Meldungsdatum: 30.04.2026

„Widerstand in Glitzer“: Berliner Kollektiv „König“ mit dem 35. Rosa-Courage-Preis in Osnabrück ausgezeichnet

Jubiläum eines renommierten Preises mit Dragkings, ehemaligen Preisträgerinnen und Preisträgern, dem Goldenen Buch der Stadt Osnabrück, Stolz auf das Erreichte und erstaunlich viel Glitzer im Osnabrücker Friedenssaal: Zum 35. Mal wurde der renommierte Preis „Rosa Courage“ im Rahmen des queeren Kulturfestivals „Gay in May“ verliehen.

In diesem Jahr ging die Auszeichnung an das Berliner Kollektiv „König“. Das Ensemble aus Dragkings wurde für sein herausragendes Engagement in der Bildungsarbeit, den Einsatz für Intersektionalität und die Sichtbarkeit queeren Lebens im ländlichen Raum gewürdigt.

Ein politisches Statement für die Freiheit

Oberbürgermeisterin Katharina Pötter betonte in ihrer Festrede die tiefe Bedeutung des Preises für die Friedensstadt. Dass die Verleihung traditionell im Rathaus stattfinde, sei ein bewusstes politisches Signal: „Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg. Frieden ist auch die Anwesenheit von Freiheit“, so Pötter.

Das Kollektiv „König“ verkörpert diese Freiheit, indem es Menschen dazu ermutige, authentisch zu leben und starre Rollenbilder zu hinterfragen.

Drag als Bildungsarbeit und Brückenschlag

In ihrer Laudatio hob die Oberbürgermeisterin hervor, dass die Kunst des Kollektivs weit über bloße Unterhaltung hinausgeht. In sogenannten „Drag-Laboratorien“ dekonstruiert die Gruppe Geschlechterrollen und vermittelt insbesondere jungen Menschen, dass Identität nichts Starres, sondern etwas Gestaltbares ist. Besonders würdigte Pötter den Mut des Kollektivs, die „Berliner Blase“ zu verlassen und dorthin zu gehen, wo queere Infrastrukturen oft fehlen: in den ländlichen Raum. „Queeres Leben muss überall möglich, sicher, sichtbar und selbstverständlich sein“, forderte sie.

Klare Kante gegen Hass und Polarisierung

Angesichts zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung und gezielter Desinformation fand Katharina Pötter deutliche Worte. Sie kritisierte Mythen, die queere Sichtbarkeit als Gefahr für das Kindeswohl darstellen wollen: „Es sind nicht die Menschen mit bunten Haaren und Make-up auf der Bühne, die diese Gesellschaft gefährden. Gefährlich sind diejenigen, die Angst säen.“

Der Friedenssaal war an diesem Abend gut gefüllt. Was unter anderem daran lag, dass auch einige Preisträgerinnen und Preisträger der vergangenen Jahre vor Ort waren.

Ann-Cathrin Röttger und Elias Janssen vom Vorstand Gay in May blickten auf 35 Jahre zurück. In dieser Zeit wurde viel erreicht, aber es es gibt auch immer wieder Rückschritte. „Deshalb ist dieser Preis so wichtig!“  

Die Laudatio hielt Leonie Plaar, sie ist Autorin, politische Aktivistin, Historikerin. Sie wies darauf hin, dass gerade die Geschichte der Dragkings in der Geschichte nicht den Platz eingenommen hat, den sie verdient hätte. „Umso mehr freue ich mich, dass dieser Abend der fleischgewordene Alptraum des Patriachats ist“, sagte sie. „Wenn wir unbequem sind, dann ist das gut! Eure Arbeit ist richtig und wichtig und sie braucht viele Nachahmer.“

Über den Rosa-Courage-Preis

Der Rosa-Courage-Preis wird seit 1992 in Osnabrück verliehen und würdigt Personen oder Gruppen, die sich in besonderer Weise für die Belange von LSBTIQA*-Personen (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans-, Inter-, Queere und Asexuelle) einsetzen. Er ist fester Bestandteil des Festivals „Gay in May“, dem ältesten queeren Kulturfestival Deutschlands.

Weil der Preis Jubiläum feiert, kamen mehrere frühere Preisträgerinnen und Preisträger nach Osnabrück, um sich in das Goldene Buch der Stadt einzutragen.

Pressekontakt: Silke Brickwedde | Telefonnummer 0541/ 323-2328 | E-Mail brickwedde@osnabrueck.de


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©  Stadt Osnabrück, Silke Brickwedde
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Der Rosa Courage-Preis 2026 geht an das Kollektiv König mit Ark Lucia (links), Francis Hanlon (Zweiter von links) und knieend (links) Papi Pistola und Buba Sababa und Ruco la Pesto. Es gratulieren: Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (mit Kette), Ann-Cathrin Röttger (Vorstand Gay in May), die Laudatorin Leonie Plaar und Elias Janssen vom Vorstand Gay in May.