Meldungsdatum: 08.06.2026

Stolperschwelle in der Bahnhofstraße erinnert an Opfer von Zwangsarbeit, Kriegsgefangenschaft und KZ-Haft

Mit der Verlegung einer Stolperschwelle an einem zentralen und belebten Ort in der Innenstadt hat die Kreisstadt Unna am Montag, 8. Juni, ein bleibendes Zeichen der Erinnerung gesetzt. Die Stolperschwelle in der Bahnhofstraße gedenkt aller Zwangsarbeitenden, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge, die während der nationalsozialistischen Herrschaft in Unna eingesetzt, entrechtet, ausgebeutet und ermordet wurden. Die Verlegung der Stolperschwelle erfolgte auf einen einstimmigen Beschluss des Kulturausschusses.

Bürgermeister Dirk Wigant betonte bei der Veranstaltung die Bedeutung des Ortes: „Erinnerung gehört nicht an den Rand. Erinnerung gehört in die Mitte unserer Stadt.“ Die Bahnhofstraße sei ein Ort des Alltags, an dem täglich viele Menschen unterwegs sind – genau dort solle Geschichte sichtbar bleiben und zum Innehalten anregen. Die Stolperschwelle wurde zwischen den Häusern Bahnhofstraße 32 und 33, auf Höhe der Commerzbank-Filiale und des Müller-Kaufhauses, in das Straßenpflaster eingelassen – an der Stelle des ehemaligen Viehtors.

Sie unterscheidet sich von den bekannten Stolpersteinen: Während Stolpersteine an einzelne, namentlich bekannte Schicksale erinnern, lenkt die Stolperschwelle den Blick auf eine Opfergruppe – auf viele Menschen, deren Namen heute oft nicht mehr bekannt sind. „Aber hinter jeder Zahl stand ein Mensch, ein Gesicht, eine Familie“, erinnerte Dirk Wigant.

Eigentlich war geplant, dass der Künstler Gunter Demnig die Stolperschwelle persönlich verlegt. Krankheitsbedingt konnte Demnig den Termin jedoch nicht wahrnehmen, sein Mitarbeiter Frank-Matthias Mann vertrat ihn. Bürgermeister Dirk Wigant dankte Mann für sein kurzfristiges Einspringen und richtete einen weiteren persönlichen Dank an Jürgen Düsberg und den VHS-Arbeitskreis Spurensuche, der die Verlegung angeregt hatte und die Erinnerungsarbeit in Unna seit vielen Jahren mit großer Beharrlichkeit und akribischer historischer Recherche trägt.

Nicht zuletzt galt der Dank des Bürgermeisters den Schülerinnen und Schülern der Werner-von-Siemens-Gesamtschule, die der Veranstaltung mit Musik- und Wort-Beiträgen einen würdigen Rahmen verliehen. „Dass junge Menschen sich mit dieser Geschichte auseinandersetzen, Fragen stellen und Haltung entwickeln, ist für unsere Gesellschaft von großer Bedeutung. Erinnerungskultur hat nur dann Zukunft, wenn sie weitergegeben wird. Nicht als Pflichtstoff, sondern als Teil unseres demokratischen Selbstverständnisses“, betonte der Bürgermeister.

Die Verlegung von Stolpersteinen in Unna ist Teil des Projekts „Unna ohne Rassismus – Unna mit Courage“, das sich gegen jede Form von Diskriminierung einsetzt. Der Arbeitskreis Spurensuche und das Stadtarchiv Unna erforschen Schicksale und Lebenswege der im Nationalsozialismus verfolgten und misshandelten Menschen. Seit 2007 sind in Unna über 300 Stolpersteine verlegt worden, für Jüdinnen und Juden und Opfer der sogenannten Euthanasie, des systematischen Massenmords an Menschen mit Behinderung, die von den Nationalsozialisten als „lebensunwert“ klassifiziert wurden. Die Stolpersteine liegen in der Regel dort, wo die Opfer einst gewohnt und gelebt haben.

Die nächste Verlegung von Stolpersteinen erfolgt am kommenden Dienstag, 16. Juni, an verschiedenen Stellen in Hemmerde und Lünern, dann unter Mitwirkung von Schülerinnen und Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Unna.


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Stolperschwelle

©  Kevin Kohues/Kreisstadt Unna
Stolperschwelle

Die Stolperschwelle in der Bahnhofstraße trägt die Inschrift: „Unna 1939 – 1945 Mehrere tausend KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene und Menschen aus ganz Europa müssen Zwangsarbeit leisten in Bergbau, Industrie und Landwirtschaft, bei der Stadt, der Reichsbahn und der Wehrmacht, im Handwerk und in Privathaushalten. Gedemütigt – entrechtet – misshandelt – ermordet“.


Wigant dankt Schülern

©  Kevin Kohues/Kreisstadt Unna
Wigant dankt Schülern

Bürgermeister Dirk Wigant bedankte sich bei Schülerinnen und Schülern der Werner-von-Siemens-Gesamtschule für ihre Beiträge zu der Verlegung der Stolperschwelle in der Bahnhofstraße.


Jürgen Düsberg

©  Kevin Kohues/Kreisstadt Unna
Jürgen Düsberg

Auch Pfarrer i.R. Jürgen Düsberg sprach bei der Verlegung der Stolperschwelle an der Bahnhofstraße.