Nr. 203 Kreis Steinfurt, 29. Juni 2026

Konjunkturgespräch im Kreis Steinfurt

Austausch zur Wirtschaftslage zeigt stabile Basis und zuversichtlichen Blick nach vorn

Kreis Steinfurt. Hohe Kosten, bürokratische Belastungen, veränderte Finanzierungsbedingungen sowie der anhaltende Bedarf an Fach- und Arbeitskräften prägen weiterhin den Alltag vieler mittelständischer Unternehmen im Kreis Steinfurt. Beim aktuellen Konjunkturgespräch wurde zugleich deutlich: Die regionale Wirtschaft zeigt sich trotz dieser Herausforderungen robust, anpassungsfähig und handlungsfähig.

 

Landrat Dr. Martin Sommer hatte erneut Vertreterinnen und Vertreter der Sparkassen und Volksbanken im Kreis, der Kreishandwerkerschaft Steinfurt Warendorf, der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen, der Wirtschaftsvereinigung für den Kreis Steinfurt (WVS), der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft des Kreises Steinfurt (WESt), des Jobcenters des Kreises Steinfurt sowie der Agentur für Arbeit Rheine zum Austausch eingeladen. Im Mittelpunkt standen eine differenzierte Einordnung der wirtschaftlichen Lage, aktuelle Entwicklungen in den einzelnen Branchen und der gemeinsame Blick auf die weiteren Perspektiven für den Wirtschaftsstandort Kreis Steinfurt.

 

Das vom Kreis Steinfurt initiierte Gesprächsformat besteht bereits seit 2009 und hat sich als feste Plattform für den regelmäßigen Austausch zur wirtschaftlichen Entwicklung in der Region etabliert. Sommer betonte zu Beginn, wie wichtig ihm der direkte Dialog mit den zentralen Akteurinnen und Akteuren sei: „Gerade in bewegten Zeiten ist der offene Austausch besonders wertvoll. Er hilft uns, Entwicklungen frühzeitig einzuordnen, Herausforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und gemeinsam an tragfähigen Lösungen zu arbeiten. Als Kreis Steinfurt wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, den Mittelstand und den Wirtschaftsstandort weiter zu stärken.“

 

Einen Überblick über zentrale wirtschaftliche Kennzahlen gab Christian Holterhues, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft des Kreises Steinfurt. „Der Kreis Steinfurt ist wirtschaftlich sehr gut aufgestellt. Das zeigen auch die Zahlen, Daten und Fakten im Vergleich mit anderen Kreisen: Mit mehr als 1.000 Unternehmensgründungen und mehr Gewerbeanmeldungen als -abmeldungen bleibt die Gründungsdynamik im Kreis Steinfurt positiv. Auch die Produktivität entwickelt sich analog zum Bund weiter nach oben. Gleichzeitig bleibt die Unternehmensnachfolge ein zentrales Zukunftsthema für viele Betriebe. Der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz bietet große Chancen für Effizienz und neue Geschäftsmodelle, macht aber auch deutlich, dass Unternehmen digitale Abhängigkeiten im Blick behalten und strategisch klug gestalten müssen“, so Holterhues.

 

Auch aus dem Handwerk kamen grundsätzlich stabile Signale. Alfred Engeler, Bereichsleiter bei der Kreishandwerkerschaft Steinfurt Warendorf, machte deutlich, dass die Situation im Handwerk jedoch differenziert betrachtet werden müsse: „Die Lage im Handwerk ist derzeit stabil, muss aber immer gewerksspezifisch betrachtet werden. Während einzelne Bereiche eine leichte Belebung spüren – auch die Zahl der Baugenehmigungen zeigt wieder vorsichtig nach oben –, bewegen sich andere Gewerke weiterhin eher seitwärts. Der Fachkräftemangel ist aktuell nicht in allen Betrieben das drängendste Problem. Deutlich stärker belasten viele Betriebe derzeit Bürokratie, Dokumentationspflichten und neue Auflagen die Kosten verursachen, Zeit binden und die tägliche Arbeit erschweren.“

 

