Meldungsdatum: 06.05.2026
Mittwochvormittag, Marie-Curie-Gymnasium, 2. Obergeschoss. Aus mehreren Räumen ertönt ein rhythmisch klackerndes Geräusch. Durch die offenen Türen sieht man Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe EF in Aktion. Heute steht nicht wie sonst Mathe oder Deutsch auf dem Stundenplan, sondern Reanimations-Training.
„Wenn du mit dem anderen Ohr die Atmung kontrollierst, kannst du gleichzeitig sehen, ob sich der Brustkorb hebt und senkt“, sagt Oliver Weber gerade. Er ist Ärztlicher Leiter Rettungsdienst beim Kreis Recklinghausen und gehört heute zu dem Team, das die Grundlagen der Reanimation vermittelt. Es sind oft Kleinigkeiten, die aber einen großen Unterschied machen können: „Versuch mal, deinen Oberkörper etwas weiter über den Brustkorb zu bringen. Das spart Kraft.“
Erst gehen viele Jugendliche noch zögerlich an die Sache heran. Doch mit der Zeit schwindet die Zurückhaltung. „Etwa ein Drittel eindrücken“, hatte Johannes Neicke, ärztliche Leitung Rettungsdienst, im Theorie-Teil erklärt. Das sei wichtig für eine ausreichende Kompression des Herzens.
Und so drücken Katja, Mia, Fiete, Nelli und ihre Mitschüler im Takt der eingespielten Musik die Brustkörbe der Reanimations-Puppen ein, um deren „Leben“ zu retten.
„Es gibt eine ganze Reihe von Liedern, deren Rhythmus ein guter Taktgeber für die Reanimation ist“, verrät Notfallsanitäter Bernd Krampe. Stayin‘ Alive von den Bee Gees, Dancing Queen von ABBA und Flowers von Miley Cyrus gehören dazu. „Auch Atemlos von Helene Fischer oder die Biene Maja von Karel Gott eignen sich gut als Taktgeber für die Herzdruckmassage, die 100 bis 120 Schläge pro Minute betragen sollte.“ Und die sollte bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand so schnell wie eben möglich beginnen.
„An unserer Schule begleiten die Schulsanitäter und Schulsanitäterinnen der zehnten Klassen die Schulung der anderen Jahrgänge“, sagt Kathryn Fabian. Sie koordiniert am MCG den Schulsanitätsdienst, der vor acht Jahren eingeführt wurde. „Die Schüler und Schülerinnen machen das richtig gut“, freut sie sich.
Auch an diesem Mittwoch unterstützen die Schulsanitäterinnen und - sanitäter das Team, das die Reanimation anleitet. Dazu gehören neben den Mitarbeitern des Bevölkerungsschutzes der Kreisverwaltung auch einige Ehrenamtler, denen das Thema am Herzen liegt.
Jessica Ayoub ist eine von ihnen: „Mir ist wichtig, dass wir jungen Menschen schon beibringen, wie wichtig Zivilcourage ist – und dass Helfen Spaß macht.“
„Wir sehen das im Alltag. Viele machen für den Führerschein einen Erste-Hilfe-Kurs, aber das war es dann auch. Darum möchte ich das Wissen schon früh an die Kinder weitergeben“, fügt Katharina Gierbarth hinzu.
Beide haben langjährige Erfahrungen aus ihrer krankenpflegerischen Tätigkeit auf der Intensivstation und wissen wie wichtig sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen für ein gutes Überleben sind.
Hannah ist die Jüngste im Team der Ehrenamtlichen. Sie macht eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin. Sie kann den Schülern aus erster Hand berichten: „Seit ich im Rettungsdienst arbeite, sehe ich regelmäßig, dass die Patienten viel bessere Chancen haben, wenn sofort jemand mit der Reanimation begonnen hat.“
Hendrik Herbarth ergänzt: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man immer wieder zu Einsatzstellen kommt, wo Menschen um den Patienten herumstehen, aber nichts machen. Wir wollen Ängste abbauen und die Schüler zum beherzten Handeln animieren, denn bei der Reanimation kann man ganz ohne Hilfsmittel helfen. Das wollen wir auf spielerische Weise vermitteln.“
Und so kommt es zum Abschluss in der Aula des MCG zur großen Reanimations-Challenge. Die sechs Gruppen, die in unterschiedlichen Räumen ihr Reanimations-Training absolviert haben, treten gegeneinander an. Sechs Puppen liegen auf dem Boden bereit. Über die Boxen wird Musik eingespielt – und dann heißt es: „Drei, zwei, eins, los!“
Noch einmal geben die Schülerinnen und Schüler ihr Bestes. Die Reanimations-Puppen sind technisch gut ausgestattet. Sie registrieren genau, wie gut die Herzdruckmassage ausgeführt wird. Ist der Druck stark genug? Ist der Rhythmus passend? Wie fließend sind die Übergänge zwischen den Personen, die reanimieren? Alles wird von den Puppen erfasst. Auf der Leinwand zeigen sechs Rettungswagen-Symbole an, wie gut die einzelnen Teams arbeiten.
Es gewinnt das grüne Team, dicht gefolgt von rot und pink. Die beste Nachricht verkündet Johannes Neicke nach dem Ergebnis: „Alle Patienten hätten realistische Überlebenschancen. Ihr habt das richtig gut gemacht.“
Ergänzende Information:
Ab dem Schuljahr 2026/27 werden Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 7 bis 9 (Sekundarstufe I) verpflichtend in Laienreanimation ausgebildet. Jede Schule entscheidet eigenständig darüber, wie sie die Verpflichtung unter den jeweils vorliegenden Rahmenbedingungen umsetzt. Die Ausbildung in Laienreanimation erfolgt in einer Doppelstunde und macht Schülerinnen und Schüler mit dem lebensrettenden Schema „Prüfen – Rufen – Drücken“ vertraut.
Quelle: Ministerium für Schule und Bildung des Landes NRW
Kontakt: Öffentlichkeitsarbeit, Svenja Küchmeister, Telefon: 02361/534512, E-Mail: s.kuechmeister@kreis-re.de
Oliver Weber, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst bei der Kreisverwaltung, erklärt den Schülerinnen und Schülern der Stufe EF anschaulich, was bei der Herzdruckmassage zu berücksichtigen ist.
Während Nelli reanimiert, überprüft Jessica Ayoub im Hintergrund die digitale Dokumentation des Trainings.
Zum Abschluss des Reanimations-Trainings traten die sechs Teams in einer Reanimations-Challenge gegeneinander an. Auf der Leinwand war das enge Kopf-an-Kopf-Rennen zu sehen. Wichtiger war jedoch, die Herzdruckmassage richtig durchzuführen und die Übergaben gut abzustimmen, denn all das wurde von den Puppen registriert.
Während die einen reanimierten, warfen die anderen gespannte Blicke auf die Leinwand.
Johannes Neicke verkündet das Ergebnis - und die frohe Kunde, dass alle Teams einen erfolgreichen Job gemacht haben.
Herausgeber: Kreis Recklinghausen
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