Nr. 235 Kreis Steinfurt, 16. Juli 2026
Kreis Steinfurt. Klimaschutz und Energiewende geraten angesichts aktueller globaler Krisen immer wieder in den Hintergrund. Doch steigende Energiepreise, unsichere Märkte und auch die zunehmenden Extremwetterereignisse zeigen deutlich: Die Energiewende vor Ort ist entscheidend, um unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden, Treibhausgase zu vermeiden und unsere Region lebenswert und zukunftsfit zu gestalten. Was die Energiewende für den Kreis Steinfurt konkret bringt, zeigt der Verein energieland2050 e. V. in der gleichnamigen Sommerserie. Dabei geht es um Entwicklungen, Projekte und Chancen direkt vor unserer Haustür.
Der Kreis Steinfurt verfolgt das Thema schon seit über 25 Jahren – konsequent und mit Erfolg. Eine wichtige Schlüsselrolle nimmt dabei der energieland2050 e.V. ein. Der gemeinnützige Verein, der im nächsten Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert, unterstützt mit einem starken Netzwerk den Kreis Steinfurt bei seinem Ziel, Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen und weitgehend energieautark zu werden. Besagtes Netzwerk umfasst über 180 Mitglieder aus Politik, Kommunen, regionalen Unternehmen (Beratungsunternehmen, Windparkbetreiber, Stadtwerke, Banken, das Handwerk und viele weitere), zivilgesellschaftlichen Institutionen sowie Bürgerinnen und Bürger.
Die Geschäftsstelle des Vereins ist im Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit des Kreises Steinfurt angesiedelt. „Als regionale Servicestelle für Klimaschutz und Nachhaltigkeit schieben wir Projekte an, organisieren niedrigschwellige Beratungsangebote, bringen Akteure zusammen und bündeln das Know-how, um für Kommunen, Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger passende Angebote und Orientierung zu schaffen“, fasst Silke Wesselmann, Geschäftsführerin des energieland2050 e.V, zusammen.
Im Mittelpunkt der Aktivitäten stehen der Ausbau der Erneuerbaren Energien in der Region, die Steigerung der Energieeffizienz, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Nachhaltigkeit im Alltag sowie eine breite Teilhabe und Bürgerbeteiligung. „Unser erklärtes Ziel ist es, die Energie, die wir in der Region verbrauchen, auch vor Ort zu erzeugen. Dieser Ansatz ist weit mehr als nur eine Zukunftsvision oder ökologische Verpflichtung. Er birgt vielmehr erhebliche wirtschaftliche Potenziale für die Region“, erläutert Landrat Dr. Martin Sommer, Vereinsvorsitzender des energieland2050 e.V. „Unsere Erfahrung zeigt: Klimaschutz ist gleichzeitig auch Wirtschaftsförderung“.
Durch die lokale Wertschöpfung bleiben Einnahmen aus Erneuerbaren Energien in der Region, werden Arbeitsplätze geschaffen, Steuereinahmen generiert und so die Wirtschaftskraft des Kreises gestärkt. Die Nutzung von Energie aus Sonne, Wind und Biomasse bringt direkte finanzielle Vorteile für Kommunen. Insbesondere schlagen hier Gewerbesteuereinnahmen, Einnahmen aus der Akzeptanzumlage (§6 EEG) mit einem Einnahmepotenzial von rund 10 Millionen Euro pro Jahr im Kreisgebiet, Pachteinnahmen und regionale Arbeitsplätze durch den Betrieb, die Wartung und den Ausbau von Erneuerbaren Energieanlagen zu Buche.
Bürgerenergie bildet einen wesentlichen Pfeiler der Energiewende im Kreis Steinfurt und ist ein thematischer Schwerpunkt des Vereins. Über gezielte, mit breitem Konsens geschaffene Beteiligungsmodelle konnten bereits zahlreiche Windenergieprojekte gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern umgesetzt werden. Das stärkt nicht nur die Akzeptanz vor Ort, sondern sorgt zugleich dafür, dass ein erheblicher Teil der Wertschöpfung in der Region verbleibt (Beitrag folgt).