Heiner Hoffschroer, Geschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung für den Kreis Steinfurt, warb dafür, die Stärken der regionalen Wirtschaft sichtbarer zu machen. „Wir sollten in der öffentlichen Kommunikation stärker zeigen, wie viel Zuversicht und Innovationskraft in unserer regionalen Wirtschaft steckt. Viele Unternehmen gehen Herausforderungen sehr pragmatisch an. Ein gutes Beispiel ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz: Sie kann in vielen Bereichen entlasten, etwa beim Personaleinsatz, in internen Abläufen oder durch digitale Angebote wie Chat- und Voicebots. Positiv erleben wir die gute und schnelle Zusammenarbeit mit dem Kreis Steinfurt. Sie hilft dem Mittelstand ganz konkret und zeigt, dass wirtschaftsnahe Lösungen vor Ort möglich sind“, so Heiner Hoffschroer.

 

Aus Sicht der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen zeigt sich die Wirtschaft im Münsterland weiterhin widerstandsfähig. Jutta Gogräfe, Fachreferentin der IHK Nord Westfalen, ordnete die Lage entsprechend ein: „Das Münsterland hat sich trotz der zahlreichen Krisen der vergangenen Jahre sehr gut und stabil gehalten. Die Region verfügt über eine gute wirtschaftliche Basis und einen starken Branchenmix, der viel Widerstandskraft gibt. Gleichzeitig stehen die Unternehmen weiterhin unter Druck – insbesondere durch hohe Steuer- und Energiekosten sowie eine nach wie vor zu hohe Bürokratie. Mit ein wenig Sorge betrachten wir die Entwicklung in Teilen der exportorientierten Industrie. Umso wichtiger ist es, die Standortbedingungen weiter zu verbessern und den Unternehmen wieder mehr Planungssicherheit und Freiräume für Investitionen zu geben.“

 

Ein positives Bild zeichnete auch die Agentur für Arbeit Rheine vom regionalen Arbeitsmarkt. Reiner Zwilling, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Rheine, hob hervor, dass sich der Arbeitsmarkt im Kreis Steinfurt trotz konjunktureller Unsicherheiten weiterhin stabil zeige: „Mit einer Arbeitslosenquote von aktuell rd. 5,2 Prozent weist der Kreis Steinfurt weiterhin eine der niedrigsten Quoten in der Region auf. Das unterstreicht, dass wir trotz eines veränderten wirtschaftlichen Umfelds im Vergleich mit anderen Regionen sehr gut dastehen. Positiv wirkt zudem, dass Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Technisierung immer stärker Einzug in die Betriebe halten und an vielen Stellen zur Entlastung beitragen. Auch der doppelte Abiturjahrgang sorgt punktuell für zusätzliche Bewegung und eine kleine Entlastung auf dem Arbeitsmarkt.“

 

Thomas Robert, Vorstandsmitglied des Jobcenters Kreis Steinfurt, berichtete ebenfalls von einer erfreulichen Entwicklung. „Die Entwicklung im Bereich der Bedarfsgemeinschaften ist positiv: Mit rund 11.500 Bedarfsgemeinschaften verzeichnen wir etwa 750 weniger als im Vorjahr und fällt damit günstiger aus als im Landesdurchschnitt. Auch die Integrationsquote von 6,3 Prozent zeigt, dass viele Menschen erfolgreich in Arbeit gebracht werden können. Gleichzeitig sehen wir, dass fehlende qualifizierte Abschlüsse oder Berufsausbildungen die Integration in den Arbeitsmarkt häufig erschweren. Deshalb bleibt es wichtig, Qualifizierung, Beratung und Vermittlung eng miteinander zu verzahnen. Mit der Bündelung unserer Leistungen in Dienstleistungszentren – das erste ist in Greven bereits eröffnet – schaffen wir zudem moderne und gut erreichbare Strukturen für die Menschen im Kreis Steinfurt“, so Robert.

