Meldungsdatum: 01.06.2023
„Der Titel ist holprig, umso wichtiger ist der Hilfezweck und dass ihr Haus und ihr Team diesen Hilfeprozess möglich machen. Dafür sagen wir heute Danke“, sagt die Kommunale Frauenbeauftragte der Stadt Hanau Cornelia Gasche. Das spezialisierte Hilfeteam im Klinikum Hanau und im St. Vinzenz-Krankenhaus erhielt anlässlich des Jubiläums unter anderem eine Torte.
Vor 10 Jahren, genauer gesagt am 1. Juni 2013, wurde die MSnV unter Schirmherrschaft der Autorin Susanne Fröhlich vom Frauennotruf Frankfurt ins Leben gerufen. Nur kurze Zeit später wurde das Modellprojekt dann seitens der Stadt Hanau und des Main-Kinzig-Kreises übernommen und auch am Klinikum Hanau, dem St. Vinzenz-Krankenhaus in Hanau und den Main-Kinzig-Kliniken in Gelnhausen implementiert. Die Teilnahme an diesem Projekt entscheiden die Kliniken in eigener Verantwortung. Die Schirmherrschaft übernehmen Oberbürgermeister Kaminsky und Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler, deren Dank Cornelia Gasche an die beteiligten Fachabteilungen der beiden Krankenhäuser in Hanau ausdrücklich mit überbrachte.
Das Projekt hat einen sehr ernsten Hintergrund: Ziel ist es, Frauen und Mädchen, die direkt nach einer Vergewaltigung keine Anzeige erstatten können oder wollen, medizinisch und psychosozial zu versorgen. Auch wird es ihnen ermöglicht, durch Spurensicherung und Befunderhebung innerhalb eines Jahres Anzeige erstatten zu können. „Leider werden nach einer Vergewaltigung nur wenige Fälle zur Anzeige gebracht. Die Dunkelziffer liegt hier bei rund 90 Prozent“, erläutert Cornelia Gasche. Die Gründe sind unterschiedlich und reichen von psychisch-emotionaler Überforderung über Scham bis hin zu fehlender Kraft, die Auswirkungen einzuordnen. „Viele Opfer spüren dauerhafte Nachwirkungen - körperlich wie psychisch. Schnelle Hilfe ist daher lebensnotwendig“, betont Gasche.
Die medizinische Soforthilfe an den drei Kliniken in Hanau und Gelnhausen stellen sicher, dass sich Betroffene unverzüglich dorthin wenden können und keine polizeiliche Anzeige erstatten müssen, die nicht mehr rückholbar ist. Sie werden vertraulich versorgt und es wird eine akribische Beweiserhebung durchgeführt und dokumentiert. Die Beweisbefunde werden ein Jahr lang bei der Gerichtsmedizin aufbewahrt. So lange haben die betroffenen Frauen und Mädchen dann die Chance, doch noch Anzeige zu erstatten und im Prozess die entsprechenden Beweiserhebungen vorzulegen. Nach einem Jahr werden die Beweismittel vernichtet.
Solange keine Anzeige erfolgt, unterliegen sämtliche behandelnde Personen der Schweigepflicht. „Jede Vergewaltigung ist ein medizinischer Notfall – es ist kein Grund sich zu schämen, sondern sich helfen zu lassen. Betroffene sollten daher umgehend das Angebot einer der drei Kliniken nutzen“, so die klare Botschaft auch der Klinik-Teams, die sich an diesem vertraulichen Prozess beteiligen.
„Der „Jubiläumstag“ ist ein wichtiger Tag des Danks, aber auch ein Tag, an dem wir erneut gemeinsam auf dieses wichtige Hilfeangebot aufmerksam machen wollen,“ unterstreicht Gasche. Die Sachkosten für dieses Angebot werden in Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis vor allem von der Bürgerstiftung Hanau Stadt und Land sowie vom Projekt ‚Netzwerk gegen Gewalt‘ der Hessischen Landesregierung getragen. Organisatorisch wird das Projekt federführend von den beiden Frauenbüros in Hanau und Gelnhausen begleitet. Der Frauennotruf Frankfurt stellt die konzeptionelle und fachliche Betreuung sicher. Weitere Informationen sind im Internet unter www.soforthilfe-nach-vergewaltigung.de zu finden.
Pressekontakt: Sebastian Mack, oeffentlichkeitsarbeit@hanau.de
Eine Torte als Geste des Dankes – an die Teams von Klinikum Hanau und St. Vinzenz-Krankenhaus. Team St. Vinzenz-Krankenhaus (linkes Foto): Jutta Berg (Pflegedirektorin), Cornelia Gasche (Hanauer Frauenbeauftragte), Prof. Dr. med. Georg-Friedrich von Tempelhoff (Chefarzt der Gynäkologie), Daniela Orendi (Chefsekretärin und Krankenschwester) Team Klinikum Hanau (rechtes Foto): Judith Kern (Medizin. Fachangestellte in der Gynäkologischen Ambulanz), Cornelia Gasche (Hanauer Frauenbeauftragte), Elke Baumann (Teamleiterin der Gynäkologischen, onkologischen Ambulanz/ Frauenklinik), Nujin Sevilgen (med. Fachangestellte in der Gynäkologischen Ambulanz)
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