Meldungsdatum: 24.11.2021

Lebenswertes Braunschweig - Entwicklungsperspektiven für eine attraktive Stadt

Altenhilfe- und Pflegeplanung bis 2035 liegt vor

Die Stadt Braunschweig hat die Altenhilfeplanung neu aufgesetzt und um eine Pflegeplanung ergänzt. Das Ergebnis liegt unter dem Titel „Lebenswertes Braunschweig: Altenhilfe- und Pflegeplanung 2020 - 2035, Entwicklungsperspektiven für eine attraktive Stadt“ jetzt vor und wird dem Ausschuss für Soziales und Gesundheit und der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

„Das grundsätzliche Ziel lautet: Braunschweig soll eine attraktive, lebenswerte Stadt für alle Menschen sein – insbesondere auch für die hier lebenden Seniorinnen und Senioren“, sagt Sozialdezernentin Dr. Christine Arbogast. „Dieses Versprechen erfüllt unsere Stadt schon jetzt in weiten Teilen.“ Braunschweig sei, so die von der beauftragten Agentur xit GmbH befragten Seniorinnen und Senioren, eine „äußerst lebenswerte Stadt“, u. a. durch die Vielzahl an Freizeiteinrichtungen und Grün­anlagen und durch die große kulturelle Vielfalt.

 „Alles, was vor der stationären Pflege stattfindet, muss ausgebaut werden“, fasst Dr. Arbogast die zentralen Punkte der Altenhilfe- und Pflegeplanung zusammen. „Darin wird die wesentliche Herausforderung und eine der zentralen Aufgaben liegen.“

Die gemeinsam mit verschiedenen Akteurinnen und Akteuren entwickelten Ziele und Maßnahmen sind für die kommenden fünfzehn Jahre ausgerichtet. Sie sollen regelmäßig überprüft, angepasst und weiterentwickelt werden.

Zukünftig wird es mehr ältere Menschen mit diversen Lebensstilen und -entwürfen geben. Dazu zählen u. a. LSBTI* und Menschen mit Migrationshintergrund. Zu erwarten sind eine zunehmende Altersarmut, besonders bei alleinlebenden Frauen. Gleichzeitig wird es zu einer Abnahme von Unter­stützung durch die eigene Familie und zu stärkerer Belastung pflegender Angehöriger durch die doppelte Rolle von Pflege und Erwerbstätigkeit kommen. Auch gibt es zunehmend mehr Menschen mit Demenz, die spezielle Versorgungsformen und Angebote benötigen. Die Analysen zeigen, dass ein hoher Bedarf an professionellen und vielfältigen Pflege- und Unterstützungsangeboten besteht.

Aktuelle soziodemografische Situation und Prognose

Im Jahr 2019 wies die Statistik für Braunschweig insgesamt 251.551 Einwohnerinnen und Einwohner aus, davon gut ein Fünftel älter als 65 Jahre (52.482). Der Anteil der älteren Bevölkerung variiert zwischen den einzelnen Stadtteilen zwischen 15,7 Prozent im Öst­lichen Ringgebiet und 25,8 Prozent in Hondelage/Volkmarode erheb­lich.

Bis zum Jahr 2035 wird ein Bevölkerungswachstum von ca. 1,3 Prozent auf 254.772 Bürgerinnen und Bürgern (nach Berechnungen des Referats für Stadtforschung) vorausgesagt. Dabei wird die Anzahl der über 65-Jährigen um etwas mehr als 4.800 auf rund 57.300 Personen (9,2 Prozent) steigen. Entsprechend wird die Zahl der Pflege­bedürftigen um mehr als 1.000 Personen auf 12.467 in 2035 ansteigen.

„Braunschweig zeichnet sich aktuell durch eine vielfältige Versorgungslandschaft aus. Perspektivisch werden allerdings zusätzliche Kräfte im Bereich der Pflege erforderlich sein“, hebt Rainer Schubert, Leiter des Sozialreferats, hervor. In Abhängigkeit der Entwicklung der zukünftigen Pflegeangebote könnten geschätzt zwischen zusätzlichen 156 und 701 Voll­zeitkräften notwendig sein. „Allein diese Berechnung zeigt, dass große Anstrengungen auch für mehr Attraktivität und bessere Rahmenbedingungen des Pflegeberufs notwendig sein werden“, sagt Schubert. Ein wichtiges Anliegen sei es, pflegende Angehörige zu unter­stützen und zu entlasten und gleichzeitig die ambulante Pflege zu stärken. Besondere Schlaglichter aus dem Beteiligungsprozess der Altenhilfeplanung seien zudem Aussagen wie „Es gibt nichts, was es in Braunschweig nicht gibt – man muss es nur finden“ oder „Wir brauchen mehr Dorf in der Stadt“. Es gelte, dies für die zukünftigen Maßnahmen zu berücksichtigen.

Basierend auf dem aktuellen Forschungsstand und den in über 30 Jahren Altenhilfeplanung in Braunschweig entwickelten Strukturen wurden neun Handlungsfelder und drei Quer­schnittsthemen als Oberthemen identifiziert, an denen sich der Bericht orientiert und diese immer wieder in Bezug nimmt. Die Handlungsfelder: Infrastruktur in der Stadt,  Beratung und Information, Gesundheitsprävention, Gesellschaftliche Teilhabe, Wohnen und Leben zu Hause, Bürgerschaftliches Engagement, Unterstützung im Alltag,  Betreuung und Pflege sowie Hospiz und Palliativvorsorge. Die Querschnittsthemen: Besondere Zielgruppen, Digitalisierung, Steuerung und Vernetzung. 

„Folgendes sind die zentralen Ziele der Altenhilfe- und Pflegeplanung“, fasst Sozialdezernentin Christine Arbogast zusammen: „Sozialer Vereinsamung vorzubeugen, die Angebote im Quartier zu stärken, die Gesundheitsprävention zu forcieren, alternative Wohnformen zu stärken, Angebote zur Entlastung von Angehörigen auszubauen, intergenerative Projekte und Ange­bote zu fördern, Bürgerinnen für Engagement zu gewinnen sowie Engagement zu koordinieren und wertzuschätzen.“

Für den Umsetzungs­prozess brauche es alle Beteiligten, betont Arbogast. „Nur gemeinsam kann es gelingen, die großen Herausforderungen auch in Bezug auf ein weiterhin für ältere Menschen attraktives Braunschweig erfolg­reich zu bewältigen.“

Die Altenhilfeplanung im Sozialdezernat der Stadt Braunschweig kann auf eine lange Historie zurückblicken: Bereits in den 1970er Jahren wurde hier einer der ersten Altenhilfepläne Deutschlands entwickelt. Die letzte Aktualisierung stammte aus dem Jahr 2006.

 


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©  Stadt Braunschweig
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Bericht "Lebenswertes Braunschweig: Altenhilfe- und Pflegeplanung 2020 - 2035, Entwicklungsperspektiven für eine attraktive Stadt"


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©  Stadt Braunschweig
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Präsentation: Altenhilfe- und Pflegeplanung Stadt Braunschweig – Unter besonderer Berücksichtigung präventiver Angebote wie Modellprojekt „Präventive Hausbesuche“