gesund zu sein und zu funktionieren ist Norm und Notwendigkeit in unserer Gesellschaft. Alles was davon abweicht, wird als speziell oder kompliziert wahrgenommen. Der Begriff „Ableism“ bezeichnet die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen und verweist gleichbedeutend wie Rassismus oder die Marginalisierung von Sexualität und Geschlecht auf die Bewertung, den Ausschluss und die Unterdrückung von als »anders« konnotierten Körpern. Medikamentierung oder Pädagogisierung einer Abweichung von der Norm werden nach wie vor mehr als Notwendigkeit der Eingliederung verstanden und die Chance einer neuen Kommunikation, Gestaltung und Wahrnehmung tritt eher in den Hintergrund.
Künstler:innen, Kulturproduzent:innen oder Aktivist:innen einer kritischen Gesundheitsbewegung arbeiten daran, neue Räume dauerhafter Gemeinschaft zu kreieren, in denen herkömmliche, meist auf weißen, männlichen Probanden beruhende Medizin, Therapie und Bildung hinterfragt werden können. Kultureinrichtungen haben die Chance, von deren Auseinandersetzungen zu lernen, um alternative Wissensformen in die eigenen Strukturen zu institutionalisieren.
Anlässlich dieser drängenden Belange, stellt die Kunsthalle Osnabrück bis Februar 2022 im Rahmen ihres Ausstellungs- und Vermittlungsprogramms „Barrierefreiheit“ gesellschaftliche Teilhabe- und Ausgrenzungsmechanismen inhaltlich, strukturell und ästhetisch mit den eingeladenen Künstler:innen und internationalen Kooperationspartner:innen zur Diskussion.
Barrierefreiheit – als technische und bauliche Auflage öffentlicher Institutionen – soll aus seinem in der Öffentlichkeit sehr bürokratisch wahrgenommenen Charakter herausgelöst werden, um Bedeutung und Relevanz des Begriffs im Kontext der Kulturproduktion und ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zu reflektieren.
Kooperationspartner:innen u.a.:
Shedhalle Zürich
Yolande Zoli Zola van der Heide,
Van Abbemuseum Eindhoven
Inga Zimprich, Feministische Gesundheitsrecherchegruppe Berlin
Theaterwerkstatt Bethel, Bielefeld
Simon Niemann, Universität Hildesheim
Laura Hartmann, Museumsquartier Osnabrück
Das Ausstellungs- und Vermittlungsprogramm der Kunsthalle Osnabrück wird gefördert durch: Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur,
Sievert Stiftung, VGH Stiftung, Freunde der Kunsthalle Osnabrück.
Die Blaue Distanz
Multisensorischer Filmraum, mit zwei kuratorischen Programmen von Inga Zimprich und Yolande Zola Zoli van der Heide
Bis 20. Februar
Über acht Monate wird der Neubau der Kunsthalle in einen multisensorischen Filmraum umgebaut werden. Gemeinsam mit dem Künstler:innenduo die Blaue Distanz (Anna Erdmann und Franziska Goralski, DE) sollen anhand des Kinos Fragen nach barrierefreiem Ausstellen und verschiedenen Bedürfnissen individueller Wahrnehmung im Kontext gemeinschaftlichen Erlebens neu erprobt werden. Neben geltenden Standards baulicher Vorgaben zur Barrierefreiheit wird der Raum bisher weniger beachtete Möglichkeiten unterschiedlicher physischer Erfahrungen auf auditiver, visueller oder taktiler Ebene künstlerisch kommentiert zusammenbringen.
Während der Ausstellungslaufzeit werden zwei sich abwechselnde Filmprogramme mit verschiedenen Videoarbeiten zum Thema intersektionale Diskriminierung gezeigt werden, die von den zwei Gastkuratorinnen Inga Zimprich (Feministische Gesundheitsrecherchegruppe, DE) und Yolande Zola Zoli van der Heide (Van Abbemuseum Eindhoven, NL) zusammengestellt werden.
Die Blaue Distanz (DE) sind Anna Erdmann und Franziska Goralski, die seit 2016 als Duo zusammenarbeiten. In ihrer künstlerischen Arbeit interessieren sie sich für queere Lebens- und Lernformen. Beide studierten von 2018-2020 den post-gradualen Masterstudiengang „The Commoners' Society“ am Sandberg-Instituut in Amsterdam. Ihre Arbeiten wurden zuletzt unter anderem im HAU Hebbel am Ufer, Berlin (2020), im Festspielhaus Hellerau (2019) und bei Cities of Days, Los Angeles (2018) gezeigt.
