Meldungsdatum: 14.08.2026
Mit einem Festakt im Friedenssaal des Rathauses hat die Stadt Osnabrück am Donnerstag, 13. August, das 100-jährige Bestehen ihres Freiraumsystems gefeiert und die neue Grüne-Finger-Charta präsentiert. Das vom Rat beschlossene Regelwerk dient als Selbstverpflichtung von Politik und Verwaltung, die 13 charakteristischen Grünkorridore als Fundament einer klimaresilienten Stadtentwicklung dauerhaft zu schützen, zu sichern und weiterzuentwickeln.
„Diese Charta ist viel mehr als nur ein Dokument. Sie ist ein neues Verständnis davon, wie wir Osnabrück gestalten und entwickeln wollen: Wir denken unsere Stadt vom Freiraum her“, betonte Oberbürgermeisterin Katharina Pötter in ihrer Begrüßung vor rund 70 Gästen im Friedenssaal. Das bedeute, dass Natur- und Erholungsräume künftig den Rahmen für die Stadtentwicklung setzen: „Der Maßstab künftiger Stadtplanung wird deshalb sein, vorrangig dort neu zu bauen, wo bereits gebaut ist oder wo schon Planungsrecht besteht.“ Die zusammenhängenden Freiflächen seien das Rückgrat für ein zukunftsfähiges Osnabrück, so Pötter weiter. Sie böten Raum für Landwirtschaft, Naturschutz sowie Naherholung und erfüllten essenzielle Funktionen für das Stadtklima und den Wasserhaushalt.
Nachdem Miriam Bücker von der städtischen Stabsstelle Klimaanpassung und Freiraum die Inhalte und Ziele der Charta zusammengefasst hatte, drehte sich ein moderierter Dialog um die Zukunftsfähigkeit des Freiraumsystems. Die Verhaltensbiologin Elisabeth Oberzaucher von der Universität Wien und der niederländische Landschaftsarchitekt Bart Brands beleuchteten im Gespräch mit Bücker und Brigitte Strathmann, Leiterin des Fachbereichs Klima, Natur und Umwelt, die Chancen einer wirkungsorientierten Freiraumplanung aus wissenschaftlicher und gestalterischer Sicht.
Brands berichtete dabei von einer Radtour, die er am Morgen durch die Grünen Finger gemacht hatte: „Dort war die Temperatur acht Grad niedriger als am Bahnhof. Die Grünen Finger sind die Klimaanlage der Stadt Osnabrück.“ Der Landschaftsarchitekt stellte zudem klar: „Die Charta ist kein Plan. Eine Charta ist eine Haltung.“ Auf dieser Grundlage müsse nun die Arbeit beginnen. Ein Ansatz sollte dabei sein, „das Unsichtbare sichtbar und bedeutungsvoll“ zu machen: Die großräumigen Verknüpfungen des grün-blauen Netzwerks seien abstrakt, bildeten jedoch das Fundament für die Lebensqualität der Stadt.
Auch Elisabeth Oberzaucher warb dafür, in der Kommunikation über die Grünen Finger nicht im Abstrakten zu bleiben: „Es geht darum, dass die Menschen spüren, was für ein Kapital diese Stadt hat – in Form von Natur, Grünflächen und unverbautem Wasser.“ Sie plädierte dafür, mit einfachen, kleinen Maßnahmen anzufangen, machte aber zugleich deutlich: „Nicht nur die Stadtverwaltung sollte die Ärmel hochkrempeln, sondern die gesamte Stadtgesellschaft.“
Die Bürgerinnen und Bürger im Saal, darunter auch mehrere Ratsmitglieder, nutzten im Anschluss die Gelegenheit, eigene Fragen und Impulse in die Diskussion einzubringen. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Osnabrücker WunderhornQuartett. Beim anschließenden Sektempfang ergab sich Raum für den persönlichen Austausch.
Das System der Grünen Finger geht maßgeblich auf Stadtbaurat Senator Friedrich Lehmann zurück, der 1926 keilförmige Garten- und Landwirtschaftsflächen konzipierte. Diese Überlegungen flossen 1927 in den ersten Generalbebauungsplan der Stadt ein und prägen bis heute das Stadtbild. Die neue Charta fußt auf den Ergebnissen eines mehrjährigen Forschungsprojekts der Hochschule Osnabrück und legt klare Grundprinzipien für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Flächen fest. Weitere Informationen stehen unter www.osnabrueck.de/gruene-finger zur Verfügung.
Pressekontakt: Constantin Binder | Telefon 0541 323-4556 | E-Mail binder@osnabrueck.de
Oberbürgermeisterin Katharina Pötter begrüßt die Gäste im Friedenssaal des Rathauses zum Festakt anlässlich der Verabschiedung der Grüne-Finger-Charta.
Oberbürgermeisterin Katharina Pötter hebt in ihrer Begrüßung die Bedeutung des Freiraumsystems hervor: Stadtplanung wird in Osnabrück künftig konsequent vom Freiraum her gedacht.
Miriam Bücker von der städtischen Stabsstelle Klimaanpassung und Freiraum stellt die neue Grüne-Finger-Charta vor.
Tauschten sich auf dem Podium über die Zukunftsfähigkeit des Freiraumsystems aus (von links): Miriam Bücker (Stabsstelle Klimaanpassung und Freiraum), Landschaftsarchitekt Bart Brands, Verhaltensbiologin Elisabeth Oberzaucher und Brigitte Strathmann (Leiterin des Fachbereichs Klima, Natur und Umwelt).
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