Meldungsdatum: 17.12.2025
Mönchengladbach / Herne, 17. Dezember 2025. Im Rahmen der turnusmäßigen Prüfungen von Kommunen in NRW durch die Gemeindeprüfungsanstalt Nordrhein-Westfalen (gpaNRW) wurden im Rat der Stadt Mönchengladbach die von der gpaNRW analysierte Haushaltssituation und die Prüfungsergebnisse vorgestellt. Die Empfehlungen in den weiteren untersuchten Prüfgebieten und Handlungsfeldern haben Prüfer Guido Rosenow, Prüfer Markus Daschner, Projektleiter Mario Deckers und Simone Kaspar, Stellvertreterin des Präsidenten der gpaNRW, der Lokalpolitik präsentiert.
„Es ist erfreulich, dass Mönchengladbach in vielen geprüften Bereichen gute Ergebnisse vorweisen kann und nach Jahren der Haushaltssicherung und freiwilliger Teilnahme am Stärkungspakt Stadtfinanzen im Betrachtungszeitraum 2019 bis 2023 ausnahmslos positive Jahresergebnisse erzielt hat“, so Simone Kaspar. „Im weiteren Planungszeitraum erwartet die Stadt jedoch erhebliche Fehlbeträge. Im Hinblick auf die bestehenden Gesamtverbindlichkeiten und den für 2028 geplanten vollständigen Verzehr der Ausgleichsrücklage ist es jedoch notwendig, dass die Stadt ihre Haushaltssituation weiterhin durch eigene Konsolidierungsmaßnahmen nachhaltig verbessert.“
Besonders belastend für den Haushalt dürften sich die steigenden Zins- und Personalaufwendungen, aber auch die stagnierende konjunkturelle Entwicklung auswirken. Bislang konnte die Stadt die Investitionskredite auf einem relativ stabilen Niveau halten und die Liquiditätskredite teils sogar reduzieren. Die fehlende Selbstfinanzierungskraft in der mittelfristigen Finanzplanung wird jedoch voraussichtlich zu einem erneuten Anstieg der Liquiditätskredite führen. Aufgrund des seit 2022 dynamisch steigenden Zinsniveaus erhöht sich auch die Zinsbelastung erheblich. „Daneben führen geplante Investitionen, soweit sie realisiert werden, in künftigen Jahren voraussichtlich auch zu einem Anstieg der investiven Kreditverbindlichkeiten“, so Projektleiter Mario Deckers.
Nachhaltigkeitsziele und Kennzahlen zur Nachhaltigkeitsstrategie ausbauen
Positiv ist, dass die Stadt Mönchengladbach allgemeine Nachhaltigkeitsziele und Kennzahlen im Haushalt verankert hat. Eine Nachhaltigkeitsstrategie fehlt aber noch. Hier bietet sich für die Haushaltssteuerung Optimierungspotenzial: Die Stadt könnte in einer eigenen Nachhaltigkeitsstrategie die globalen sowie nationalen und landesweiten Nachhaltigkeitsziele aufgreifen und eigene Ziele definieren. Mario Deckers: „Diese Ziele könnten zusammen mit geeigneten Kennzahlen mit Produkten verknüpft und zu einem originären Bestandteil der Haushaltsplanung und -bewirtschaftung werden.“
Die Stadt überträgt weiterhin deutlich mehr investive Ermächtigungen als der Großteil der übrigen kreisfreien Städte. Im Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2023 kann die Stadt nur rund 30 Prozent der so fortgeschriebenen Haushaltsmittel für Investitionen tatsächlich umsetzen. „Politik und Verwaltung sollten sich noch stärker darauf verständigen, künftig nur Maßnahmen zu planen, die mit den vorhandenen Ressourcen auch umgesetzt werden können“, empfiehlt Mario Deckers. Eine Möglichkeit zur Entlastung der Haushaltssituation stellt die Akquise von Drittmitteln dar. Auch wenn die Stadt Rückforderungen vermeiden kann, bietet das Fördermittelmanagement noch Optimierungspotenzial: Mönchengladbach sollte strategische Ziele festlegen und diese idealerweise zusammen mit standardisierten Prozessen ebenfalls in einer Dienstanweisung schriftlich fixieren.
Die nachhaltige Mobilitätsentwicklung ist ein Baustein, um das Ziel der Treibhausgasneutralität zu erreichen. Mönchengladbach verankert diese in der Strategie „mg+ Wachsende Stadt“, dem Mobilitätsplan und dem Masterplan Nahmobilität. Unter externer Begleitung hat Mönchengladbach 2019 ein Konzept zur Einführung des betrieblichen Mobilitätsmanagements erstellt, das an aktuelle Entwicklungen (Neubau Verwaltungsgebäude Rheydt) weiter angepasst werden muss. Ein Fuhrparkmanagement befindet sich im Aufbau und die Stadt hat begonnen, den Fuhrpark zu elektrifizieren. „Ein Fahrzeugpooling bietet eine weitere Chance, die Klimafreundlichkeit zu erhöhen“, so Prüfer Markus Daschner.