„Die enge Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, wie sie im energieland2050 e.V. praktiziert wird, macht deutlich: Die Energiewende gelingt dort besonders gut, wo sie als Gemeinschaftsaufgabe verstanden und aktiv gestaltet wird“, betont Wesselmann. Für diejenigen, die keine eigenen Projekte realisieren können, bietet die Ende 2022 gegründete Energieland Kreis Steinfurt Bürgerenergiegenossenschaft (EKSBEG) eine weitere Beteiligungsmöglichkeit.
Darüber hinaus steht Bürgerinnen und Bürgern ein breites, kostenloses Beratungsangebot zu den Themen Wärme und Solarenergie zur Verfügung. Dazu gehören telefonische Erstberatungen zu Sanierung, Heizungstausch und Fördermöglichkeiten sowie eine PV-Bürgersprechstunde. Ergänzend werden auch Fragen der Klimafolgenanpassung aufgegriffen sowie die Themen und Beratungsangebote von verschiedenen, beim Kreis und energieland2050 e.V. angesiedelten Servicestellen, gesteuert.
Klimaschutz ist für Kommunen und Kreise bisher eine rein freiwillige Leistung. Das Finanzierungsmodell des energieland2050 e.V. basiert auf drei Säulen: über Mitgliedsbeiträge des Kreises und seiner Kommunen, von rund 120 Unternehmen aus der Region sowie durch Fördermittel von Land, Bund und EU. So werden öffentliche Gelder gezielt in konkrete Klimaschutzprojekte, Beratung und regionale Wertschöpfung übersetzt. Das langjährige Engagement für Klimaschutz, Erneuerbare Energien und regionale Wertschöpfung zahlt sich sichtbar aus: Schon heute könnten rechnerisch über 90 Prozent des Stromverbrauchs im Kreis Steinfurt durch Erneuerbare Energien gedeckt werden.
Gleichzeitig zeigt sich: Trotz der bisherigen Erfolge gibt es zahlreiche Herausforderungen. Diese betreffen technische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und regulatorische Fragen – von Genehmigungsverfahren über Netzausbau und Speicherlösungen bis hin zu Finanzierung, Akzeptanz und Flächenverfügbarkeit.
„Umso größer ist unsere Motivation, die gewachsenen Strukturen weiter zu stärken und die Energiewende im Kreis Steinfurt konsequent, praxisnah und mit regionaler Verantwortung weiter voranzubringen“, sagt Dr. Martin Sommer. Eine wichtige Grundlage hierfür bildet das neue, vom Kreistag im Frühjahr dieses Jahres für den Kreis Steinfurt beschlossene „Klimaschutzprogramm 2025-2030“, das die notwendigen Maßnahmen zur Zielerreichung von Klimaneutralität bis 2040 mit konkreten Zahlen benennt.
Alle Informationen zum Verein gibt es online unter www.energieland2050.de/verein/
Prägende Gesichter des energieland2050 e.V.: Der Erfolg eines Vereins hängt von seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern ab. In den nächsten Wochen stellt der energieland2050 e.V. die strategischen Köpfe aus seinem geschäftsführenden Vorstand vor. Geschäftsführerin Silke Wesselmann setzt heute zusammen mit dem Vorsitzenden Dr. Martin Sommer, den Rahmen. Der Landrat hat Klimaschutz und Nachhaltigkeit 2020 zur Chefsache erklärt und steht damit für die strukturelle Verankerung des Themas in der Kreisverwaltung und den engen Austausch zwischen Verwaltung, Politik, Kommunen und zivilgesellschaftlichen Institutionen.
Silke Wesselmann ist seit 2019 Geschäftsführerin des Vereins. Als Leiterin des Amtes für Klimaschutz und Nachhaltigkeit beim Kreis Steinfurt kennt sie die regionalen Netzwerke und Akteure. Mit ihrem Klimaschutz-Team forciert sie die Umsetzung von Projekten, die für das Gelingen der Energiewende vor Ort von Bedeutung sind.
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