Nr. 259 Kreis Steinfurt, 03. August 2026
Kreis Steinfurt. Klimaschutz und Energiewende geraten angesichts globaler Krisen immer wieder in den Hintergrund. Doch steigende Energiepreise, unsichere Märkte und auch die zunehmenden Extremwetterereignisse zeigen deutlich: Die Energiewende vor Ort ist entscheidend, um unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden, Treibhausgase zu vermeiden und unsere Region lebenswert und zukunftsfit zu gestalten. Was die Energiewende für den Kreis Steinfurt konkret bringt, zeigt der energieland2050 e. V. in seiner Sommerserie und wirft dabei einen Blick auf Entwicklungen, Projekte und Chancen direkt vor unserer Haustür.
Wenn im Kreis Steinfurt neue Windenergieprojekte entstehen, geht es längst nicht mehr nur um die Frage, wo Windräder gebaut werden können. Ziel der Servicestelle Windenergie im energieland2050 e. V. ist es, die Umsetzung mit lokalen Akteuren voranzutreiben und echten Bürgerwind zu ermöglichen: Die Wertschöpfung soll nicht aus der Region abfließen, sondern vor Ort bleiben – bei den Kommunen, den Bürgerinnen und Bürgern, den regionalen Banken, Unternehmen und Dienstleistern. Darüber hinaus geht es, so steht es in den Leitlinien Bürgerenergie, um frühzeitige Transparenz, direkte Beteiligung und die Ausgewogenheit von wirtschaftlichen, sozialen und naturschutzfachlichen Interessen.
Für Städte und Gemeinden ist Bürgerwind dementsprechend weit mehr als ein energiepolitisches Thema. Sie profitieren auf mehreren Ebenen: durch Zahlungen nach § 6 EEG, Gewerbesteuereinnahmen, Pachteinnahmen bei kommunalen Flächen, eigene Beteiligungsmöglichkeiten, zusätzliche Maßnahmen für den Natur- und Artenschutz und eine höhere Akzeptanz vor Ort. Allein über § 6 EEG kann eine moderne Windenergieanlage je nach Ertrag bis zu rund 40.000 Euro pro Jahr für betroffene Kommunen bringen. Über eine Laufzeit von 20 Jahren können so bis zu 800.000 Euro pro Anlage zusammenkommen – Geld, das vor Ort flexibel eingesetzt werden kann: etwa für Kitas und Schulen, Klima- - und Umweltschutzmaßnahmen oder Dorfentwicklung.
Allein aus Gewerbesteuer und Zahlungen nach § 6 EEG belaufen sich die Einnahmen aus der Windenergie für die Kommunen im Kreis auf rund zehn Millionen Euro pro Jahr. Eine willkommene Entlastung für die Städte in Zeiten knapper Kassen: „Während die Kosten für die Städte steigen und andere Steuereinnahmen wegbrechen, helfen uns die Einnahmen aus der Windenergie, vor Ort handlungsfähig zu bleiben“, erläutert der Bürgermeister von Hörstel, David Ostholthoff.
Zugleich haben die Städte und Gemeinden Gestaltungsspielraum, die Weichen noch stärker in Richtung Bürgerwind zu stellen. Für die Ausweisung neuer Windgebiete können sie die Umsetzung als zertifizierter Bürgerwind gemäß den Leitlinien des Kreises einfordern und damit dafür sorgen, dass neue Windkraftanlagen mit breiter Beteiligung entstehen und möglichst viel Wertschöpfung vor Ort halten. Hörstel gehört zu den Städten im Kreis, die diesen Weg bereits eingeschlagen haben.
„Für Kommunen ist Bürgerwind eine große Chance: Wir können den Ausbau der erneuerbaren Energien aktiv mitgestalten und zugleich dafür sorgen, dass Einnahmen, Beteiligung und Wertschöpfung vor Ort ankommen“, so David Ostholthoff weiter.
Eine besondere Rolle spielen dabei auch die regionalen Banken. Sparkassen und Volksbanken sind im Kreis Steinfurt seit vielen Jahren mit ihrer Finanzierungskompetenz Teil des Bürgerwind-Netzwerks und des „runden Tisch Wind“. Dort tauschen sich die wichtigen Interessensgruppen wie Kommunen, Stadtwerke, Landwirtschaft, Naturschutz, Windparkbetreiber und die Banken aus.
Durch dieses Engagement unter dem Dach des energieland2050 e. V. bringen sie umfangreiche Erfahrung mit regionalen Beteiligungsmodellen, Bürgerwindgesellschaften und Projektfinanzierungen ein.
„Durch die langjährige Zusammenarbeit haben wir gezielt Expertise bei der Finanzierung von Windkraftanlagen aufgebaut und uns mit Engagement, Verlässlichkeit und Flexibilität zu einem vertrauensvollen Partner im Netzwerk entwickelt“, sagt Carl-Christian Kamp, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Steinfurt.
Insbesondere durch eine pragmatische Vorfinanzierung des Eigenkapitals wurde das Bürgerwindmodell unterstützt. So konnten sich Bürgerinnen und Bürger in zahlreichen Windparks zu einem Zeitpunkt beteiligen, zu dem Bau und Inbetriebnahme der Anlagen bereits abgeschlossen waren. Die Beteiligung wurde dadurch deutlich risikoärmer, weil wesentliche Risiken aus der Bauphase bereits erfolgreich bewältigt waren.
