Meldungsdatum: 30.06.2026
Münster (SMS) Die serbische Dichterin Milena Marković und das deutsch-serbische Übersetzer-Paar bestehend aus Mirjana und ihrem 2023 verstorbenen Ehemann Klaus Wittmann erhalten am Sonntag, 5. Juli, den Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie. Bürgermeisterin Maria Winkel übergibt die mit 15.500 Euro dotierte Auszeichnung, die gleichermaßen das Originalwerk sowie die deutsche Übersetzung würdigt. Der Festakt, bei dem Milena Marković und Mirjana Wittmann aus dem preisgekrönten Gedichtband lesen, ist der Höhepunkt des Lyriktreffens 2026. Er beginnt um 11.15 Uhr im Erbdrostenhof in Münster (Salzstraße 38) und ist öffentlich. Der Eintritt ist frei.
Die in Zemun bei Belgrad geborene Milena Marković zählt zu den prägnantesten literarischen Stimmen Serbiens. Ihr Gedichtband „Kinder“ hat autobiographische Züge und handelt vom kindlichen Erleben und Fabulieren der kleinen Milena, die zwischen Novi Beograds Straßen und dem Bergdorf der Großeltern aufwächst. Es geht um Abenteuerlust und Liebschaften der Heranwachsenden, die Geburten ihrer Söhne und schließlich um eine erwachsene Frau in ihren Vierzigern. Milena Marković bewegt sich souverän zwischen Lyrik, Theater und Prosa und erlangte in den vergangenen Jahren internationale Aufmerksamkeit. Für ihr Langgedicht „Kinder“, ein Poem „mit einer bemerkenswerten Balance aus Unmittelbarkeit, kühler Beobachtung und beißendem Witz“ – so die Jury – zeichnet die Stadt Münster die Dichterin mit dem Poesiepreis aus.
Die Übersetzung von Mirjana und ihrem Ehemann Klaus Wittmann ermöglicht deutschsprachigen Leserinnen und Lesern „den unmittelbaren Zugang zur Härte, Zärtlichkeit und dem befreienden Humor dieses stringent konzentrierten und zugleich assoziativ offenen Textes“, so die Jury. Mirjana Wittmann, in Sarajevo geboren, wuchs in Belgrad auf und lebt und arbeitet in Bonn als literarische Übersetzerin. Sie überträgt Werke aus dem Serbischen, Kroatischen und Bosnischen ins Deutsche und veröffentlichte viele ihrer Übertragungen gemeinsam mit ihrem Ehemann Klaus Wittmann. Dieser war zudem eine prägende Figur im literarischen Austausch zwischen dem ehemaligen Jugoslawien und dem deutschsprachigen Raum. „Kinder“ ist das letzte gemeinsam übersetzte Werk der Wittmanns.
Die Laudatio beim Festakt hält die Autorin und Übersetzerin Esther Kinsky. Die Literatin wurde vielfach für ihr Werk ausgezeichnet, unter anderem 2018 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse und 2022 mit dem Kleist-Preis. Die musikalische Gestaltung der Veranstaltung übernimmt das Duo Konstantin Manaev und Philipp Scheucher an Cello und Flügel.
Auszug aus: Milena Marković, Kinder. Aus dem Serbischen von Mirjana und Klaus Wittmann, Edition Korrespondenzen, Wien 2025.
die kindertagesstätte war schlimm sie sagten mir
ich müsse hin weil sie alle arbeiteten und lernten
und niemand würde zu hause sein
die tagesstätte war neben unserem haus und ich
lief bis zum zaun als wir ausgeführt wurden
und sah
alle waren zu hause und mama klapperte mit den töpfen und meine schwester
schaute aus dem fenster und papa rauchte am fenster
und mein bruder kam stieg die treppe hoch
und ging ins haus nur ich durfte das nicht
später bestrafte mich die erzieherin weil ich auf den zaun geklettert war
wie in der kinderkrippe wenn jemand etwas ausgefressen hatte bekamen alle
der reihe nach den hintern versohlt und so heulte ich jeden tag
Auszug aus: Milena Marković, deca, LOM, Belgrad 2021. (Original auf Serbisch)
obdanište je bilo strašno rekli su
da moram da idem jer svi moraju da rade i uče
i niko neće biti kod kuće
obdanište je bilo pored moje zgrade i ja sam
odlazila do ograde kad su nas vodili napolje i
gledala sam
svi su bili kod kuće i mama je lupila šerpom i sestra je
gledala kroz prozor i otac je pušio cigaretu na prozoru
brat je došao popeo se stepenicama
ušao u zgradu da ide kući samo ja ne mogu
onda bi me kaznila vaspitačica što se penjem na ogradu
isto tamo u jaslicama kad bi neko zgrešio svi bi dobili
lančano po guzici i svaki dan sam plakala
Bild: Die serbische Dichterin Milena Marković erhält am 5. Juli als Höhepunkt des Lyriktreffen 2026 den Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie. Foto: Milan Stošić. Veröffentlichung mit dieser Pressemitteilung honorarfrei.
Bild: Bekommen den Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie als Übersetzerin und Übersetzer: Mirjana Wittmann und ihr 2023 verstorbener Ehemann Klaus Wittmann. Foto: Privat. Veröffentlichung mit dieser Pressemitteilung honorarfrei.
Bild: Laudatorin bei der öffentlichen Preisverleihung im Erbdrostenhof in Münster ist die Autorin und Übersetzerin Esther Kinsky. Foto: Isabelle de Maddalena. Veröffentlichung mit dieser Pressemitteilung honorarfrei.
Die serbische Dichterin Milena Marković erhält am 5. Juli als Höhepunkt des Lyriktreffen 2026 den Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie.
Bekommen den Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie als Übersetzerin und Übersetzer: Mirjana Wittmann und ihr 2023 verstorbener Ehemann Klaus Wittmann.
Laudatorin bei der öffentlichen Preisverleihung im Erbdrostenhof in Münster ist die Autorin und Übersetzerin Esther Kinsky.
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