Meldungsdatum: 03.03.2026
Internationaler Frauentag am 8. März: Warum dieser Tag wichtig ist
Landkreis Leer hat verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Gleichberechtigung voran zu bringen
Weltweit wird am 8. März der internationale Frauentag begangen, um auf die Bedeutung der Errungenschaften der Gleichstellung sowie auf Ungleichheiten und Benachteiligungen aufmerksam zu machen. „Gleichstellung stärkt alle – sie schafft Gerechtigkeit und echte Chancen für Frauen und Männer gleichermaßen“, sagt Elke Engels, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Leer.
Auch wenn für viele Menschen das Thema Gleichstellung erreicht erscheint, gibt es eine Menge Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in Deutschland, informiert Engels.
- Gender-Pay-Gap/Lohnlücke: Frauen erhalten im Schnitt rund 16 Prozent weniger Gehalt pro Stunde als Männer am Arbeitsplatz (Bundesamt für Statistik 2025). Ein Teil dieses geschlechtsspezifischen Entgeltunterschieds lässt sich auf strukturelle Unterschiede zurückführen. Viele Frauen sind überproportional in sozialen Bereichen wie der Pflege tätig und werden insgesamt geringer bezahlt als in technischen Berufen. Insgesamt arbeiten Frauen seltener in Führungspositionen.
Ferner hängt die Lohnlücke unmittelbar damit zusammen, dass Frauen häufig in Teilzeit tätig sind und dafür einen Großteil der Care-Arbeit wie Kinderbetreuung, und Pflege von Angehörigen übernehmen. Frauen arbeiten fast dreimal so häufig in Teilzeit wie Männer. Werden strukturelle Unterschiede wie Branchen, Berufe, Arbeitszeiten und Qualifikationen berücksichtigt, ergibt sich eine bereinigte Lohnlücke von 6 Prozent.
- Altersarmut: Die Lohnlücke und insbesondere die Tätigkeit in Teilzeit wirkt sich auf die Versorgung im Alter aus. Altersarmut ist deshalb vielfach ein Frauenthema. Das geschlechtsspezifische Gefälle bei den Alterseinkünften liegt in Deutschland bei 29,9 Prozent. Die Alterseinkünfte von Frauen waren damit durchschnittlich knapp ein Drittel niedriger als die von Männern (Statistisches Bundesamt 2023). Dieser Pension Gap ist größer als die Lohnlücke, weil sich Ungleichheiten in der Bezahlung über Jahrzehnte kumulieren.
- Sorgearbeit: Frauen übernehmen den Großteil der unbezahlten Pflege- und Hausarbeit. Das schränkt ihre beruflichen Chancen ein.
- Führungspositionen: In Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sind Frauen deutlich unterrepräsentiert, obwohl mehr Frauen als Männer Abitur ablegen und im Anschluss eine Ausbildung machen oder studieren.
- Gewalt: Frauen und Mädchen sind überproportional von häuslicher Gewalt oder geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen. Das Bundeskriminalamt hat 265.942 Fälle häuslicher Gewalt im Jahr 2024 registriert. 73 Prozent der Betroffenen waren Frauen.
- Gesundheit: Viele Krankheiten wurden historisch an Männern erforscht. Zum Beispiel zeigen Frauen beim Herzinfarkt häufiger „atypische“ Symptome wie Übelkeit, Rückenschmerzen oder Müdigkeit. Dieses kann zu Fehldiagnosen und verspäteten Behandlungen führen.
Medikamente sind oft nicht auf Frauen abgestimmt, da Frauen lange Zeit unterrepräsentiert in klinischen Studien waren. Dosierungen orientieren sich häufig am männlichen Durchschnittskörper. Dementsprechend können geschlechtsspezifische Nebenwirkungen für Frauen auftreten und Therapien weniger wirksam sein.
- Politik: Die Frauen machen die Hälfte der Bevölkerung aus, jedoch sind sie mit ihren Sichtweisen in politischen Entscheidungsgremien unterrepräsentiert. Das wirkt sich auf die Ausgestaltung der Gesetzgebung und Entscheidungen aus. Der Anteil der Frauen beträgt im Deutschen Bundestag 35,7 Prozent, im Niedersächsischen Landtag 35,6 Prozent und im Kreistag des Landkreises Leer 31,5 Prozent.
Diese Beispiele zeigen auf, dass weiterhin Handlungsbedarf in Bezug auf Gleichstellung der Geschlechter besteht.
Was macht der Landkreis?
Der Landkreis Leer hat in verschiedenen Handlungsfeldern gute Maßnahmen ergriffen, um die Gleichberechtigung voran zu bringen:
- Als Arbeitgeber geht er mit gutem Vorbild durch seine Familienfreundlichkeit voran und zeigt eine generelle Ausgewogenheit der Geschlechter im Bereich der allgemeinen Verwaltung.
- Die Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit Familie und Beruf im Kreisgebiet verbessern sich stetig.
- Darüber hinaus unterstützt die Koordinierungsstelle Frauen und Beruf bei der Integration in den Arbeitsmarkt insbesondere nach einer Familienphase.
- Um eine ausgewogene politische Teilhabe der Geschlechter zu fördern, beteiligt sich der Landkreis Leer regelmäßig am Mentoring-Programm für Politik.
- Im Landkreis Leer ist ein sehr gutes Hilfesystem gegen häusliche Gewalt vorhanden. Es gibt ein Frauenhaus und die Beratungsstelle bei häuslicher Gewalt BISS.
Mehr zu Thema Gleichstellung im Landkreis Leer gibt es unter www.landkreis-leer.de/gleichstellung.
Aktionen
- Zum Weltfrauentag lädt das Netzwerk Arbeit und Frauen Ostfriesland zu einer Online-Veranstaltung ein: 10. März 2026 von 19 bis 20.30 Uhr, „Solidarität anstatt Konkurrenz - gemeinsam die Welt für Frauen verbessern“ mit Anika Werner. Anmeldung unter www.landkreis-leer.de/Frauensolidarität.
Zum Netzwerk Arbeit und Frauen gehören die Koordinierungsstelle Frauen und Beruf Ostfriesland, Beauftragte für Chancengleichheit des Zentrums für Arbeit sowie die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Leer gemeinsam mit der Beauftragten für Chancengleichheit der Agentur für Arbeit und andere Beteiligte Ostfrieslands.
- Die Stadtbibliothek Leer lädt zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Leer zu einem Abend im Kulturspeicher Leer ein: 12. März 2026 ab 19.00 Uhr, "Her Song - Icons". Karten für 15 Euro inklusive Getränk gibt es bei der Stadtbibliothek Leer.
- Die Frauenwochen mit vielen abwechslungsreichen Veranstaltungen im Kreisgebiet finden alle zwei Jahre und damit wieder im März 2027 statt.