Meldungsdatum: 05.03.2026
„An der Lippe sieht man, was möglich ist, wenn wir konsequent handeln: Die vierte Reinigungsstufe ist ein weiterer Qualitätssprung für Hamm, für die Region und bis zur Mündung in den Rhein bei Wesel. Moderne Klärtechnik und konsequente Renaturierung durch den Lippeverband greifen hier ineinander. So schaffen wir aus einem regulierten Fluss Schritt für Schritt wieder ein sehr lebendiges Gewässer“, sagt Oliver Krischer, Umweltminister des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Mittelzuteilung erfolgt gemäß der Förderrichtlinie „Zuwendungen des Landes NRW für eine zukunftsfähige und nachhaltige Abwasserbeseitigung in Nordrhein-Westfalen“.
In die Nachrüstung und Optimierung der Kläranlage Hamm-West investiert der Lippeverband insgesamt rund 50 Millionen Euro – die Förderung des Landes entspricht 36 Prozent der Gesamtkosten der anstehenden Baumaßnahme.
Die „4. Reinigungsstufe“
Die vierte Reinigungsstufe (nach der mechanischen, biologischen und chemisch-physikalischen Reinigung) ist keine bestimmte Klärtechnik, sondern bezeichnet eine ganze Reihe verschiedener Verfahrenstechniken wie Ozonierung, Membranfiltration oder Aktivkohledosierung. Die Kläranlage Hamm-West wird mit einer Ozonierung sowie einer Sandfiltration ausgestattet. „Ziel der 4. Reinigungsstufe ist das Herausfiltern von Mikroschadstoffen wie etwa Medikamentenreste, Pflanzenschutzmittel, Korrosionsschutzmittel oder Rückstände von Kosmetikprodukten. Viele dieser Verunreinigungen können von herkömmlichen Kläranlagen ohne vierte Reinigungsstufe nicht effektiv beseitigt werden und gelangen daher in die Gewässer“, sagt Prof. Dr. Frank Obenaus, Vorstand für Wassermanagement und Technik beim Lippeverband.
„Im Rahmen des Programmes Lebendige Lippe renaturieren wir die Lippe im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen. Neue blaugrüne Erlebensräume sind bereits in Hamm, Datteln, Olfen, Dorsten und Wesel entstanden – um nur einige Beispiele zu nennen. Zahlreiche weitere Revitalisierungsprojekte werden wir noch in den kommenden Jahren umsetzen. Entscheidend für die Gewässerqualität in diesen neu entstehenden Auenlandschaften sind jedoch die Kläranlagen, die maßgeblich dazu beitragen, dass neben Quell-, Grund- und Regenwasser nur gereinigtes Abwasser in die Lippe eingeleitet wird. Die Erweiterung der Kläranlage Hamm-West um eine vierte Reinigungsstufe stellt eine wesentliche Ergänzung der naturnahen Umgestaltung des Flusses sowie eine sinnvolle und wichtige Investition in den Lebensraum Lippe dar, den wir in den kommenden Jahren sowohl ökologisch als auch sozial weiter aufwerten werden – mit Mehrwerten für Mensch und Natur“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes.
Liana Weismüller, beim Lippeverband Vorständin für Personal und Nachhaltigkeit, sagt: „Die Modernisierung der Reinigungstechnik auf der Kläranlage Hamm-West wird künftig dafür sorgen, dass nicht nur die blaugrüne Optik der Gewässerlandschaft an der Lippe stimmt, sondern auch die Wasserqualität im längsten Fluss des Landes.“
Die Kläranlage Hamm-West
Die Kläranlage Hamm-West ist das größte Klärwerk des Lippeverbandes in Hamm. Die Anlage stammt aus dem Jahr 1998. Ausgelegt ist sie aktuell für 252.000 Einwohnerwerte (Menschen plus Industrieunternehmen). Im Jahr 2024 wurden in der Kläranlage insgesamt 26.076.665 Kubikmeter gereinigt. Im Durchschnitt fließen dem Werk 985 Liter Abwasser pro Sekunde zu.
Im Zuge des Baus der vierten Reinigungsstufe werden auch die bestehenden vier Nachklärbecken saniert und optimiert. Für die erforderliche Leistungssteigerung wird die Kläranlage zudem um ein fünftes Nachklärbecken erweitert. Dieses zusätzliche Becken ist nicht Bestandteil der Landesförderung.
Nach der aktuellen Planung des Lippeverbandes wird der Umbau der Kläranlage Hamm-West im Herbst 2026 beginnen und bis Ende 2030 dauern.
100 Jahre Lippeverband
Der Lippeverband wurde vor 100 Jahren – am 19. Januar 1926 – gegründet, um die Folgen der Industrialisierung und des Bergbaus in Einklang mit der Natur, der Gesundheit und der Lebensqualität der Menschen zu bringen. Der Verband konnte ohne größere Zeitverluste seine Aufgaben angehen, da sich die Verbandsorgane entschlossen hatten, die Geschäftsführung mit der bereits 1899 gegründeten Emschergenossenschaft zu vereinigen. Man vermied dadurch den Aufbau einer eigenen Verwaltung. Sitz des neuen Verbandes wurde seinerzeit Dortmund. Dort war die Sesekegenossenschaft ansässig, die bereits 1913 nach Vorbild der Emschergenossenschaft gebildet worden war und nun im Lippeverband aufging. Zuständig war der Lippeverband nicht für das gesamte Lippe-Gebiet ab der Quelle, sondern für den industriell stark geprägten Raum unterhalb Lippborg bis zum Rhein bei Wesel – inklusive der Nebenlaufgebiete. Bis heute lebt der Lippeverband als öffentlich-rechtliche Einrichtung das Genossenschaftsprinzip als Leitidee des eigenen Handelns. Weitere Informationen zum Lippeverband sowie zu Veranstaltungen rund um das 100-jährige Bestehen finden interessierte Bürgerinnen und Bürger auf jubilaeum.eglv.de.
Den Förderbescheid für den Ausbau der Kläranlage Hamm-West überreichte NRW-Umweltminister Oliver Krischer in Düsseldorf an Prof. Dr. Uli Paetzel (Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes), Liana Weismüller (Vorständin für Personal und Nachhaltigkeit beim Lippeverband) und Prof. Dr. Frank Obenaus (Vorstand für Wassermanagement und Technik beim Lippeverband).
Die Kläranlage Hamm-West ist die größte Kläranlage des Lippeverbandes in Hamm.
Die Kläranlage Hamm-West ist die größte Kläranlage des Lippeverbandes in Hamm.
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