Meldungsdatum: 28.08.2026

Bezahlbarer Wohnraum: Neue Struktur für den Fichtenweg

Stadt Winterberg und Wohnungsbaugenossenschaft passen Projektstruktur an

Die Pläne für den Bau von bezahlbarem Wohnraum am Fichtenweg werden konsequent weiterverfolgt – allerdings in einer angepassten Organisationsform. Nach einer gemeinsamen Prüfung durch die Stadt Winterberg, die Wohnungsbaugenossenschaft Hochsauerland eG sowie steuerliche und rechtliche Berater soll das Projekt künftig vollständig durch die Wohnungsbaugenossenschaft Hochsauerland eG umgesetzt werden. Die politischen Gremien haben dieser Neuausrichtung in der Sitzung des Rates am 16. Juli 2026 zugestimmt.

Ursprünglich war zuletzt vorgesehen, den Bau von zwei Wohngebäuden über eigens zu gründende Gesellschaften zu realisieren. An diesen sollten sowohl die Stadt Winterberg als auch die Wohnungsbaugenossenschaft Hochsauerland eG beteiligt sein. Zudem war geplant, Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen eine finanzielle Beteiligung zu ermöglichen und ihnen im Gegenzug Belegungsrechte einzuräumen.

Ein langer Weg mit einem unveränderten Ziel

Die Zusammenarbeit mit der Wohnungsbaugenossenschaft Hochsauerland steht bereits seit mehreren Jahren im Mittelpunkt der Überlegungen der Stadt. Schon 2022 hatten sich Vertreter des Seniorenbeirates gemeinsam mit Bürgermeister Michael Beckmann genossenschaftliche Wohnprojekte in der Region angesehen. Der Ansatz, bezahlbaren Wohnraum gemeinsam mit einer Wohnungsbaugenossenschaft zu entwickeln, wurde anschließend von der Stadt weiterverfolgt.

Die Rahmenbedingungen für den Wohnungsneubau hatten sich zu diesem Zeitpunkt allerdings massiv verschlechtert. Stark gestiegene Baukosten und Bauzinsen machten es 2023 selbst unter Einbeziehung der öffentlichen Wohnraumförderung äußerst schwierig, neuen Wohnraum zu Mieten zu errichten, die tatsächlich noch als bezahlbar gelten konnten. Die Stadt hatte damals darauf hingewiesen, dass bei einer klassischen Finanzierung rechnerisch Mieten von 17 bis 20 Euro je Quadratmeter erforderlich gewesen wären.

Die im Jahr 2023 vom Land Nordrhein-Westfalen verbesserten Förderbedingungen waren dann für den weiteren Prozess hilfreich. Stadt und Wohnungsbaugenossenschaft Hochsauerland entwickelten in der Folge neue Ansätze, um das notwendige Eigenkapital zu stärken und bezahlbaren Wohnungsbau möglich zu machen. Der Rat beauftragte die Verwaltung im Juni 2023 damit, ein entsprechendes Genossenschaftsmodell gemeinsam mit der Wohnungsbaugenossenschaft Hochsauerland zu konkretisieren. Dazu gehörte auch die Abstimmung des Modells mit dem Städtebauministerium.

„Der genossenschaftliche Ansatz war für uns von Anfang der richtige Weg. Das Problem war 2023 aufgrund der Rahmenbedingungen die wirtschaftliche Umsetzbarkeit des Bauvorhabens. Deshalb mussten wir neue Finanzierungs- und Beteiligungsmodelle entwickeln und gemeinsam mit unseren Partnern und dem Land prüfen“, erläutert Bürgermeister Michael Beckmann.

Aus diesen Überlegungen entstand zunächst die Idee eines Genossenschaftsmodells zwischen Stadt, der Wohnungsbaugenosschenschaft und weiteren Partnern. Nachdem sich eine eigene Genossenschaft aus rechtlichen Gründen nicht realisieren ließ, wurde der Ansatz zu einer gemeinsamen Gesellschaft von Stadt und Wohnungsbaugenossenschaft weiterentwickelt. Auch dieses Modell wurde in den folgenden Jahren mehrfach rechtlich, steuerlich und förderrechtlich geprüft und angepasst.

