Meldungsdatum: 02.12.2025

„Ein verantwortbarer, aber auf Kante genähter Haushalt“

Stadt Hanau legt Haushalt 2026 und Investitionsprogramm vor

Die Stadt Hanau hat ihren Haushaltsentwurf für das Jahr 2026 sowie das Investitionsprogramm für die Jahre 2026 bis 2029 präsentiert. „Es ist ein verantwortbarer Haushalt in sehr schwierigen Zeiten, der dennoch nur mit größter Disziplin gelingt. Wir setzen künftig aber auf Handeln und Ermutigung, nicht auf Pessimismus“, sagt Oberbürgermeister Claus Kaminsky, der zugleich zum letzten Mal in seiner 31-jährigen Amtszeit als Kämmerer einen Haushalt einbringt.

Vor dem Hintergrund einer angespannten Finanzlage, die bundesweit annährend alle Kommunen trifft, steigender Personal- und Energiekosten sowie wachsender städtischer Aufgaben war die Ausarbeitung des Haushalts nicht einfach. Doch die Stadt bleibt handlungsfähig: Für das Jahr 2026 strebt Hanau mit einem Ertrags- und Aufwandsvolumen von jeweils 530,4 Millionen Euro einen ausgeglichenen Ergebnishaushalt an – und das ohne Rückgriff auf Rücklagen. Kaminsky weist aber darauf hin, dass der Ergebnisausgleich nur mittels einer globalen Minderausgabe in Höhe von 10,5 Millionen Euro möglich ist.  

Zudem sind investive Auszahlungen von rund 67,7 Millionen Euro geplant, bei erwarteten Fördermitteln von etwa 19,4 Millionen Euro. Insgesamt sieht das Investitionsprogramm für den Zeitraum bis 2029 Auszahlungen in Höhe von 301,3 Millionen Euro vor. Blickt man auf die gesamte Unternehmung Stadt Hanau, also inklusive der städtischen Eigenbetriebe und Tochtergesellschaften, beträgt das Investitionsvolumen dann sogar rund 900 Millionen Euro. „Wir sind im Grunde wie ein kleines Milliardenunternehmen“, so Claus Kaminsky.

Ein zentraler Bestandteil der Haushaltsvorlage ist die nach 32 Jahren erstmals wieder erforderliche Anpassung der Gewerbesteuer: Der Hebesatz soll von bisher 430 auf 458 Prozentpunkte steigen. „Dieser Schritt wird sicher nicht allgemeinen Jubel auslösen, aber er ist unabdingbar“, erläutert der Rathauschef. „Wir gehen diesen Weg, weil wir Liquidität sichern und gleichzeitig andere Belastungen für die Bürgerinnen und Bürger vermeiden wollen. Für 2026 sind keine Erhöhungen etwa bei Abwasser-, Kita- oder Friedhofsgebühren vorgesehen. Wir schauen sensibel auf den Geldbeutel der Menschen, und von der nicht erhöhten Grundsteuer profitieren alle Hanauerinnen und Hanauer: Wir bleiben Grundsteuerniedrigstadt.“ Der Magistrat hat der Hebesatzsatzung einstimmig zugestimmt – ein Signal, das Kaminsky ausdrücklich als „kraftvolles Votum“ würdigt.

Besonders wichtig ist ihm, dass die Steuerpolitik fair bleibt: Durch die Anpassung des Gewerbesteuerhebesatzes – mit prognostizierten Mehreinnahmen von etwa 4,9 Millionen Euro für 2026 – wird der wirtschaftliche Erfolg der heimischen Unternehmen mit dem Beitrag zur kommunalen Handlungsfähigkeit verknüpft. „In den vergangenen 32 Jahren gab es viele wirtschaftliche Investitionen. Die Qualität unseres Wirtschaftsstandorts gibt diese Entscheidung also durchaus her“, so Oberbürgermeister Claus Kaminsky.

Investitionen in Schulen und Kitas

Die Investitionen im Programm sind klar ausgerichtet auf Zukunftsfelder, die für die Stadtgesellschaft besonders wichtig sind: Bildung, soziale Infrastruktur, Sicherheit, Mobilität, Digitalisierung und städtische Daseinsvorsorge. Bürgermeister und Sozialdezernent Dr. Maximilian Bieri hebt vor allem die Investitionen in Kinder und Bildung hervor. „Zwischen 2026 und 2029 werden rund 130 Millionen Euro in Neu- und Anbauten an Schulen fließen, darunter beispielsweise 32 Millionen Euro für die Erweiterung des Schulzentrums Hessen-Homburg zur kooperativen Gesamtschule, 20 Millionen Euro für die Erweiterung der Lindenauschule von sechs auf acht Züge, 15,5 Millionen Euro für die Dependance der Karl-Rehbein-Schule am Schlossplatz und 13,5 Millionen Euro für den Neubau der Robinson-Grundschule an ihrem ursprünglichen Standort“, so Dr. Bieri. „Wir brauchen zeitgemäße Lernräume, damit alle Kinder in unserer wachsenden Stadt die beste Chance auf Bildung haben.“

Auch die Kitas profitieren stark in den kommenden Jahren. „Wir investieren rund 22 Millionen Euro in fünf Erweiterungs- und Neubauten“, so der Bürgermeister. „Das ist mehr als ein Ausbau – es ist ein Versprechen an Familien: Wir wollen keine langen Wartelisten mehr. Vor zwei Jahren mussten noch mehr als 1.000 Kinder auf einen Platz warten, heute sind es noch etwa 400. Und das Ziel ist klar: In den kommenden Jahren die Warteliste komplett abbauen.“

Mit Blick auf die städtischen Sportanlagen gibt es auch für Vereine eine gute Nachricht: Sie können diese in Zukunft weiterhin kostenfrei nutzen. „Dieses Bekenntnis kostet uns jährlich etwa 8 Millionen Euro und es ist jeden Euro wert“, betont Dr. Bieri. Zudem seien drei neue Kunstrasenplätze für jeweils 1 Million Euro, ein Erweiterungsbau an der Sportanlage Heinrich-Sonnrein über 700.000 Euro sowie für 9 Millionen Euro der Neubau einer Dreifeldhalle auf dem Gelände der Tümpelgartenschule geplant.

