Meldungsdatum: 20.02.2026
Am Samstag, 7. Februar 2026 kamen rund 45 Bürgerinnen und Bürger zum zweiten Teil des Borkener Demokratiefestivals „Wanted: Zukunft“ zusammen. Der Workshop wurde von den Dialog-Moderatorinnen Annika Kulich und Luisa Wolke geleitet. Anders als am ersten Festivaltag, zu dem per Losverfahren zufällig ausgewählte Personen eingeladen worden waren, stand dieser Tag allen Interessierten offen. Entsprechend vielfältig waren die Perspektiven, Erfahrungen und politischen Haltungen, die aufeinandertrafen.
Der Grundgedanke des Tages lautete:
„Wir öffnen in Borken einen Raum für genau das, was uns bewegt – und oft sprachlos macht: Frust, Wut, Enttäuschung, das Gefühl von Ohnmacht und Sorge. Hier darf ausgesprochen werden, was sonst unausgesprochen bleibt. Nur wer Dampf ablässt, kann wieder klar denken und handeln.“
Schnell wurde deutlich, wie emotional aufgeladen viele der Themen sind, die Menschen derzeit beschäftigen. Unterschiedliche Meinungen und starke Gefühle trafen unmittelbar aufeinander und führten stellenweise zu spürbaren Spannungen im Raum. Gerade darin lag jedoch eine besondere Qualität dieses Tages: Meinungsverschiedenheiten wurden nicht vermieden oder vorschnell geglättet, sondern bewusst ausgehalten – im gemeinsamen Dialog.
Im Mittelpunkt stand nicht das schnelle Finden von Einigkeit, sondern die Fähigkeit, auch bei gegensätzlichen Sichtweisen im Gespräch zu bleiben. Immer wieder wurde deutlich gemacht, dass ein Mensch nicht auf seine Meinung reduziert werden kann. Diese Unterscheidung zwischen Person und Position erwies sich als zentral, um respektvoll und zugewandt miteinander zu sprechen – selbst dort, wo die inhaltlichen Differenzen groß waren.
Viele Teilnehmende erlebten, dass Konflikte nicht zwangsläufig zu Abbruch oder Verhärtung führen müssen. Im Gegenteil: Dort, wo unterschiedliche Perspektiven sichtbar wurden, konnte Dialog entstehen – getragen von Zuhören, Interesse und gegenseitiger Anerkennung. Mehrfach wurde rückgemeldet, dass man zwar weiterhin unterschiedlicher Meinung sei, sich aber dennoch verstanden und ernst genommen fühle.
Zur Anwendung kam u.a. die Moderationsmethode „Lewis Deep Democracy“, die nach dem Ende der Apartheid in Südafrika entwickelt wurde. Im Kern geht es dabei darum, in heterogenen Gruppen alle relevanten Perspektiven wahrzunehmen und ernst zu nehmen – auch jene, die leise, unbequem oder widersprüchlich sind. Anders als bei klassischen Mehrheitsentscheidungen steht nicht das Überstimmen im Vordergrund, sondern das Sichtbarmachen unterschiedlicher Erfahrungen und Sichtweisen als Grundlage für tragfähigen Dialog.
Nach der intensiven Auseinandersetzung mit dem, was aktuell belastet, richtete sich der Blick schrittweise nach vorn. Eine gemeinsame Zukunftsperspektive für das Jahr 2035 diente dabei als Orientierung: Wie könnte ein Borken aussehen, in dem demokratisches Miteinander besser gelingt? Woran würde man im Alltag merken, dass Beteiligung ernst gemeint ist? Nach welchen Werten wollen wir leben? Und was motiviert Menschen, sich langfristig einzubringen?
Diese Zukunftsbilder wirkten aktivierend. Statt bei Kritik stehen zu bleiben, rückten persönliche Werte, Motivation und Verantwortungsgefühl in den Vordergrund. In wechselnden Gesprächskonstellationen zeigte sich: Die Meinungen über den richtigen Weg unterscheiden sich teils deutlich – die zugrunde liegenden Wünsche und Ziele hingegen ähneln sich. Viele eint der Wunsch nach einer lebendigen Stadt, nach Transparenz, Mitgestaltung und einem respektvollen Miteinander über Generationen hinweg.
In den Diskussionen wurden unter anderem Ideen zur stärkeren Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern in politische Entscheidungsprozesse benannt, ebenso Anliegen zur Beteiligung junger Menschen, zu Mobilität, Stadtentwicklung und zu offenen Dialogformaten zwischen Verwaltung, Politik und Bürgerschaft. Entscheidend war dabei weniger die einzelne Idee als das spürbare gemeinsame Interesse, Verantwortung für die eigene Stadt zu übernehmen.
In der Abschlussrunde wurde mehrfach betont, wie wertvoll es war, Differenzen offen auszusprechen, ohne dass der Dialog abbrach. Ein Teilnehmer brachte es sinngemäß auf den Punkt: In den Gesprächen seien sehr unterschiedliche Meinungen sichtbar geworden – aber ebenso ein gemeinsames Ziel, nämlich Borken aktiv mitzugestalten und von der Politik ernsthaft einbezogen zu werden.
Zum Ende des Workshops besuchte Bürgermeisterin Mechthild Schulze Hessing die Runde und nahm zu einzelnen Rückmeldungen und Fragen Stellung. Dabei wurden sowohl bestehende Beteiligungsformate als auch mögliche Weiterentwicklungen thematisiert. Die Ergebnisse des Tages wurden dokumentiert und werden gemeinsam mit den Ergebnissen des ersten Workshop-Tages ausgewertet und der Politik zur weiteren Beratung zur Verfügung gestellt.
Der zweite Tag des Demokratiefestivals zeigte eindrücklich, dass demokratischer Dialog nicht bedeutet, sich einig zu sein. Vielmehr geht es darum, Unterschiede auszuhalten, Spannungen konstruktiv zu nutzen und die gemeinsame Verantwortung für die Zukunft im Blick zu behalten. Viele Teilnehmende verließen den Workshop mit dem Gefühl, gehört worden zu sein – und mit neuer Motivation, sich weiterhin für ihre Stadt einzubringen. Einigkeit bestand zudem darin, dass regelmäßige Dialogformate dieser Art als wichtig und wünschenswert erachtet werden.
Der dritte und letzte Teil des Demokratiefestivals findet Ende März unter dem Titel „Bauplan“ statt. Dann entwickeln Schülerinnen und Schüler aus Borken ihre eigenen Ideen für eine demokratische Stadt der Zukunft. Alle Ergebnisse des Festivals werden gebündelt aufbereitet und in den politischen Prozess eingebracht.
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