Finanzmittelbedarf für Treibhausgasneutralität langfristig berücksichtigen
Die angestrebte Treibhausgasneutralität 2045 hat Auswirkungen auf den städtischen Gebäudebestand. Nach einer seitens der gpaNRW vorgenommenen Berechnung müsste die Stadt ihren Finanzmitteleinsatz dauerhaft mehr als verdoppeln, um die Treibhausgasneutralität 2045 zu erreichen. „Aufgrund der immensen Größenordnung halten wir es für notwendig, den geschätzten Finanzmittelbedarf bis 2045 auch in der langfristigen Finanzplanung zu berücksichtigen“, sagt Prüfer Guido Rosenow.
Die Stadt Mönchengladbach hat einen guten Rahmen für die Steuerung der Informationstechnik (IT) geschaffen. In einigen operativen Bereichen fehlen jedoch wichtige steuerungsrelevante Informationen und Vorgaben. Neben dem Ausbau des IT-Controllings sollte das Lizenzmanagement intensiviert werden. Die Voraussetzungen für die Digitalisierung sind insbesondere durch die Digitalisierungsstrategie und ihre jährlichen Fortschreibungen geschaffen. Prüfer Guido Rosenow rät: „Dem Aufbau eines systematischen Prozessmanagements sollte eine hohe Priorität eingeräumt und die Einführung des Dokumentenmanagementsystems (DMS) sowie der elektronischen Aktenführung sollten forciert werden.“
Gute Einbindung der Wirtschaftlichen Jugendhilfe unterstützt Steuerung
Im Prüfgebiet der Hilfe zur Erziehung (HzE) führen die vielen stationären Fälle zu hohen Aufwendungen je Hilfefall. Allerdings gelingt es der Stadt Mönchengladbach, anders als vielen an-deren Jugendämtern, die einwohnerbezogenen Aufwendungen HzE im betrachteten Zeitraum konstant zu halten. Im Jahr 2023 waren diese sogar rückläufig. Die Wirtschaftliche Jugendhilfe (WiJu) hat die Stadt nach einer umfangreichen Organisationsuntersuchung und -beratung analog zum Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) sozialräumlich organisiert. Die WiJu in Mönchengladbach setzt vergleichsweise mehr Personal ein als andere Städte. Sie wird aber auch mehr in das Hilfeplanverfahren eingebunden und setzt hohe Standards in der Fallbearbeitung, die auch positive Auswirkungen auf die Ertragssituation, die Aufwendungen und Hilfefälle haben. „Die gpaNRW begrüßt, dass eine Personalbemessung die neuen Strukturen zukünftig berücksichtigen soll und dass die in der Praxis angewendeten Verfahrensstandards, Prozessbeschreibungen und Ablaufdiagramme in einem Qualitätshandbuch für die WiJu zusammengeführt werden,“ so Prüfer Markus Daschner.
Die Stadt Mönchengladbach investiert seit dem Jahr 2023 verstärkt in personelle und finanzielle Ressourcen, um ein effektives und effizientes Krisenmanagement zu gewährleisten. Die vorbereitenden Maßnahmen der Stadt bauen auf den ermittelten und analysierten Risiken im Stadtgebiet auf. Dazu gibt es zahlreiche Einsatzkonzepte und einen gut ausgestatteten Krisenstab. Auch einen aktuellen Katastrophenschutzplan hat die Stadt Mönchengladbach aufgestellt. „Eine ganzheitliche Risikostrategie mit umfassender Risikoanalyse hat die Stadt allerdings noch nicht. Damit könnte die Risikobewertung verbessert werden“, sagt Prüfer Guido Rosenow. Weiterhin sollte die Stadt einen Abschlussbericht über die erkannten Risiken im Stadtgebiet erstellen und dem Stadtrat zur Kenntnisnahme vorlegen.
Strategische Ziele für das Gesundheitsamt definieren
Für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) in der Stadt Mönchengladbach müssen strategische Ziele noch definiert werden. Ebenso fehlen bislang ergänzende Kennzahlen. Prüfer Markus Daschner: „Nur hierüber kann das Gesundheitsamt die Gesundheitsentwicklung in Mönchengladbach überwachen und potenzielle Risiken für die Bevölkerung erkennen.“ Durch den Aufbau eines Fachcontrollings kann die Steuerung noch optimiert werden. Wichtig ist hier-bei die Verzahnung mit dem bereits bestehenden Finanzcontrolling. Mit Fördermitteln des Pakts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst hat die Stadt die Möglichkeit, das Personal im Gesundheitsamt zu verstärken. Daher sollte es ein Augenmerk auf zusätzliche Möglichkeiten der Rekrutierung richten. „Das Gesundheitsamt sollte zudem eine Digitalisierungsstrategie erarbeiten, die mit den übergeordneten Zielen der Stadt zur Digitalisierung übereinstimmt,“ rät Markus Daschner.