Förderrechtliche Vorgaben erfordern erneute Anpassung

Im weiteren Verlauf der Planungen zeigte sich schließlich, dass die förderrechtlichen Vorgaben die in dem zuletzt entwickelten Modell vorgesehenen Belegungsrechte für die Privaten nicht zulassen. Hinzu kam, dass die geplante Gesellschaftsstruktur mit einem vergleichsweise hohen Verwaltungsaufwand verbunden gewesen wäre.

Vor diesem Hintergrund haben alle Beteiligten die Projektstruktur gemeinsam noch einmal umfassend bewertet. Dabei wurde auch die inzwischen bestehende Förderkulisse für den öffentlich geförderten Wohnungsbau berücksichtigt.

Das Ergebnis: Die Wohnungsbaugenossenschaft Hochsauerland wird das Projekt nun selbst als Bauherrin und spätere Betreiberin realisieren, da die Stadt ihren bereits bestehenden Genossenschaftsanteil erhöht. Damit kann auf die ursprünglich geplante komplexere Gesellschaftsstruktur verzichtet werden.

„Wir kommen damit im Ergebnis zu einer deutlich schlankeren Struktur zurück: Die Wohnungsbaugenossenschaft plant, baut und betreibt die Wohnungen. Unter den wirtschaftlichen Bedingungen des Jahres 2023 mussten wir nach neuen Lösungen suchen. Diese haben wir entwickelt, mit dem Land diskutiert, rechtlich und steuerlich geprüft und immer wieder angepasst. Heute haben wir andere Voraussetzungen und können das Projekt einfacher aufstellen. Entscheidend ist: Das Ziel ist über den gesamten Prozess unverändert geblieben“, so Bürgermeister Michael Beckmann.

Wohnungsbaugenossenschaft übernimmt Umsetzung

Künftig übernimmt die Wohnungsbaugenossenschaft Hochsauerland eG Planung, Bau, Vermietung und die spätere Verwaltung der beiden Wohngebäude. Der Bauantrag wurde bereits eingereicht, die erforderlichen Fördermittel werden beantragt.

„Wir begrüßen sehr, dass wir gemeinsam mit der Stadt Winterberg nun eine tragfähige und zugleich deutlich schlankere Struktur für die Umsetzung gefunden haben. Als Wohnungsbaugenossenschaft bringen wir unsere Erfahrung bei der Entwicklung und langfristigen Bewirtschaftung von bezahlbarem Wohnraum ein. Die Stadt schafft mit der Erhöhung ihrer Genossenschaftsanteile eine wichtige Voraussetzung für das Projekt. Entscheidend für die weitere Umsetzung ist nun die notwendige Wohnraumförderung. Wir hoffen, dass wir hier gemeinsam mit der Stadt möglichst zeitnah Klarheit über die Förderperspektive erhalten“, erklärt Peter Wagner, Vorstandsvorsitzender der Wohnungsbaugenossenschaft Hochsauerland eG.

Die Stadt Winterberg ermöglicht das Projekt durch die Zeichnung weiterer Genossenschaftsanteile. Die hierfür erforderlichen Mittel wurden bereits im Haushalt 2026 berücksichtigt. Auch Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen können sich weiterhin über den Erwerb von Genossenschaftsanteilen an dem Vorhaben beteiligen.

Ziel bleibt bezahlbarer Wohnraum

„Bezahlbarer Wohnraum bleibt eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben für unsere Stadt. Wir haben deshalb über mehrere Jahre an diesem Projekt festgehalten und immer wieder nach Lösungen gesucht, wenn sich wirtschaftliche, rechtliche oder förderrechtliche Rahmenbedingungen verändert haben. Mit der jetzt vorgesehenen Struktur schaffen wir eine verlässliche Grundlage, damit die Wohnungen am Fichtenweg tatsächlich entstehen können“, so Bürgermeister Michael Beckmann.

Mit der angepassten Projektstruktur haben Stadt und Wohnungsbaugenossenschaft die Voraussetzungen geschaffen, um den sozialen Wohnungsbau am Fichtenweg weiter voranzubringen. Für den weiteren Zeitplan ist nun entscheidend, wann die erforderlichen Mittel aus der öffentlichen Wohnraumförderung zur Verfügung stehen.


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