In den Leitlinien und im Kriterienkatalog für zertifizierten Bürgerwind ist ausdrücklich vorgesehen, dass regionale Sparkassen und Volksbanken bei der Finanzierung des Fremdkapitals eingebunden werden. Damit bleiben nicht nur Erträge aus dem Betrieb, sondern auch Teile der Finanzierungswertschöpfung in der Region. Die regionalen Banken begleiten Investitionen in Millionenhöhe und leisten damit einen wichtigen Beitrag dazu, dass Bürgerwind im Kreis Steinfurt professionell, verlässlich und regional verankert umgesetzt werden kann.
Zugleich ist die Windenergie ein relevantes Geschäftsfeld. Von den rund 1,5 Milliarden Euro, die in den vergangenen 25 Jahren in Windenergieprojekte im Kreis investiert wurden, haben die regionalen Institute einen erheblichen Teil der Finanzierung begleitet und ermöglicht.
„Bürgerwindprojekte zeigen, wie gut Energiewende funktionieren kann, wenn Kommunen, Bürgerinnen und Bürger, regionale Banken und Unternehmen gemeinsam handeln. Unsere Aufgabe ist es, diese Projekte mit Finanzierungskompetenz, Erfahrung und regionaler Nähe verlässlich zu begleiten“, betont Carl-Christian Kamp.
Der Kreis Steinfurt verfügt für dieses Zusammenspiel über eine besondere Ausgangslage: Alle 24 kreisangehörigen Städte und Gemeinden sind Mitglied im energieland2050 e. V. Hinzu kommen regionale Unternehmen, Stadtwerke, Banken, wissenschaftliche Einrichtungen sowie Akteure aus Naturschutz und Landwirtschaft. Der Verein bietet damit genau das Netzwerk, das Bürgerwind braucht: kurze Wege, Vertrauen, fachliche Beratung und den gemeinsamen Anspruch, die Energiewende regional zu gestalten.
Der energieland2050 e. V. und der Kreis Steinfurt unterstützen diese Entwicklung seit vielen Jahren. Die Grundlagen wurden bereits vor rund 15 Jahren gelegt: mit der kreisweiten Potenzialanalyse, der Servicestelle Wind, dem Runden Tisch Windenergie und eben den Leitlinien für Bürgerwindparks. Ziel war und ist es, den Ausbau der Windenergie transparent, ausgewogen und mit hoher Akzeptanz zu gestalten – und zugleich die Wertschöpfung in der Region zu halten.
Die Windenergie ist neben der Solarenergie eine der wichtigsten Säulen der Energiewende im Kreis Steinfurt. Mit einer installierten Leistung von rund 700 Megawatt deckt die Windenergie bereits heute rund 60 Prozent des gesamten Strombedarfs im Kreisgebiet. Die weitere Erschließung geeigneter Potenziale ist eine wichtige Voraussetzung, um das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen.
Beim Thema Bürgerwind gehört der Kreis Steinfurt bundesweit zu den Vorreiterregionen. Aktuell sind zehn Windparks mit insgesamt 72 Anlagen und rund 300 Megawatt Leistung als Bürgerwindparks zertifiziert; weitere Projekte befinden sich im Verfahren. Rund 5.000 Bürgerinnen und Bürger aus dem Kreisgebiet sind als Kommanditistinnen und Kommanditisten oder über die Kreisgenossenschaft EKSBEG an diesen Windparks beteiligt.
Bürgerwind ist im Kreis Steinfurt damit ein gelebtes Beispiel dafür, wie die Energiewende regional verankert werden kann. Windenergie soll nicht an der Region vorbei, sondern mit der Region umgesetzt werden. So wird Bürgerwind zur gelungenen Verbindung von Klimaschutz, wirtschaftlicher, sozialer und naturschutzfachlicher Interessen und sorgt mit ihrer kommunalen Wertschöpfung für ländliche Zukunftsfähigkeit.
Alle Informationen zum Verein, auch zur Mitgliedschaft, finden Interessierte online unter: www.energieland2050.de/verein/
Prägende Gesichter des energieland2050 e.V.:
Hörstels Bürgermeister David Ostholthoff engagiert sich seit Vereinsgründung in 2017 als Vertreter der Städte und Gemeinden im Vorstand des energieland2050 e.V. In dieser Funktion bringt er die Interessen, Perspektiven und Bedürfnisse der Kommunen bei der Gestaltung der regionalen Energiewende mit ein. In diesem Jahr wurde er als Schriftführer in den geschäftsführenden Vorstand gewählt.
Ebenfalls seit Vereinsgründung bringt Carl-Christian Kamp als Vertreter der regionalen Banken seinen finanzwirtschaftlichen Blick und die Verbindung von Klimaschutz und Wertschöpfung in den Verein ein. Als Kassierer im geschäftsführenden Vorstand legt er ein besonderes Augenmerk auf wirtschaftlich tragfähige Projektmodelle.
Hörstels Bürgermeister David Ostholthoff engagiert sich seit Vereinsgründung in 2017 als Vertreter der Städte und Gemeinden im Vorstand des energieland2050 e.V.
Ebenfalls seit Vereinsgründung bringt Carl-Christian Kamp als Vertreter der regionalen Banken seinen finanzwirtschaftlichen Blick und die Verbindung von Klimaschutz und Wertschöpfung in den Verein energieland2050 ein.
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