Meldungsdatum: 02.04.2026
Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Kreis Borken hat sich jetzt zu seiner jährlichen Vollversammlung in der Kreisverwaltung in Borken getroffen. Der Ausschuss ist vom Land Nordrhein-Westfalen eingesetzt und erledigt seine Aufgaben mithilfe einer Geschäftsstelle im Fachbereich Geoinformation und Liegenschaftskataster der Kreisverwaltung. Zusammen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Geschäftsstelle erörterte er die Umsätze der verschiedenen Immobilienmärkte und die Ergebnisse der daraus abgeleiteten statistischen Daten für den Grundstücksmarkt.
Nachdem die Zahl der verkauften Immobilien in den Jahren 2021 bis 2024 kontinuierlich um fast 30 Prozent abnahm, konnte für das Berichtsjahr 2025 im Zuständigkeitsbereich des Gutachterausschusses (Kreis Borken ohne die Stadt Bocholt) erstmals wieder ein deutlicher Anstieg an Immobilienverkäufen beobachtet werden. So wechselten im Jahr 2025 fast 3.000 Immobilien die Eigentümerin oder den Eigentümer. Im Vorjahr waren es noch rund 2.600 registrierte Kaufverträge über Immobilien. Der Geldumsatz stieg dabei gegenüber dem Vorjahr um knapp 30 Prozent auf rund 900 Millionen Euro.
Ein Zuwachs bei den Verkaufszahlen konnte für fast alle Teilmärkte verzeichnet werden. Bei den Baugrundstücken für den individuellen Wohnungsbau wurden beispielsweise 193 Kauffälle registriert. Im Vergleich zum Vorjahr entsprach dies einem Anstieg von rund 30 Prozent. Die Preise stagnierten hier in den meisten Gemeinden und Ortsteilen auf Vorjahresniveau. In der Gemeinde Heiden und dem Ortsteil Nienborg der Gemeinde Heek stiegen die Bodenrichtwerte dagegen um zehn Euro je Quadratmeter. Der Durchschnittspreis im Kreis Borken stieg gegenüber dem Vorjahreswert von 183 auf rund 184 Euro pro Quadratmeter.
Bei den Bodenrichtwerten gibt es eine Besonderheit: In einzelnen Städten und Gemeinden wurden in den letzten Jahren immer mal wieder aufgrund von sehr hochpreisigen Verkäufen in zentrierten Lagen aus einzelnen bereits bestehenden Bodenrichtwertgebieten kleinere Teilbereiche separiert. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um eine Nachverdichtung im Bereich der Kampstraße in Borken. Hier liegt der Bodenrichtwert zum 01.01.2026 bei 320 Euro je Quadratmeter Grundstücksfläche. Ein anderes Beispiel zeigt ein Gebiet westlich der Sophie-Scholl-Straße in Rhede: Dort wurde ebenfalls zum Stichtag 01.01.2026 für einen Teilbereich eine eigene Bodenrichtwertzone mit einem Richtwert von 325 Euro je Quadratmeter ausgewiesen. Diese hochpreisigen Verkäufe wirkten sich in den meisten Fällen allerdings noch nicht auf die direkt angrenzenden Bodenrichtwertgebiete aus. Hier haben die Kaufpreise aus dem Jahr 2025 den bisherigen Bodenrichtwert bestätigt.
Einen nicht unwesentlichen Anteil am Grundstücksmarkt haben regelmäßig die sogenannten „Bauträgerverträge“. Investoren und Bauträger erwerben oft noch intakte Immobilien, jedoch mit dem Ziel, diese Grundstücke mit Mehrfamilienhäusern zu bebauen. Derartige Kaufverträge werden in den Ausschusssitzungen zwar vorgestellt, haben aber einen anderen Einfluss als Verträge über tatsächlich unbebaute Grundstücke.
Im Gegensatz zu anderen Teilmärkten sank die Zahl der Erbbaurechtsbestellungen im Jahr 2025 erneut, von 22 auf 19 Kauffälle. Im Geschosswohnungsbau, den Grundstücken für Drei- oder Mehrfamilienhäuser, wurden kreisweit 16 Kaufverträge registriert, ebenfalls weniger als im Vorjahr (23). Bei den gewerblichen Bauflächen konnten im Berichtsjahr insgesamt 35 Fälle den Weg in die Kaufpreissammlung finden. Im Vergleich zum Vorjahr entsprach dies einem Anstieg von rund 35 Prozent.
