Meldungsdatum: 09.06.2026

Versorgung vor Ort gefährdet: Kliniken der Region beziehen gemeinsam Stellung und warnen vor den Folgen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes

Das Klinikum Hanau, das St. Vinzenz-Krankenhaus Hanau und die varisano GmbH mit den varisano Kliniken des Main-Taunus-Kreises und dem varisano Klinikum Frankfurt Höchst haben sich heute bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Hanau geschlossen zum Gesetzentwurf der Bundesregierung für ein GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz positioniert.

An ihrer Seite: Dr. Maximilian Bieri, Bürgermeister der Stadt Hanau und Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Hanau, der die besondere Verantwortung der öffentlichen Hand betont: „Die Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung ist eine zentrale Aufgabe der kommunalen Daseinsvorsorge. Das Klinikum Hanau spielt dabei eine Schlüsselrolle – nicht nur medizinisch, sondern auch als einer der größten Arbeitgeber unserer Stadt. Wir nehmen diese Verantwortung sehr ernst. Gleichzeitig muss klar sein: Die Kommunen können strukturelle Defizite im Gesundheitswesen nicht dauerhaft ausgleichen. Deshalb ist jetzt die Bundespolitik gefragt, für verlässliche und auskömmliche Rahmenbedingungen zu sorgen.“

Einigkeit besteht darüber, dass Beitragsstabilität ein legitimes Ziel ist. Die beteiligten Kliniken treten jedoch für gezielte und vertretbare Maßnahmen ein, die die Versorgung vor Ort nicht gefährden. Bereits heute schreiben über 70 Prozent der Krankenhäuser in Hessen nachhaltig rote Zahlen – mit weiter steigender Tendenz. Das geplante GKV-Spargesetz des Bundes würde in dieser Form die Finanzierung der Häuser weiter kürzen – mit direkten Folgen für Notaufnahmen, Pflegepersonal und die wohnortnahe Versorgung der Bürgerinnen und Bürger der Region.

Besonders kritisch sehen die Verantwortlichen die Gleichzeitigkeit von finanziellen Einschnitten und strukturellem Umbau. Die Krankenhäuser in Deutschland befinden sich mitten in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, müssen Versorgungsangebote neu ausrichten, Strukturen modernisieren, in Infrastruktur investieren und neue Kooperationen eingehen. „Man kann uns nicht gleichzeitig umbauen und austrocknen“, sagt Stefan Gröger, Geschäftsführer des Klinikums Hanau. Die Notaufnahme des Hauses behandle jährlich mehr als 50.000 Fälle und sei damit eine zentrale Anlaufstelle weit über die Stadt hinaus.

Michael Sammet, Geschäftsführer des St. Vinzenz-Krankenhauses Hanau, machte auf die besondere Situation freigemeinnütziger Träger aufmerksam: „Als freigemeinnütziger Träger erhalten wir zur Refinanzierung von Verlusten keine Zuschüsse aus kommunalen Mitteln. Für eine tragfähige stationäre und ambulante Versorgung der Bevölkerung sind beide Hanauer Krankenhäuser unverzichtbar. Auch in der Notfallversorgung leistet das St. Vinzenz-Krankenaus Hanau mit rd. 20.000 Patienten im Jahr einen wichtigen Beitrag. Auf der Kostenseite besteht für die Kliniken kaum Handlungsspielraum für Einsparungen. Aufgrund des Iran-Konfliktes steigen die Sachkosten aktuell vielmehr massiv an. Dies wird die ohnehin bestehende Finanzierungslücke der Krankenhäuser weiter vergrößern. Um die Kürzungen aus dem GKV-Spargesetz zu kompensieren, müsste jedes Krankenhaus in Deutschland rd. 10 Prozent des Personals abbauen. Wir stehen zur Reform und wollen sie aktiv mitgestalten – aber nicht auf Kosten der Versorgungssicherheit und unserer Beschäftigten.“

Den überregionalen Blick brachte Dr. med. Patrick Frey, Geschäftsführer der varisano Kliniken in Frankfurt und im Main-Taunus-Kreis, ein: „Unsere Versorgungsregion endet nicht an Kreisgrenzen. Viele Patientinnen und Patienten sind auf eine reibungslose Zusammenarbeit über mehrere Standorte und auch Versorgungsgebiete hinweg angewiesen – auch im Zusammenspiel mit den immer stärker in Anspruch genommenen Rettungsdiensten. Diese Träger übergreifenden Kooperationen fördern wir als varisano ausdrücklich und proaktiv. Dabei gilt aber: Auch eine leistungsfähige ambulante Versorgung ist bei politisch gewollter und auch von allen Akteuren akzeptierter Ambulantisierung ohne – auch wirtschaftlich – stabile stationäre Strukturen nicht denkbar. Deshalb tragen alle Träger gemeinsam Verantwortung für ein funktionierendes Gesamtsystem.“

Die Pressekonferenz ist Teil der hessenweiten Kampagne #HESSENVERSORGTNOCH der Hessischen Krankenhausgesellschaft – in Anlehnung an die bundesweite Initiative der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Auch die Verantwortlichen anderer hessischer Kliniken unterstützen die Kampagne, das machte unter anderem Maren Brücher, die Geschäftsführerin von Vitos Rhein-Main, mit ihrer Teilnahme an der Pressekonferenz deutlich.

Gemeinsamer Appell

Zum Abschluss richteten die beteiligten Häuser einen eindringlichen Appell an die Bundespolitik: „Die Kliniken der Region sprechen heute mit einer Stimme: Wir tragen den Reformbedarf mit und sind bereit, unseren Beitrag zu leisten. Was wir nicht akzeptieren können, sind pauschale Kürzungen, die unsere Häuser in eine wirtschaftliche Schieflage treiben – während die laufende Krankenhausreform noch nicht abgeschlossen ist und wir gleichzeitig enorme Transformationsleistungen stemmen. Wer Krankenhäuser umbaut und gleichzeitig finanziell aushöhlt, riskiert einen kalten Strukturwandel, den niemand steuert. Die erste Lesung im Bundestag findet am 11. Juni statt. Wir appellieren an die Abgeordneten: Hören Sie auf die Stimmen aus der Region, bevor Sie abstimmen.“

Pressekontakt: Dominik Kuhn, Telefon 06181 / 3000 6069


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Hanau, Kliniken

©  Klinikum Hanau
Hanau, Kliniken

Mit der Kampagne #HESSENVERSORGTNOCH der Hessischen Krankenhausgesellschaft machen die beteiligten Kliniken aus Hanau und der Region auf die drohende Gefährdung der Versorgung aufmerksam. Auf dem Bild zu sehen (v.l.n.r.): Dr. med. Patrick Frey, Geschäftsführer der varisano Kliniken in Frankfurt und im Main-Taunus-Kreis, Stefan Gröger, Geschäftsführer des Klinikums Hanau, Dr. Maximilian Bieri, Bürgermeister der Stadt Hanau und Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Hanau, Maren Brücher, Geschäftsführerin von Vitos Rhein-Main und Michael Sammet, Geschäftsführer des St. Vinzenz-Krankenhauses Hanau.