Meldungsdatum: 20.03.2026

Neuer Mobilitätsfahrplan für Osnabrück: Rund 60 Bürgerinnen und Bürger diskutieren über die Wege der Zukunft

Wie bewegen sich die Menschen in Osnabrück im Alltag? Bei der Auftaktveranstaltung zum neuen Mobilitätsfahrplan im Innovatorium des Coppenrath Innovation Centre hat die Stadtverwaltung am Donnerstagabend aktuelle Analyseergebnisse zur Verkehrssituation vorgestellt. Rund 60 Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, um das Fachwissen der Planungsbüros mit ihren persönlichen Erfahrungen aus der Praxis zu ergänzen.

Der neue Mobilitätsfahrplan soll als strategisches Instrument dienen, um die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen in Osnabrück mit dem Ziel einer besseren Lebensqualität zu erfüllen. „Wir stehen vor der Aufgabe, in einer gewachsenen Stadt mit begrenztem Raum Mobilität neu auszuhandeln“, erklärte Stadtbaurat Thimo Weitemeier zur Begrüßung. Das aktuelle Konzept aus dem Jahr 2010 entspreche nicht mehr den heutigen Anforderungen an den Klimaschutz und die moderne Stadtgestaltung.

Starke Basis: Mehr als die Hälfte aller Wege zu Fuß oder mit dem Rad

Aus diesem Grund hat die Stadt Osnabrück die Planungsbüros PTV Group, IGS und P.3 mit der Erarbeitung des neuen Mobilitätsfahrplans beauftragt. Dass die Grundlagen hierfür gut sind, verdeutlichte der stellvertretende Projektleiter Julian Wulf von der PTV Group unter Verweis auf die aktuelle SrV-Studie (System repräsentativer Verkehrsbefragungen) von 2025, die eine positive Entwicklung für den sogenannten Umweltverbund dokumentiert: 27 Prozent der täglichen Wege legen die Osnabrückerinnen und Osnabrücker zu Fuß zurück, weitere 27 Prozent mit dem Rad. Zusammen mit dem Busverkehr (8 Prozent) werden bereits 62 Prozent aller Wege mit klimafreundlichen Verkehrsmitteln absolviert.

Besonders deutlich wird der Wandel beim sogenannten Binnenverkehr – also den Wegen, die innerhalb der Stadtgrenzen starten und enden: Hier werden weniger als ein Drittel aller Wege (29 Prozent) mit dem Auto zurückgelegt. Dennoch bleibe das Auto bei längeren Distanzen und Pendlerbeziehungen das dominierende Verkehrsmittel, was den Handlungsbedarf für den neuen Mobilitätsfahrplan unterstreiche, so Wulf.

Spannungsfelder und gegenseitige Akzeptanz

In einer ersten Arbeitsphase benannten die Teilnehmenden konkrete Stärken und Schwächen. Dabei wurden deutliche Spannungsfelder sichtbar: Während etwa die Verfügbarkeit von Parkhäusern als Stärke genannt wurde, sahen andere im Vorrang des Autos eine Schwäche. Michael Vieten von der beteiligten Agentur P.3 unterstrich: „Eine zentrale Aufgabe dieses Prozesses ist es, dass wir uns in die Situation anderer Verkehrsteilnehmender hineinversetzen.“ Da es niemals eine für alle Beteiligten gleichzeitig optimale Lösung geben könne, müsse der Fokus auf der gemeinsamen Erarbeitung von Kompromissen liegen, um eine breite Akzeptanz für die künftigen Planungsschritte zu schaffen.

Dynamischer Fahrplan und Online-Beteiligung

Der neue „Fahrplan“ soll der Verwaltung und der Politik als strategischer Orientierungsrahmen dienen. Roman Karl, Leiter des Referats für strategische Mobilitätsplanung, kündigte an, den Dialog kontinuierlich fortzusetzen. Parallel zur Veranstaltung wurde hierfür ein Online-Beteiligungsportal freigeschaltet. Unter www.osnabrueck.de/mobilitaetsfahrplan können alle Interessierten ohne vorherige Anmeldung ihre Anregungen auf einer interaktiven Karte eintragen. Perspektivisch plant die Stadtverwaltung zudem offene Sprechstunden, um den direkten Austausch weiter zu vertiefen.

Zum Hintergrund: Was ist der Mobilitätsfahrplan?

Der Mobilitätsfahrplan der Stadt Osnabrück basiert auf dem Konzept des sogenannten „Sustainable Urban Mobility Plan“ (nachhaltiger urbaner Mobilitätsplan), kurz SUMP. Dabei handelt es sich um einen strategischen Planungsansatz, den die Europäische Union als Standard für die Mobilitätsgestaltung in Städten etabliert hat. Ein SUMP hat zum Ziel, die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen und der Wirtschaft mit einer höheren Lebensqualität in Einklang zu bringen. Im Gegensatz zur klassischen Verkehrsplanung betrachtet dieser Ansatz alle Verkehrsarten – vom Fuß- und Radverkehr über den öffentlichen Personennahverkehr bis zum Auto – als integriertes Gesamtsystem. Ein zentrales Merkmal ist die frühzeitige und transparente Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Für Städte mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist die Erstellung eines solchen Plans bis Ende 2027 auf EU-Ebene vorgesehen. In Osnabrück dient der Mobilitätsfahrplan zudem als wesentliches Instrument, um das Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2040 zu erreichen.

 

 

Pressekontakt: Constantin Binder | Telefon 0541 323-4556 | E-Mail binder@osnabrueck.de


Zu dieser Meldung können wir Ihnen folgende Medien anbieten:

Auftakt Mobilitätsfahrplan - Thimo Weitemeier

©  Constantin Binder
Auftakt Mobilitätsfahrplan - Thimo Weitemeier

Stadtbaurat Thimo Weitemeier erläutert im Innovatorium des Coppenrath Innovation Centre die Ziele des Mobilitätsfahrplans.


Auftakt Mobilitätsfahrplan - Präsentation

©  Constantin Binder
Auftakt Mobilitätsfahrplan - Präsentation

Der stellvertretende Projektleiter Julian Wulf von der PTV Group fasst die aktuellen Erkenntnisse zum Mobilitätsverhalten zusammen.


Auftakt Mobilitätsfahrplan - Beteiligung

©  Constantin Binder
Auftakt Mobilitätsfahrplan - Beteiligung

In einer ersten Arbeitsphase des Mobilitätsfahrplans benannten die Teilnehmenden konkrete Stärken und Schwächen.