Die Zahl der verkauften landwirtschaftlichen Nutzflächen lag mit insgesamt 124 Fällen erstmals seit 2016 wieder über der Marke von 100 Kauffällen. Der durchschnittlich gezahlte Kaufpreis stieg auch in 2025 wieder und betrug rund 14 Euro je Quadratmeter Acker bzw. Grünland. Die höchsten Preise wurden hier im vergangenen Jahr in Heek gezahlt, wo der Bodenrichtwert für einen Quadratmeter Acker zum Stichtag 01.01.2026 um 1,50 Euro auf 16,50 Euro angehoben werden musste. Der höchste Preisanstieg konnte in Schöppingen verzeichnet werden. Hier musste der Gutachterausschuss den Bodenrichtwert um stolze 3,50 Euro anheben. In dieser Gemeinde beträgt der Bodenrichtwert für einen Quadratmeter Acker nun 15,50 Euro. Nur im Gebiet der Stadt Borken sanken die Kaufpreise für landwirtschaftliche Nutzflächen derart, dass der Bodenrichtwert hier von 14,40 Euro auf 14 Euro gesenkt wurde. In den meisten Kommunen stiegen die Richtwerte in diesem Segment um Beträge zwischen 50 Cent und 3,50 Euro.
In Isselburg ist der Bodenrichtwert mit 11,10 Euro im Vergleich zum Vorjahr unverändert geblieben und gleichzeitig auch weiterhin der niedrigste Wert im Zuständigkeitsbereich des Gutachterausschusses. In Ahaus, Heiden, Südlohn und Velen blieben die Richtwerte für Ackerflächen ebenfalls unverändert. Anders als in den vergangenen Jahren konnte im Jahr 2025 erstmals kein signifikanter Einfluss der Flächengröße auf den Kaufpreis von landwirtschaftlichen Nutzflächen ab einer Größe von mehr als einem Hektar festgestellt werden.
Die Verkaufszahlen der Ein- und Zweifamilienhäuser stiegen im Berichtsjahr auf insgesamt 737 Fälle (+ 11 Prozent). Die meisten Immobilien wurden zu Preisen bis 350.000 Euro verkauft. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei rund 300.000 Euro.
Der durchschnittliche Kaufpreis für ein freistehendes Ein- bzw. Zweifamilienhaus ist von 347.000 Euro auf rund 370.000 Euro gestiegen. Bei den Doppelhaushälften und Reihenendhäusern hat sich ein wesentlich geringerer Preisanstieg abgezeichnet. Hier ist der Vorjahreswert um lediglich 3.000 Euro auf nun rund 298.000 Euro gestiegen.
Die Zahl der verkauften Eigentumswohnungen stieg um rund 30 Prozent auf kreisweit 391 Fälle. Der Preis einer Neubauwohnung stieg von bisher 3.810 Euro auf 3.970 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Die Wohnfläche lag dabei wie auch bereits im Vorjahr bei etwa 77 Quadratmetern. Im Spitzenjahr 2022 betrug der Neubaupreis noch rund 3.140 Euro. Nur drei Jahre später müssen Kaufinteressenten schon fast 4.000 Euro für den Quadratmeter Wohnfläche für eine Neubauwohnung auf den Tisch legen. Der Durchschnittspreis einer gebrauchten Eigentumswohnung mit einem mittleren Baujahr von 1995 und einer Wohnungsgröße von 80 Quadratmetern lag im Berichtsjahr kreisweit bei 2.450 Euro je Quadratmeter Wohnfläche.
Ein wesentlicher Bestandteil der jährlichen Vollversammlung des Gutachterausschusses sind die mathematisch-statistischen Auswertungen der Grundlagendaten für Immobiliensachverständige. Aber auch für private Anwender oder andere Behörden bzw. Institutionen ist zum Beispiel das „Produkt“ der Immobilienrichtwerte interessant. Diese werden für Eigentumswohnungen sowie für Ein- und Zweifamilienhäuser jeweils auf Gemeinde- und zum Teil auf Ortsteilebene ermittelt und unter www.boris.nrw.de veröffentlicht. Mit diesen Richtwerten und den zugehörigen Immobilien-Preis-Kalkulatoren lassen sich durch Eingabe verschiedener Merkmale genäherte Verkehrswerte für die eigene Immobilie ermitteln. Die Benutzung ist wie bei allen Produkten unter BORIS.NRW.de kostenfrei. Zu den Ergebnissen können auch Ausdrucke erzeugt werden.
Dies und vieles mehr stellt der Gutachterausschuss in seinem Grundstücksmarktbericht 2026 für alle kostenfrei im Internet zur Verfügung. Die neuen Bodenrichtwerte können auf der Homepage des Gutachterausschusses unter https://gutachterausschuss.kreis-borken.de, dort unter „Geodatenatlas“, und unter www.boris.nrw.de eingesehen und abgefragt werden. Fragen zu den Produkten des Gutachterausschusses werden bei der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Kreis Borken beantwortet. Sie ist erreichbar unter der Telefonnummer 02861/681-1705.
Hinweis an die Redaktionen:
Der komplette Grundstücksmarktbericht steht unter www.boris.nrw.de zum Download bereit. Er enthält noch zahlreiche weitere Daten.
Für Rückfragen zu fachlichen Inhalten dieses Presseartikels: 02861/681-6303.
Pressekontakt: Anna-Maria Levers 02861/681-2429
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