Yolande Zola Zoli van der Heide (NL) ist Ausstellungskuratorin am Van Abbemuseum. Ihr Interesse gilt verschiedenen, sich überschneidenden institutionellen, trans-lokalen, feministischen, queeren und intersektionalen Perspektiven und Methoden. Zuvor war sie stellvertretende Direktorin und Kuratorin am Casco Art Institute (NL). Sie ist Mitherausgeberin mehrerer Bücher, darunter »Unlearning Exercises: Art Organisations as Sites for Unlearning« (2018).
Inga Zimprich (DE) ist Kulturarbeiterin, Mutter und arbeitet als Care-Assistentin in Berlin. Sie studierte an der Gerrit Rietveld Academie Amsterdam, und der Jan van Eyck Academie Maastricht, sowie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Sie initiierte gemeinsam mit Julia Bonn die Feministische Gesundheitsrecherchegruppe in Berlin, die alternative Versorgungsmodelle und -methoden erforscht und Ausstellungen, Zines und Workshops konzipiert. Zudem ist sie Teil der Sickness Affinity Group.
Slavs and Tatars
Einzelausstellung im öffentlichen Raum
Ende noch nicht terminiert
Die Kunsthalle Osnabrück freut sich zum Auftakt des Ausstellungs- und Vermittlungsprogramms „Barrierefreiheit“ auch das erste temporäre Großprojekt im öffentlichen Raum präsentieren zu dürfen, das von dem Künstler:innen-Kollektiv Slavs und Tatars spezifisch für die Stadt entwickelt wird. Die ausgedehnten Forschungsphasen der Künstler:innen lassen ein Ökosystem von Installationen, Skulpturen, Vorträgen und Publikationen entstehen, die unser Verständnis von Sprache, Ritual und Identität in Frage stellen. Durchdrungen von Humor und einer Großzügigkeit des Geistes, vermischen sich in ihren Arbeiten häufig visuelle Strategien aus der Popkultur mit esoterischen Traditionen, mündliche Rituale mit wissenschaftlicher Analyse auf eine Art und Weise, die neue Wege für einen zeitgenössischen Diskurs eröffnet. Slavs and Tatars sind eingeladen ihre eigenen Forschungsinhalte zu der Geschichte und Gegenwart der Stadt Osnabrück in Bezug zu setzen und weiterzuentwickeln.
Neben Teilnahmen an zahlreichen Gruppenausstellungen und Biennalen wie die 33rd Ljubljana Biennial of Graphic Arts (2019 – kuratiert von Slavs and Tatars), Berlin Biennale, Manifesta oder Venedig Biennale (alle 2014) wurden seit 2008 die Werke von Slavs and Tatars (2006 gegründet in Eurasien) in zahlreichen Einzelausstellungen gezeigt, u. a. OP ENHEIM, Wrocław, Aspen Gallery, Almaty, (beide 2020), Y Gallery, Minsk, Sugar Contemporary, Toronto (beide 2019), Albertinum, Dresden, Kulturhuset Stockholm, Westfälischer Kunstverein (alle 2018), SALT Galata, Istanbul, Contemporary Art Center, Vilnius, Pejman Foundation, Tehran (alle 2017).
Candice Lin
Einzelausstellung
06. November – 20. Februar
Candice Lin ist eine interdisziplinär arbeitende Künstlerin, die die Medien Text, Skulptur, Zeichnung, Keramik und Video gleichwertig zusammenführt. Oftmals schließen ihre komplexen Installationen organische Materie oder Prozesse wie Bakterien, Schimmel, Fermentierung oder Verwesung mit ein. Die entstehenden skulpturalen Raumbilder, die Lin stets ortsbezogen entwickelt, beschäftigen sich mit den kolonialgeschichtlichen Kontexten von heute, insbesondere von global vertriebenen Waren wie Gewürze, Rohstoffe oder Drogen, die sich erst durch Sklaverei, Ausbeutung und Protektionismus weltweit etablieren konnten. Die ungleichen Machtverhältnisse, die an globaler Vernetzung und patriarchalen Strukturen geknüpft sind und wie diese sich auf unsere Körperbilder auswirken sind immer wieder Themen ihrer Arbeiten.
Anlässlich des Ausstellungs- und Vermittlungsprogramms Barrierefreiheit wird sie für die Kirche der Kunsthalle eine neue Installation konzipieren.
