Bocholt, 09. Oktober 2000
Bürgermeister Klaus Ehling besucht Kirchweihfest
Bocholt (pd).
Bocholts Bürgermeister Klaus Ehling besucht am Sonntag, 15.10.2000, das Kirchweihfest der Bocholter Urpfarre St. Georg. Am dritten Sonntag im Oktober feiert die Bocholter St.-Georg-Gemeinde traditionell ihr Kirchweihfest, das seit alters her mit der Bocholter Kirmes verbunden ist.
Das Kirchweihfest beginnt um 9.30 Uhr mit einem feierlichen Hochamt in der St. Georgs-Kirche. Dabei bringen vor der Gabenbereitung Vertreterinnen und Vertreter von Stadt und Kirche das Kerzenopfer vor dem Wallfahrtskreuz dar: für die Bürgerschaft Bürgermeister Klaus Ehling und für die Kirchengemeinde die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Angelica Rems, und der stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Heinz Steldermann.
Im Anschluß an die Meßfeier sind alle eingeladen zum Kirmesempfang im Pfarrheim St. Georg neben der Kirche. Dr. Udo Grote, Leiter der Gruppe "Kunstpflege" im Bischöflichen Generalvikariat Münster, hält einen Vortrag zum Thema: "Der Kampf um die Hose - ein mittelalterliches Bildthema bei Israhel van Meckenem". Im Anchluss daran halten Bürgermeister Klaus Ehling, Pfarrer Christoph Bevers von der evangelischen Kirchengemeinde (Bonhoefferhaus) und Pfarrer Hans-Rudolf Gehrmann von St. Georg ein Grußwort. Darüber hinaus liest ein Mitglied vom Plattdütsen Kring im Verein für Heimatpflege e.V. Bocholt die Geschichte "Kermiss" von Egon Reiche vor.
Geschichte der Bocholter Kirmes
Im Jahre 1415 begann die Bürgerschaft der Stadt Bocholt mit dem Bau der gotischen St.-Georg-Kirche. Ein alter Stein über der Sakristeitür gegenüber dem Tabernakel im Altarraum belegt dies Datum. 1486 wurde der Turm fertiggestellt und die St.-Georg-Kirche feierlich eingeweiht. Nach dem Einweihungsgottesdienst fand wahrscheinlich um die Kirche herum ein Volksfest für die Kirchenbesucherinnen und -besucher statt. Mit der Zeit kamen immer mehr Händler, Seiltänzer, Feuerschlucker und Zauberer zum jährlichen Kirchweihfest in die Stadt.
Für die Zeit um das Jahr 1885 ist das erste Karussell in Bocholt nachgewiesen. Es wurde mit Petroleumlampen beleuchtet und von einem Pferd gezogen. Um 1900 wurden die meisten Fahrgeschäfte mit einer Dampfmaschine angetrieben.
Das Wort "Kirmes" kommt vom Wort "Kirchweihfest". Aber wohl die wenigsten in Bocholt wissen, daß "Kirmes" mit dem Kirchweihfest von St. Georg zusammenhängt!
Die Geschichte des Bocholter Kreuzes
Das Bocholter Kreuz in der Georgskirche stammt aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts. Dies erbrachten Untersuchungen des Landesdenkmalamts Münster in den 60er Jahren im Zusammenhang mit der Restaurierung des Kreuzes. Eine eckige Tafel unter dem Kreuz sagt aus, daß 1315 das Kreuz wundersam geblutet hat. Das Kreuz hat die Form eines großen Ypsilons. Das Y ist ein Abkürzungszeichen der Germanen für das Wort "Leben" gewesen. Die tote Jesusfigur hängt also an einem Lebensbaum, dem Symbol der Auferstehung. An den Kreuzesbalken sieht man deshalb Astansätze. Wegen der Form nennt man dies Kreuz auch Gabelkreuz. Im 15.-17. Jh. kam es zu Kreuztrachten der Bocholter Bürger und des Umlandes. Im 18.Jh. kamen auch Pilgergruppen aus dem Gelderland hinzu. Traditionell ziehen Gläubige aus den Bocholter Ortschaften Biemenhorst, Hemden, Hohenhorst, Holtwick, Liedern, Lowick, Mussum, Spork und Stenern jährlich zum Bocholter Kreuz in St. Georg. Seit 1997, dem Jubiläumsjahr "775 Jahre Stadt Bocholt" , findet gemeinsam am Sonntag nach dem Fest "Kreuzerhöhung" (14.September) eine Sternwallfahrt zur Altstadtkirche statt. Abschluß der jährlichen Wallfahrten ist jeweils das Kerzenopfer der Stadt Bocholt und der Kirchengemeinde St. Georg am Kirchweihfest von St. Georg, dem dritten Oktobersonntag.
Der Kirmesempfang
Seit 1986 wird regelmäßig nach dem Festhochamt zum Kirchweihfest der Kirmesempfang im damals neuerstellten Pfarrheim St. Georg organisiert. Die Anfänge dieses Empfangs gehen auf Egon Schmitt zurück, der 1963-1979 Pfarrer in St. Georg und 1965-1971 auch Dechant für das Dekanat Bocholt war. Der Bocholter Kirchenkalender 1968 vermerkt auf S. 43: "Die Kreuzprozessionen und Kerzenopfer aus den umliegenden Orten endeten am Kirchweihfest 1966 mit einer Teilnahme der Behörden von Stadt und Land am Gottesdienst und einem Empfang im schönen Pfarrheim von Liebfrauen." Weitere Kirmesempfänge fanden z.B. im Kolpinghaus, im Hospiz am Ostermarkt und in der Familienbildungsstätte statt.
Zum Festhochamt und anschließendem Kirmesempfang sind der Bürgermeister, die Stadtverordneten, Repräsentantinnen und Repräsentaten des öffentlichen Lebens, der Gesellschaft und Politik, der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden der Stadt Bocholt, ihre Seelsorgerinnen und Seelsorger, Vertreterinnen und Vertreter aller Gremien und Gruppen aus St. Georg und die Mitglieder geistlicher Korporationen eingeladen. Aber auch die ganze Bevölkerung ist herzlich willkommen.Im Zentrum des Kirmesempfangs der Kirchengemeinde St. Georg steht eine Festrede zu aktuellen kirchlichen Themen, z.B. zum Diözesanforum oder zur Krankenseelsorge und Sterbebegleitung.