Meldungsdatum: 16.06.2026
Die Stadt Hamm setzt sich künftig noch stärker für den Erhalt und die Stabilisierung der frühkindlichen Bildungs- und Betreuungslandschaft ein. Die Stadt Hamm schlägt vor, den Trägeranteil des Evangelischen Kirchenkreises an den Betriebskosten der Kitas zu senken. Die entsprechende Beschlussvorlage wird nun in die politischen Beratungen eingebracht. Ziel ist es, die Einrichtungen angesichts der anhaltenden strukturellen Unterfinanzierung des Kita-Systems zu entlasten, ihre wirtschaftliche Stabilität zu stärken und das Betreuungsangebot in Hamm zu sichern.
Konkret soll der Trägeranteil des Evangelischen Kirchenkreises an den Betriebskosten der Kitas ab dem Kindergartenjahr 2026/2027 von derzeit durchschnittlich 4,07 Prozent auf 2,3 Prozent gesenkt werden. Die Regelung ist zunächst auf fünf Kindergartenjahre bis einschließlich 2030/2031 angelegt und soll in einem entsprechenden Trägervertrag festgeschrieben werden. Für die Stadt Hamm entstehen dadurch zusätzliche Aufwendungen von durchschnittlich rund 445.000 Euro pro Jahr.
Kitas: Landesförderung reicht nicht aus
Die finanzielle Situation vieler Kita-Träger hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Ursache sind insbesondere die unzureichenden Anpassungen der Kindpauschalen im Rahmen des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz). Steigende Personal-, Energie- und Sachkosten werden durch die Landesförderung nicht ausreichend ausgeglichen. Die Folge: Träger müssen wachsende Finanzierungslücken zunehmend aus eigenen Mitteln schließen.
Die finanzielle Lage der Kita-Träger wird zusätzlich dadurch verschärft, dass die vom Land Nordrhein-Westfalen festgelegte Fortschreibungsrate für das Kindergartenjahr 2026/2027 bei minus 0,14 Prozent liegt. Die Kindpauschalen steigen damit nicht nur nicht an, sondern sinken sogar leicht.
„Die Kitas leisten jeden Tag unverzichtbare Arbeit für Kinder, Familien und unsere gesamte Stadtgesellschaft. Wir können uns nicht leisten, dass Einrichtungen aufgrund einer strukturellen Unterfinanzierung in ihrer Existenz gefährdet werden“, betont Oberbürgermeister Marc Herter. „Deshalb übernehmen wir als Stadt Verantwortung und schaffen gemeinsam mit dem Evangelischen Kirchenkreis mehr Planungssicherheit. Gleichzeitig bleibt unsere klare Erwartung an das Land Nordrhein-Westfalen bestehen: Es braucht endlich eine dauerhaft auskömmliche und verlässliche Finanzierung des Kita-Systems.“
Freiwillige Unterstützung bereits bei 5,85 Millionen Euro
Bereits heute unterstützt die Stadt Hamm freie Kita-Träger mit freiwilligen Zuschüssen in Höhe von rund 5,85 Millionen Euro jährlich. Für freie Träger (ohne Steuermittel) und Elterninitiativen liegt der Trägeranteil an den Betriebskosten seit diesem Kitajahr bei 0,25 Prozent. Die nun vorgesehene Anpassung für den Evangelischen Kirchenkreis ergänzt diese Unterstützungsmaßnahmen.
Die Vereinbarung berücksichtigt zudem bereits bestehende Unterstützungsleistungen der Stadt, darunter die Finanzierung besonderer Angebote und die Übernahme von Trägeranteilen für einzelne Einrichtungen und Gruppen. Gleichzeitig orientiert sich die Neuregelung an bestehenden Zuschussregelungen für andere konfessionelle Träger, um eine ausgewogene und transparente Förderstruktur sicherzustellen.
„Für unsere Kitas, die dort betreuten Kinder und ihre Familien ist diese Unterstützung ein wichtiges Signal. Die finanziellen Herausforderungen der vergangenen Jahre haben viele Träger an ihre Belastungsgrenze gebracht. Die geplante Entlastung gibt uns mehr Planungssicherheit und hilft dabei, die hohe Qualität unserer Angebote auch künftig aufrechtzuerhalten. Dass Stadt und Kirchenkreis hier gemeinsam Verantwortung übernehmen, ist ein starkes Zeichen für die Familien in Hamm“, sagt Superintendentin Kerstin Goldbeck.
„Frühkindliche Bildung ist eine wichtige Zukunftsinvestition. Damit Kinder bestmöglich gefördert werden können, brauchen die Träger verlässliche Rahmenbedingungen“, erklärt Familiendezernentin Dr. Britta Obszerninks. „Mit der geplanten Vereinbarung schaffen wir kurzfristig finanzielle Entlastung und mittelfristig mehr Stabilität für die evangelischen Kindertageseinrichtungen. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Betreuungsangebots in Hamm.“
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