Trotz der angespannten Situation vieler Kliniken bundesweit setzt Hanau bewusst auf Zukunftssicherung in der Gesundheitsversorgung: 15 Millionen Euro investiert die Stadt 2026 in das Klinikum Hanau, unter anderem in den Ausbau einer modernen Kreissaallandschaft mit drei neuen Kreißsälen. „Mit der vor kurzem einstimmig verabschiedeten Patronatserklärung stehen wir als Stadt deutlich sichtbar und verlässlich hinter unserem Klinikum“, betont Bürgermeister und Klinikum-Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Maximilian Bieri. „Dieses klare Bekenntnis verbinden wir mit konkreten Investitionen.“

Sicherheit und Digitalisierung im Fokus

Stadträtin Isabelle Hemsley, unter anderem zuständig für Sicherheit, Ordnung, Digitalisierung und städtische Infrastruktur, unterstreicht den strategischen Charakter der Vorhaben: „Es geht grundsätzlich um eine realistische Haushaltsaufstellung, deshalb ist Priorisierung wichtig für die nächste Zeit.“ Einen Schwerpunkt sieht sie deshalb im Bereich der Digitalisierung. „Das kostet erstmal Geld, ist aber wichtig für die Zukunft, unter anderem durch die Modernisierung städtischer Verwaltungsprozesse wie die Einführung der E-Akte oder der Nutzung von künstlicher Intelligenz“, so die Stadträtin. „Werden die Mitarbeitenden in Routinetätigkeiten entlastet, bleibt mehr Zeit für Bürgeranliegen.“

Mit dem Aufbau einer urbanen Datenplattform treibt Hanau zudem die digitale Vernetzung seiner Infrastruktur voran: 1,2 Millionen Euro Fördermittel aus „Starke Heimat Hessen“ sollen in den Ausbau stadtweiter Sensorik fließen: Künftig sorgen die gewonnenen Daten beispielsweise für freie Kreuzungen, einen optimierten Winterdienst sowie intelligente Mülltouren und verkehrsabhängige Ampelschaltungen . „Wir nutzen digitale Technik, um Kosten zu senken und die Stadt effizienter und sauberer zu machen“, erklärt Stadträtin Isabelle Hemsley.

Zudem investiert Hanau weiterhin in die Sicherheit, unter anderem mit dem Ausbau der Videoschutzanlagen in der Innenstadt und der Installation neuer Hochsicherheitspoller in Fußgängerzonen. „Für diese Maßnahmen stehen Gesamtkosten von mehreren hunderttausend Euro im Haushalt“, so die Ordnungsdezernentin. Mit Blick auf die Stadtpolizei, deren Ausstattung mit modernen und vernetzten Bodycams verbessert wurde, sei außerdem ein Ausbau hin zu erweiterten Dienstzeiten geplant.

Auch im Bereich Mobilität und städtischer Daseinsvorsorge investiert Hanau entschlossen: 2026 fließen weitere 14,5 Millionen Euro in den Neubau der Hauptbahnhofbrücke, die im Laufe des Jahres womöglich schon für ÖPNV und Verkehr geöffnet werden kann. Weitere Investitionsprojekte sind eine modernisierte Schlammentwässerung der städtischen Kläranlage für rund 5,5 Millionen Euro, die Erneuerungen der Spielplätze in Schlossgarten und Dresdner Straße, in die rund 700.000 Euro fließen sowie zusätzliche E-Busse und die Erweiterung des Ladeparks.

Rücklage als Absicherung

Trotz der hohen Investitionen mahnt Kaminsky zu Blick für Risiken. „Wir haben eine Rücklage von voraussichtlich etwas mehr als 43 Millionen Euro, die als Puffer und Absicherung für mögliche unerwartete Entwicklungen dient“, macht der Oberbürgermeister deutlich. „Der Spielraum ist begrenzt, Investitionen aber sind notwendig. Wer heute an Digitalisierung, Schulen oder Infrastruktur spart, wird morgen teurer dafür zahlen.“

Der Magistrat hat den Haushaltsentwurf und die Hebesatzsatzung am vergangenen Montag bereits beschlossen. Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses haben in Ihrer Sitzung am 25. November ein einstimmiges Votum zur Hebesatzsatzung gegeben. Oberbürgermeister Claus Kaminsky wird den Haushalt nun in der nächsten, öffentlichen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Montag, 8. Dezember (17 Uhr), vorstellen.  Gleichzeitig ist der Beschluss der Hebesatzsatzung geplant.

Claus Kaminsky, Dr. Maximilian Bieri und Isabelle Hemsley blicken gemeinsam optimistisch, aber realistisch auf diesen Haushalt: Es sei ein Haushalt mit Risiken, aber auch mit Visionen – ein Haushaltsentwurf, der Mut zur Gestaltung zeige.

Pressekontakt: Julia Oppenländer, E-Mail: oeffentlichkeitsarbeit@hanau.de


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©  Stadt Hanau / Moritz Göbel
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