Meldungsdatum: 19.03.2026
Das Museumsquartier eröffnet am 22.3. um 11:30 Uhr die Sonderausstellung "Van den Yoden" im Kulturgeschichtlichen Museum. Die Ausstellung endet am 30.8.
„Van den Yoden“ erinnert an das Nebeneinander von christlicher Mehrheitsgesellschaft und jüdischer Minderheit im mittelalterlichen Osnabrück. Es währte knapp zwei Jahrhunderte (ca. 1260 bis 1430) und war von gesellschaftlichen wie religiösen Konflikten geprägt.
Die Geschichte der ersten jüdischen Gemeinde(n) in Osnabrück pendelt zwischen Anziehungskraft und Hass. Im christlich-jüdischen Miteinander kontrastierte die gelebte Nähe mit einem tiefen Misstrauen zwischen beiden Religionen. Antijudaismus war Alltag.
1309 vom Osnabrücker Bischof offiziell für den Geldverleih in die Stadt geholt, wurden die jüdischen Menschen während des Pestpogroms von 1350 von ihrer christlichen Nachbarschaft brutal ermordet. Nur wenige Jahre später entstand in der Stadt erneut eine jüdische Gemeinde. Nach 1400 wurden die jüdischen Familien zunehmend ‚entbehrlich‘, weil sich das Geldwesen veränderte und die zuvor geschätzten Vorzüge des jüdischen Geldverleihs nicht länger gefragt waren. 1426 endete die erste Epoche jüdischer Sesshaftigkeit in der Stadt mit letzten Steuerzahlungen.
In der Ausstellung erinnern kostbare Originale des Spätmittelalters, die bislang noch nie gemeinsam präsentiert wurden, an diese besondere Periode Osnabrücker Wirtschafts-, Religions- und Migrationsgeschichte. Am lokalen Beispiel werden die antijudaistischen Wurzeln des Antisemitismus sichtbar. Der durch ihre kulturelle und religiöse Vielfalt geprägten bundesdeutschen Gesellschaft bietet „Van den Yoden“ mit Ausstellung und Begleitprogramm den öffentlichen Raum für eine kritische Auseinandersetzung mit den Jahrhunderte alten Vorurteilen gegen jüdisches Leben.
Das Vermittlungsprogramm eröffnet unterschiedliche Zugänge zur Thematik und stellt Bezüge zur Gegenwart her. Besonders hervorzuheben sind die Stadtrundgänge auf den mittelalterlichen Spuren jüdischen Lebens in Osnabrück; die Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Puppentheater „bubales“ aus Berlin, das im Figurentheater Osnabrück gastiert; die Möglichkeit zum Besuch der Jüdischen Gemeinde, die Einblicke in das jüdische Leben vor Ort gewährt; und eine Podiumsdiskussion zum gegenwärtigen Antisemitismus.
Wertvolle Leihgaben wurden bereitgestellt von
Staatsbibliothek Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Bürgerbibliothek Bern, Schweiz, Historisches Archiv der Stadt Köln, Mindener Museum, Bistumsarchiv Osnabrück, Niedersächsisches Landesarchiv Osnabrück, Pfarrgemeinde St. Johann Osnabrück
Die Ausstellung wurde großzügig gefördert durch
Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen K.d.ö.R., Jüdische Gemeinde Osnabrück K.d.ö.R., Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V., Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Herrenteichslaischaft Osnabrück, Landschaft des ehemaligen Fürstentums Osnabrück, Bistum Osnabrück, Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Osnabrück e.V., Museums- und Kunstverein Osnabrück e.V.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog:
Van den Yoden
Jüdisches Leben im spätmittelalterlichen Osnabrück (1260–1430)
von Thorsten Heese
ISBN 978-3-89946-339-2; 19,90 Euro
Museumsquartier Osnabrück
Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück
www.museumsquartier-osnabrueck.de
Öffnungszeiten: Di - Fr 11-18 Uhr, Sa/So 10-18 Uhr
Pressekontakt: Claudia Drecksträter, 0541/323-4581 dreckstraeter@osnabrueck.de
Antijüdische Darstellung im Codex Gisle, Handschrift, um 1300, Fol. 71v, S. 141 © Bistumsarchiv Osnabrück, MA 101 (Fotografie: Hartwig Wachsmann)
Van den Yoden 2026 v.r.n.l. Dr. Thorsten Heese, Kurator, Laura Igelbrink, Museumslotsin, Nils-Arne Kässens, Direktor © Swaantje Hehmann
„Van den Yoden“ – Eintrag aus der Stadtrechnung mit den fünf zahlungspflichtigen jüdischen Familien des Jahres 1413 © Niedersächsisches Staatsarchiv Osnabrück, Dep. 3 b II, Nr. 525, Bl. 13r
Sämtliche Texte und Fotos können unter Angabe der Quelle frei veröffentlicht werden, Belegexemplare sind willkommen.
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