 

Ein Schwerpunkt des Austauschs lag auch auf der Finanzierungs- und Wohnungsbausituation. Seitens der Kreissparkasse Steinfurt berichtete Hermann-Josef Stascheit, Leiter des Firmenkunden-Centers, von einer insgesamt guten konjunkturellen Lage im Kreis Steinfurt. „Gleichwohl sehen wir im Wohnungsbau eine leichte Zurückhaltung: Der öffentlich geförderte Wohnungsbau nimmt tendenziell trotz hoher Nachfrage etwas ab, auch der private Wohnungsbau entwickelt sich verhalten. Hintergrund sind vor allem hohe Bau- und Gewerkekosten sowie gestiegene Zinsen. Bei jungen Bauwilligen stellen wir fest, dass Vorhaben, die bisher aufgrund fehlenden Eigenkapitals zurückgestellt wurden, nun oftmals mit Unterstützung der Eltern realisiert und entsprechend finanziert werden“, so Stascheit.

 

Jürgen Feistmann, Vorstandsmitglied der Volksbank im Münsterland, bewertete die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung differenziert. „Für Investitionen brauchen Unternehmen vor allem verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Hinzu kommen bürokratische Anforderungen, die dringend verschlankt werden müssen. In Landwirtschaft und Industrie werden vielfach nur noch dringend notwendige Investitionen getätigt. Auch bei Nachfolgeregelungen zeigt sich, dass eine Weitergabe innerhalb der Familie zunehmend kritisch gesehen wird – nicht zuletzt wegen der Auflagen und Bürokratie.“

 

Eine insgesamt stabile Lage beschrieb auch Ralf Hölscheidt, Vorstandsmitglied der Volksbank Ochtrup-Laer. Mit Blick auf die regionale Wirtschaft, den Ausbildungsmarkt und den öffentlich geförderten Wohnungsbau ergänzt er: „Die wirtschaftliche Lage im Kreis zeigt sich insgesamt eher sicher, größere Krisen oder Insolvenzen sind aktuell nicht zu beobachten. Positiv hervorzuheben ist der Aufwärtstrend bei der Zahl der Auszubildenden. Im Bereich des öffentlich geförderten Wohnungsbaus sehen wir weiterhin Potenzial, Prozesse und Abstimmungen zwischen den beteiligten Stellen noch weiter zu verbessern, damit Vorhaben schneller und verlässlicher umgesetzt werden können.“

 

Zum Abschluss bewertete Landrat Dr. Martin Sommer die Ergebnisse des Austauschs positiv: „Das Gespräch hat gezeigt, dass der Wirtschaftsstandort Kreis Steinfurt auf einer sehr soliden Grundlage steht. Unsere mittelständischen Unternehmen beweisen auch in einem anspruchsvollen Umfeld Stärke, Anpassungsfähigkeit und Krisenfestigkeit. Natürlich gibt es Herausforderungen, die die Betriebe beschäftigen. Im Vergleich mit anderen Regionen zeigt sich aber, dass der Kreis Steinfurt wirtschaftlich gut aufgestellt ist.“ Auch der Arbeitsmarkt zeige sich weiterhin beständig. „Wir können mit Zuversicht nach vorn blicken. Der Kreis Steinfurt verfügt über starke Unternehmen, engagierte Partnerinnen und Partner und gute Voraussetzungen, um kommende Aufgaben erfolgreich zu bewältigen und den Standort weiter nachhaltig zu entwickeln“, so Landrat Dr. Sommer abschließend.


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Konjunkturgespräch im Kreis Steinfurt

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Konjunkturgespräch im Kreis Steinfurt

Tauschten sich über die konjunkturelle Lage im Kreis Steinfurt aus. Foto: Kreis Steinfurt (v.l.n.r.): Thomas Robert (jobcenter Kreis Steinfurt), Jutta Gogräfe (IHK Nord Westfalen), Hermann-Josef Stascheit (Kreissparkasse Steinfurt), Philipp Schultejann (Referent des Landrates und Pressesprecher des Kreises), Jürgen Feistmann (Volksbank im Münsterland), Reiner Zwilling (Agentur für Arbeit Rheine), Dr. Martin Sommer (Landrat), Alfred Engeler (Kreishandwerkerschaft Steinfurt Warendorf), Heiner Hoffschroer (WVS), Christian Holterhues (WESt), Ralf Hölscheidt (Volksbank Ochtrup-Laer).