Meldungsdatum: 09.07.2026

Erinnern an das Unfassbare: Fünfte Gedenkfahrt des Riga-Komitees

44 Delegierte von 34 Riga-Städten des Riga-Komitees haben Anfang Juli an der 5. Gedenkfahrt nach Riga teilgenommen. Schwerpunkte der Fahrt waren das Gedenken an Deportation und Ermordung jüdischer Menschen in Riga vor 85 Jahren sowie die Einweihung der Gedenkstätte Riga-Bikernieki vor 25 Jahren. 

Riga, die lettische Hauptstadt am Ostseestrand mit ihrer jungen, musikbegeisterten Bevölkerung hat eine bewegte Geschichte mit düsteren Kapiteln. Der Erinnerung daran hat sich das Riga-Komitee verschrieben – ein einzigartiges europäisches Städtebündnis, dem über 80 Städte angehören.

Enthüllung einer verdeckten Tragödie

In den Wintermonaten 1941/42 wurden über 25.000 jüdische Kinder, Frauen und Männern aus dem damaligen Deutschen Reich nach Riga deportiert, die allermeisten von ihnen wurden dort ermordet. Darunter waren auch 34 Jüdinnen und Juden aus Osnabrück. Lange war das kaum bekannt. Dem Politiker und ehemaligen Bundestagsabgeordneten Winfried Nachtwei ist es zu verdanken, dass er bei einer Spurensuche 1989 in Lettland diese vergessene Tragödie aufdeckte.

Einzigartiges erinnerungskulturelles Städtebündnis

Im Mai 2000 schlossen sich auf Initiative des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge -die ersten 13 deutsche Städte, u.a. auch die Stadt Osnabrück, aus denen die jüdische Bevölkerung nach Riga deportiert worden war, zu einem erinnerungskulturellen Städtebündnis zusammen. Damit übernahmen sie die Aufgabe, an ihre ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger zu erinnern.

Gedenkorte des Holocaust in Lettland

Am 2. Juli besuchten die Delegierten der Städte die Gedenkorte Rumbula und den Bahnhof Skirotova sowie die Überreste des Konzentrationslagers Jungfernhof und trafen dort Kinder von Überlebenden. Der Deportation und Ermordung der Juden aus dem Deutschen Reich ging die Ermordung von mehr als 26 000 lettischen Juden des Rigaer Ghettos am 30 November 1941 voraus.

Niemand bleibt unberührt

Am nächsten Tag wurde die Gräber- und Gedenkstätte Riga-Bikernieki besucht – ein authentischer historischer Ort, der niemanden unberührt lässt. Die 55 Massengräber sind durch steinerne Umrandungen erkennbar gemacht. Auf Steintafeln stehen die Namen der Heimatstädte der Toten. Unterschiedlich hohe Granitstelen sollen an die Menschen erinnern, die sich angesichts ihrer Ermordung zusammendrängten.

Die Delegationen haben auch an der offiziellen Gedenkveranstaltung zum lettischen Holocaustgedenktag an der Ruine der Großen Choral-Synagoge teilgenommen. Denn der Holocaust in Lettland begann schon mit dem entsetzlichen Sterben hunderter Menschen in der brennenden Synagoge am 4. Juli 1941, wenige Tage nach dem deutschen Einmarsch.

Die Städte haben die Aufgabe übernommen, das Gedenken an ihre jüdischen Bürgerinnen und Bürger wachzuhalten. Aber auch der letzte Überlebende des Massakers, der inzwischen 100-jährige Margers Vestermanis, der an der Gedenkveranstaltung vor der Ruine der Synagoge teilnahm, hinterlässt einen Auftrag: „Wenn ich nicht die Gewissheit gehabt hätte, dass es auch gute Menschen gibt, hätte ich nicht leben können.“


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Empfang der Delegierten_Rathaus Riga_c_Gints Ivuškāns

©  Gints Ivuškāns
Empfang der Delegierten_Rathaus Riga_c_Gints Ivuškāns

Fünfte Gedenkfahrt des Riga-Komitees: Empfang der Delegierten im Rathaus Riga.


Gedenken im Wald von Bikernieki__c_Gints Ivuškāns

©  Gints Ivuškāns
Gedenken im Wald von Bikernieki__c_Gints Ivuškāns

Fünfte Gedenkfahrt des Riga-Komitees -Gedenken im Wald von Bikernieki.


Gedenkstein_Wald von Bikernieki

©  Christine Grewe
Gedenkstein_Wald von Bikernieki

Fünfte Gedenkfahrt des Riga-Komitees - Gedenkstein im Wald von Bikernieki