Meldungsdatum: 06.07.2026
Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr teilt mit:
Das Land Nordrhein-Westfalen, die Wasserverbände und die Kommunen im Emscher-Lippe-Gebiet arbeiten beim Hochwasserschutz künftig noch enger zusammen. Am Montag, 6. Juli 2026, unterzeichneten die Partner in Castrop-Rauxel den neuen „Regionalpakt für Hochwasserschutz an Emscher und Lippe“. Das Abkommen folgt auf den landesweiten „Pakt für Hochwasserschutz“ und benennt konkrete Maßnahmen, um die Region Emscher-Lippe besser vor Hochwasser zu schützen und Maßnahmen abgestimmt „aus einem Guss“ zu entwickeln. Auch für die übrigen Flusseinzugsgebiete in Nordrhein-Westfalen werden Regionalpakte verhandelt – die Emscher-Lippe-Region macht den Anfang.
„Dieser Pakt ist unser gemeinsames Versprechen an die Menschen an Emscher und Lippe: Wir arbeiten beim Hochwasserschutz über alle Stadt- und Behördengrenzen hinweg zusammen. Das ist wichtig, um abgestimmte Lösungen entlang ganzer Flüsse und Einzugsgebiete umzusetzen“, sagte Oliver Krischer bei einem Besuch des Erlebensraums Lippeauen in Hamm am Morgen.
Lippeauen – Naturraum und Hochwasserschutz vereint
In Hamm starteten der Lippeverband und die Stadt bereits Ende 2018 das größte Umweltprojekt im Stadtgebiet. Durch die Rückverlegung der Deiche nach Norden wurde der Lippe auf einer Länge von rund fünf Kilometern deutlich mehr Platz gegeben. Der so entstandene 195 Hektar große Raum kann auch zusätzliches Wasser auffangen und bietet vielen Tier- und Pflanzenarten wichtigen Rückzugsraum. Die Investition von rund 40 Millionen Euro wurde von der Europäischen Union und dem Land Nordrhein-Westfalen gefördert.
Oberbürgermeister Marc Herter, der auch stellvertretender Präsident des Städtetags NRW ist: „Hochwasserschutz findet vor Ort statt – und gelingt nur gemeinsam. Mit den Lippeauen haben wir in Hamm gezeigt, wie moderner Hochwasserschutz, Klimaanpassung, Naturschutz und Naherholung Hand in Hand gehen können. Der Regionalpakt macht dieses Verständnis nun zur Grundlage für die gesamte Emscher-Lippe-Region. Das ist ein starkes Signal für unsere Städte und Gemeinden und vor allem für die Menschen, die auf einen wirksamen Schutz vor den Folgen des Klimawandels angewiesen sind.“
Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender von Emschergenossenschaft und Lippeverband: „Von der schwierigen Verfügbarkeit der für den Bau von Notpoldern und Hochwasserrückhaltebecken benötigten Flächen über die dringend benötigte Beschleunigung und Verschlankung von Planungs- und Genehmigungsverfahren bis zur verbesserten Bereitstellung und schnelleren Abrufung von Fördergeldern: Von der heutigen Unterzeichnung des Regionalpaktes Hochwasserschutz erwarten wir einen Turbo-Effekt für die weitere Optimierung des Hochwasserschutzes. Er muss nun auch praktische Bedeutung erlangen.“
Der Regionalpakt in Castrop-Rauxel
Rund 30 Vertreterinnen und Vertreter aus Kreisen, Kommunen, Land, Bezirksregierungen und Wasserverbänden unterzeichneten an den Emscher-Auen in Castrop-Rauxel den gemeinsamen Pakt, darunter Umweltminister Oliver Krischer, Prof. Dr. Uli Paetzel und Castrop-Rauxels Bürgermeister Rajko Kravanja. Zahlreiche weitere Kommunen schlossen sich an oder hatten bereits im Vorfeld digital unterschrieben.
Die Emscher-Auen an der Stadtgrenze Castrop-Rauxel/Dortmund bilden mit einem Volumen von 1,1 Millionen Kubikmetern das größte Hochwasserrückhaltebecken der Emschergenossenschaft – sie können im Extremwetterfall den Inhalt von sieben Millionen Badewannen fassen.
In dem Pakt verpflichten sich die Partner zu fünf zentralen Zielen:
1. Sie betrachten Flussgebiete als Einheit und arbeiten grenzüberschreitend zusammen.
2. Sie beschleunigen Planungen und Genehmigungen.
3. Sie sichern aktiv Flächen für künftige Rückhalteräume.
4. Sie nutzen digitale Werkzeuge, um besser zu planen und zu warnen.
5. Sie stärken die private Eigenvorsorge der Bürgerinnen und Bürger.
Diese Ziele werden mit konkreten Projekten verfolgt. Dem Pakt ist eine umfangreiche Maßnahmenliste mit bislang 28 vereinbarten Projekten beigefügt, die für die kommenden Jahre geplant sind. Die ersten konkreten Vorhaben wurden bereits von Emschergenossenschaft, Lippeverband, Wasserverband Obere Lippe und den Kommunen angemeldet. So sollen zum Beispiel die Emscher-Deiche in Oberhausen ertüchtigt und der Herringer Bach in Hamm ökologisch verbessert werden.
Hintergrund: Landesweiter Pakt für Hochwasserschutz
Der Regionalpakt für die Emscher-Lippe-Region ist Teil des landesweiten „Pakts für Hochwasserschutz“, den Umweltminister Oliver Krischer im Februar 2026 in Düsseldorf mit den kommunalen Spitzenverbänden, Wasserverbänden und Bezirksregierungen geschlossen hat. Diese große Allianz legt das Fundament, um Schutzmaßnahmen künftig über Gemeindegrenzen hinweg gemeinsam zu planen, Prozesse zu beschleunigen und technischen mit naturnahem Hochwasserschutz zu vereinen. Um die Kommunen bei diesen Aufgaben zu entlasten, garantiert das Land langfristige finanzielle Sicherheit: In den kommenden zwölf Jahren fließen mindestens 1,1 Milliarden Euro Landesmittel in den Hochwasserschutz.
Weitere Informationen:
• Fotos zum Download von renaturierten Lippeauen und Unterzeichnung (stehen im Laufe des Tages zum Download bereit): https://www.umwelt.nrw.de/bildergalerie/regionalpakt-fuer-hochwasserschutz-emscher-und-lippe
• Regionalpakt im Wortlaut: https://www.umwelt.nrw.de/system/files/media/document/file/regionalpakt_hws_emscher_lippe.pdf
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