Die Arbeitsabläufe und Entscheidungsprozesse der Bauaufsicht der Stadt Mönchengladbach sind geregelt, bieten jedoch noch Möglichkeiten zur Verbesserung. Projektleiter Mario Deckers empfiehlt: „Ein Vier-Augen-Prinzip bei allen Entscheidungen sorgt zusätzlich für Rechtssicherheit. Zudem hilft es, eventuelle Korruptionsfälle präventiv zu vermeiden.“ Eine vollständig digitale Bearbeitung der Bauanträge befindet sich in der Umsetzungsphase. Die durch eine Digitalisierung möglichen Optimierungsmöglichkeiten können somit noch nicht in Gänze genutzt werden.
Bestattungsleistungen regelmäßig neu ausschreiben
Ordnungsbehördliche Bestattungsfälle nehmen in der Stadt Mönchengladbach im Zeitraum 2020 bis 2023 zu, mit weiter steigender Tendenz. Durch ihre organisatorischen Maßnahmen und Prozessabläufe stellt die Stadt sicher, dass die gesetzlichen Regelungen zu den bestattungsrechtlichen Fristen und zur Art der Bestattung gewahrt werden. Die Stadt macht ihren Kostenerstattungsanspruch gegenüber den Bestattungspflichtigen per Kostenbescheid zeitnah geltend. Die gpaNRW sieht allerdings bei der Ermittlung der Verwaltungsgebühren Anpassungsbedarf. „Zudem sollten die Bestattungsleistungen regelmäßig neu ausgeschrieben werden“, so Mario Deckers.
„Wir bestärken Sie darin, Ihren Weg erfolgreicher Organisationsstrukturen und solider Haushaltsführung fortzusetzen. Unser Prüfungsbericht ist ein Werkzeugkoffer, aus dem Sie sich auf dieser Wegstrecke bedienen können und sollten. Zudem stehen wir Ihnen bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite“, unterstreicht gpa-Vizepräsidentin Simone Kaspar.
Oberbürgermeister Felix Heinrichs erklärt abschließend zu den Ergebnissen der gpaNRW: „Mit der Präsentation des Abschlussberichtes endet eine zweijährige intensive Zusammenarbeit mit der gpaNRW, die von gegenseitigem Respekt und Kommunikation auf Augenhöhe geprägt war. Die Arbeit für die Stadtverwaltung ist damit nicht zu Ende, sondern fängt erst an: Wir werden die Hinweise und Empfehlungen gründlich auswerten und bereits im nächsten Ratszug unsere Stellungnahmen vorlegen.“
Infos zur gpaNRW und deren turnusgemäßen Prüfung
Die gpaNRW hat die Stadt Mönchengladbach im Rahmen der turnusgemäßen Prüfung aller kreisfreien Städte in folgenden Handlungsfeldern geprüft:
Alle Feststellungen und Empfehlungen der gpaNRW zu den thematischen Handlungsfeldern sind im Prüfungsbericht für die Stadt Mönchengladbach zusammengefasst.
Die gpaNRW ist Teil der staatlichen Aufsicht des Landes über die Kommunen und wurde im Jahr 2003 gegründet. Sie hat ihren Sitz in Herne. Ihr ist durch Gesetz und Gemeindeordnung die überörtliche Prüfung aller 396 Kommunen, der 30 Kreise sowie der Städteregion Aachen, der beiden Landschaftsverbände und des Regionalverbandes Ruhr (RVR) übertragen. Präsident der gpaNRW ist seit 15. September 2023 Bürgermeister a.D. Michael Esken.
Die ausführlichen Prüfungsberichte mit allen Handlungsfeldern und Empfehlungen veröffentlicht die gpaNRW unter www.gpa.nrw.de .
Stadt Mönchengladbach
Stabsstelle Presse & Kommunikation
Rathaus Abtei - 41050 Mönchengladbach
Telefon (0 21 61) 25 20 81
Telefax (0 21 61) 25 20 99
E-Mail: presse@moenchengladbach.de
Sämtliche Texte können unter Angabe der Quelle frei veröffentlicht werden, Belegexemplare sind willkommen.
Die Pressestelle " Stadt Mönchengladbach" ist Mitglied bei presse-service.de [ www.presse-service.de]. Dort können Sie Mitteilungen weiterer Pressestellen recherchieren und als RSS-Feed oder E-Mail abonnieren.