Nr. 212 Kreis Steinfurt, 26. Juni 2026
Kreis Steinfurt/Westerkappeln. Nach intensiven Gesprächen zwischen dem Kreisjugendamt, der Gemeinde Westerkappeln und den Trägern der Kindertageseinrichtungen im Gemeindegebiet wurde entschieden, den Betrieb des Evangelischen Kindergartens Anne Frank, der über viele Jahre hinweg Kinder in Westerkappeln betreut hat, zum 31. Juli 2027 vollständig einzustellen.
Der Grund dafür sind die rückläufigen Kinder- und Anmeldezahlen, durch die der Bedarf an Kita-Gruppen im Westerkappelner Gemeindegebiet rückläufig ist. Bereits zu August 2026 wird ihre Anzahl daher um eine Gruppe reduziert. Die Prognosen des Kreisjugendamtes zeigen darüber hinaus, dass der Bedarf an Betreuungsplätzen ab dem Kita-Jahr 2027/28 zurückgehen wird – insbesondere im Bereich der über Dreijährigen. Zurückzuführen ist dies einerseits auf die geburtenstarken Jahrgänge, die in den nächsten Jahren die Kitas verlassen werden. Gleichzeitig sind die Jahrgänge, in denen die dann dreijährigen Kinder geboren wurden, eher geburtenschwach. Zum Vergleich: Im Zeitraum 1. Oktober 2020 bis 30. September 2021 wurden 77 Kinder geboren, die zu August 2027 die Kitas verlassen. Im Jahr 2024 wurden hingegen nur 56 Kinder geboren, die ab dem Kita-Jahr 2027/28 zu den Dreijährigen gehören. Hinzu kommt, dass weniger Familien ihre Kinder für einen Kita-Platz anmelden: Während im Kita-Jahr 2025/26 noch 97,1 Prozent der Zweijährigen angemeldet wurden, liegt die Anmeldequote für das Kita-Jahr 2026/27 lediglich bei 84,2 Prozent. Diese Entwicklung stellt das Kreisjugendamt derzeit in vielen Kommunen des Kreises fest. Auch überregional ist die Zahl der Kinder in der Kindertagesbetreuung rückläufig. So haben die zuständigen Jugendämter in Nordrhein-Westfalen nach Angaben des NRW-Familienministeriums für das kommende Kita-Jahr rund 17.000 Plätze weniger beantragt als noch im vergangenen Jahr.
Ursprünglich war vorgesehen, das Gebäude des Ev. Kindergartens Anne Frank aus dem Jahr 1971 umfassend zu sanieren oder durch einen Neubau zu ersetzen. Aufgrund der sinkenden Betreuungszahlen können diese Pläne nun nicht weiterverfolgt werden.
Kreisjugenddezernentin Roswitha Reckels versichert auf Grundlage der aktuellen Zahlen des Jugendamtes, dass alle betroffenen Kinder weiterhin zuverlässig betreut werden: „Die Betreuung ist sichergestellt. Der Bedarf kann mit dem verbleibenden Angebot von 16 Kindergartengruppen in den übrigen drei Einrichtungen in Westerkappeln abgedeckt werden, sodass der gewünschte Betreuungsumfang gewährleistet bleibt.“ Die Eltern werden vom Träger und dem Kreisjugendamt rechtzeitig und umfassend über das weitere Vorgehen und das folgende Anmeldeverfahren informiert.
„Unser zentrales Anliegen ist es, Eltern und Kindern größtmögliche Planungssicherheit zu bieten“, unterstreicht der Leiter des Sachgebietes Kindertagesbetreuung im Kreisjugendamt, Florian Dudek. In Zusammenarbeit mit dem Träger wird ein reibungsloser Übergang sichergestellt, sodass jedes Kind gut in eine der drei übrigen Einrichtungen aufgenommen werden kann. Für die Eltern wird am Mittwoch, 1. Juli, ein Informationsabend angeboten, an dem Vertreter des Trägers, der Gemeinde sowie des Jugendamtes für Fragen zur Verfügung stehen.
Westerkappelns Bürgermeister Niklas Schulte, der die Perspektive der Gemeinde in die Gespräche eingebracht hat, ergänzt: „Der Ev. Kirchenkreis ist seit vielen Jahren ein verlässlicher Partner und leistet in Westerkappeln, insbesondere im Sinne der Kinder, hervorragende Arbeit. Dennoch erfordern die veränderten Rahmenbedingungen verantwortungsvolles Handeln und flexible Entscheidungen.“
Der Betrieb der Kita Anne Frank wird bis zum 31. Juli 2027 in gewohnter Qualität fortgeführt. „Das Wohl der Kinder steht für uns an erster Stelle“, erklärt Simone Mannefeld, stellvertretende Geschäftsführung des Ev. Kindergartenverbundes. Auch für das Team der Kita Anne Frank übernimmt der Träger Verantwortung. „Wir prüfen bereits konkrete und verlässliche Arbeitsmöglichkeiten innerhalb der weiteren 26 Kindertageseinrichtungen, die wir im Altkreis Tecklenburg sowie der Stadt Rheine betreiben. Wir denken über alle Möglichkeiten nach, um die fachliche Kompetenz und Erfahrung der Kolleginnen weiterhin für Kinder und Familien in unseren Einrichtungen einzusetzen. Unser Dank gilt dem Team und den Familien für ihr Vertrauen“, so Ralf Evers, Geschäftsführer des Kindergartenverbundes, abschließend.
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