Meldungsdatum: 11.05.2026
Auf den ersten Blick sieht dieses Objekt fast wie eine Schere aus. Haare wurden damit jedoch nicht geschnitten, sondern geformt. Die Ondulierschere, auch Brennschere oder Wellenzange genannt, diente dazu, Haarsträhnen mit Hilfe von Wärme in Locken oder Wellen zu legen. Vor der Benutzung wurden die metallenen Backen erhitzt, zum Beispiel am Herd, über einer Flamme oder mit einem speziellen Brenner. Die Holzgriffe schützten dabei die Hände vor der Hitze. Anschließend klemmte man einzelne Haarpartien zwischen die warmen Formflächen. So entstanden sorgfältig gelegte Wellen, Locken oder ganze Frisuren.
Die Anwendung verlangte Erfahrung und Fingerspitzengefühl. War das Eisen zu kühl, hielt die Frisur nicht. War es zu heiß, konnten Haare versengt oder die Kopfhaut verletzt werden. Wer mit einer Ondulierschere arbeitete, musste also genau wissen, wann die richtige Temperatur erreicht war. Solche Geräte wurden in Friseursalons, von Perückenmachern und auch im Haushalt verwendet. Sie erzählen von einer Zeit, in der Haarmode viel Geduld und Geschick erforderte. Noch bevor elektrische Lockenstäbe verbreitet waren, wurde das Haar mit einfachen, aber wirkungsvollen Wärmewerkzeugen in Form gebracht. Die Nutzungszeit der Ondulierschere fiel in eine Zeit großer Veränderungen. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert prägten Industrialisierung, wachsende Städte, Warenhäuser, Modezeitschriften und Fotografie immer stärker das äußere Erscheinungsbild. Frisuren wurden durch Bilder, Werbung und gedruckte Vorlagen schneller bekannt. Gleichzeitig gewann das Friseurhandwerk an Bedeutung. Gepflegtes und modisch geformtes Haar wurde zu einem sichtbaren Zeichen von Geschmack, Modernität und gesellschaftlicher Zugehörigkeit.
Foto: Stadtmuseum Bocholt, Inv. Nr. 2023/14, Konvolut Brands
Pressekontakt: Stadt Bocholt, Büro des Bürgermeisters, Presse- und Informationsdienst, Tobias Rodig, tobias.rodig@bocholt.de
Sämtliche Texte und Fotos können unter Angabe der Quelle frei veröffentlicht werden, Belegexemplare sind willkommen.
Die Pressestelle " Stadt Bocholt - Fahrradfreundliche Stadt im Münsterland" ist Mitglied bei presse-service.de [ www.presse-service.de]. Dort können Sie Mitteilungen weiterer Pressestellen recherchieren und als RSS-Feed oder E-Mail abonnieren.