Candice Lin (US), lebt und arbeitet in Los Angeles. Im Jahr 2018 wurde sie an die Kunst-Fakultät der University of California Los Angeles berufen. Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen gehören: Ludlow, New York (2019), Portikus, Frankfurt am Main, Logan Center for the Arts, University of Chicago (beide 2018), Bétonsalon, Paris (2017) und Gasworks, London (2016). Lin war in jüngster Zeit an prominenten Gruppenausstellungen beteiligt, darunter die Made in LA Biennale (2018), die Biennale von Taipeh (2018) und die kommende Gwangju Biennale in Seoul und die Prospect 5 Biennale (beide 2021).
Katrin Mayer
Einzelausstellung
06. November – 20. Februar
Katrin Mayer verfolgt eine sehr forschungsintensive künstlerische Praxis, die sich in räumlich-installativen Arbeiten manifestiert, die eine Mischung aus skulpturalen Momenten, Displaystrukturen und Handlungsanweisungen darstellen. Für ihre ortsbezogenen Werke widmet sie sich stets den lokalen Geschichten, um anhand von Architektur, Interieurs oder Texturen, die Historizität eines Ortes in der Gegenwart zu reflektieren und zu hinterfragen. Es entstehen inhaltliche Verknüpfungen, welche die Lesarten der jeweiligen Orte kritisch kommentieren und für neue Vorstellungen einer alternativen Geschichtsschreibung öffnen.
Für die Kunsthalle Osnabrück wird sie einen Parcours entwickeln, der im Hof und dem umliegenden Gang der Kunsthalle Fragen nach den Barrieren von (Kunst-)Institutionen aufzeigt und damit Raum bietet, Notwendigkeiten der Zugänglichkeit und Teilhabe im Kontext der Kunsthalle gemeinsam neu zu verhandeln.
Katrin Mayer (DE) lebt und arbeitet in Düsseldorf und Berlin. Neben ihrer künstlerischen Praxis promoviert sie derzeit Stipendiatin des Berliner Förderprogramms Künstlerische Forschung/gkfd zum Themenkomplex Feminismus und Display. Zuletzt stellte sie in folgenden renommierten Institutionen aus: im Lenbachhaus München (2020), in der Kunstsammlung NRW Düsseldorf (2020), auf der Biennale Warschau (2019), im Badischen Kunstverein Karlsruhe (2018), im Kunstverein Hamburg und dem Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen in Düsseldorf (beide 2017). Katrin Mayer hat an verschiedenen Institutionen unterrichtet, unter anderem an der ZHdK Zürich, an der HfbK Hamburg und an der Universität Köln.
Hasemauer 1, 49074 Osnabrück, Tel. 0541/323-2190
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 - 18 Uhr
Erich Maria Remarque-Friedenszentrum:
Bis 23.01. Einsatz für die Menschenrechte – Plakatausstellung von Amnesty International
Seit der Gründung von Amnesty International 1961 engagieren sich deren Mitglieder weltweit für die Einhaltung der Menschenrechte. Eine wesentliche Grundlage ihrer Arbeit bildet die am 10. Dezember 1948 von der UN-Vollversammlung verabschiedete Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Trotz jahrzehntelanger Aufklärungstätigkeit gibt es nach wie vor international in zahlreichen Ländern Menschenrechtsverletzungen verschiedenster Art. Die Plakatausstellung thematisiert u.a. den Schutz von Flüchtlingen, Frauenrechte, Kindersoldaten, Rassismus und „moderne“ Sklaverei.
Die Ausstellung wird in Kooperation mit der Osnabrücker Regionalgruppe von Amnesty International im Erich Maria Remarque-Friedenszentrum gezeigt.
Markt 6, 49074 Osnabrück, Tel. 0541/323-2109
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10–17 Uhr, Samstag und Sonntag: 11–17 Uhr
Museum am Schölerberg - Natur und Umwelt - :
Wegen Umbauarbeiten geschlossen.
Klaus-Strick-Weg 10, 49082 Osnabrück, Tel. 0541/323-7000
Öffnungszeiten: Dienstag 9 - 20 Uhr, Mittwoch bis Freitag 9 - 18 Uhr, Samstag 14 - 18 Uhr und Sonntag 10 - 18 Uhr
Sämtliche Texte und Fotos können unter Angabe der Quelle frei veröffentlicht werden, Belegexemplare sind willkommen.
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