Meldungsdatum: 23.12.2025

Groote optimistisch: „Das Glas ist immer noch halb voll“ - Jahresrückblick 2025, Teil 1

Rückblick des Landrats: Sparen, aber nicht kaputtsparen / Investieren in Infrastruktur

Deutschland ist ein Sanierungsfall, sagte der Kanzler neulich. Weil der Landkreis Leer oder auch ganz Ostfriesland keine Insel der Seligen ist, müssten sich demnach die allgemeinen Probleme des Landes auch hier niederschlagen. Wie sieht denn die Lage des Landkreises Leer aus, soweit sie der Kreistag und die Kreisverwaltung selbst beeinflussen können? Mit dieser Frage setzt sich Landrat Matthias Groote in seinem Rückblick auf das Jahr 2025 auseinander.

Es ging dem Landkreis vor einigen Jahrzehnten finanziell und strukturell schon mal schlechter als heute. Aber in den jüngsten Jahren auch schon viel besser. Das Armenhaus der Nation entwickelte sich zu einer blühenden Landschaft. Die Wirtschaft brummte, angetrieben vor allem durch weltweit operierende Reeder und später durch teils marktführende Software Unternehmen. „Wir waren in der Lage, die Infrastruktur vor allem in unseren Schulen, den Krankenhäusern, den Kreisstraßen und in der Informations-Technik (Glasfaser) auf den besten Stand zu bringen. Vor diesem Hintergrund sage ich: Das Glas ist immer noch halb voll. Wir haben Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen.“

Der Kreishaushalt weist im nächsten Jahr ein Minus von 30 Millionen Euro aus. Das lässt sich nicht beschönigen. „Aber es ist auch keine Anleitung zum Unglücklichsein. Wir Ostfriesen haben schon ganz anderen Stürmen getrotzt.“

Das Loch in der Kasse lässt sich erklären. Es liegt nicht daran, dass der Landkreis leichtfertig Geld ausgegeben hat. Kostentreiber sind Aufgaben und damit verbundene Ausgaben, die der Landkreis und damit auch die Städte und Gemeinden im Auftrag des Staates erledigen müssen, dafür aber nicht genügend Geld aus Berlin und Hannover bekommen. Soziale Hilfen steigen krass in die Höhe. Familienhilfen und Pflege sind dafür nur zwei Beispiele. Groote: „Kurz gesagt: Wir haben kein Einnahmenproblem, sondern ein Ausgabenproblem, das wir nur zu einem kleinen Teil selbst steuern können.“

Die Finanzen waren für Kreistag und Verwaltung das ganze Jahr über das bestimmende Thema. Groote: „Unser Leitsatz ist: Wo sparen, ohne etwas kaputtzumachen? Und wo müssen wir weiter investieren?“

Und tatsächlich: Es gibt zahlreiche Lichtblicke im Kreisgebiet. Dazu zählen: Beginn des Umbaus und der Erweiterung der Oberschule Uplengen in Remels. Auch die schwer beschädigte Turnhalle dieser Schule erhält nach einigen Anlaufschwierigkeiten ein neues Dach. In Weener kann man sich über eine neue Dreifeld-Sporthalle freuen. Wenig spektakulär, aber wichtig: Der Landkreis hat zahlreiche Kreisstraßen, Brücken und Radwege saniert.

Groote: „Unsere Investitionen richten wir nach einem einfachen Dreisatz aus, der sich auf Dauer und gerade in schweren Zeiten immer bewährt: Infrastruktur, Infrastruktur, Infrastruktur.“ Das gilt für alle Bereiche, namentlich für Schulen, Verkehr, Gesundheit und Informationstechnik.

So verbesserte der Landkreis den Rettungsdienst. Das bezeugen drei neue Notfall Krankentransportwagen, zwei neue Notarzt-Einsatzfahrzeuge, zusätzliches Personal und deutlich mehr Bereitschaftsstunden.

Hilfe zur Selbsthilfe ist im Landkreis mehr als nur eine Floskel: Die Selbsthilfe-Kontaktstelle im Gesundheitsamt hat in diesem Jahr elf neuen Selbsthilfegruppen beim Start unter die Arme gegriffen. Insgesamt betreut das Gesundheitsamt 120 Selbsthilfegruppen.

Der Ausblick auf den Haushalt ist zwar duster. Doch auch 2026 stehen Investitionen ins Haus. In Brinkum beginnt der Bau der Feuerwehr-Technischen-Zentrale. Und in Möhlenwarf und Bunderhammrich werden für das Rheiderland zwei neue Rettungswachen an zentralen Stellen gebaut.

Und ein langjähriges Großprojekt kann 2026 zu Ende gebracht werden: Landrat Groote kündigt für das nächste Jahr den Abschluss des staatlich geförderten Breitbandausbaus im Kreisgebiet an. Dann werden mehr als 70.000 Haushalte und Betriebe (95 Prozent) Zugang zu einem gigabitfähigen Glasfaseranschluss haben. Groote: „Der Landkreis ist dann praktisch komplett im Zeitalter des schnellen Internets angekommen.“