Meldungsdatum: 04.09.2026

Neue Teiche für die Knoblauchkröte

Integriertes LIFE-Projekt „Atlantische Sandlandschaften“

In der kommenden Woche werden im Rahmen des Integrierten LIFE-Projektes „Atlantische Sandlandschaften“ (IP-LIFE) wieder die Bagger für die Knoblauchkröte rollen: In der Lippeaue, im Abschnitt zwischen Friedhof Werries und dem Haus Uentrop, werden zwei Teiche mit jeweils etwas mehr als 200 Quadratmetern Größe als Laichgewässer für Amphibien angelegt. Außerdem wird ein bereits vorhandener Teich, der über die Jahre verlandet ist, wieder ausgebaggert und damit als Lebensraum reaktiviert. Während der Bauumsetzung kann es im Bereich des Lippeauenpfades südlich des Schloss Oberwerries kurzfristig zu leichten Einschränkungen für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen kommen.

In der Vergangenheit sind in Hamm bereits vergleichbare Teiche über das IP-LIFE angelegt worden. Außerdem sind zur Wiederansiedlung der Knoblauchkröte schon mehrfach Larven aus einer Nachzucht erfolgreich in diesen Teichen, aber auch in anderen geeigneten Gewässern, ausgesetzt worden. Dabei arbeiteten die Bezirksregierung Münster als Projektkoordinatorin, die Untere Naturschutzbehörde im Umweltamt der Stadt Hamm und die Biologische Station ABU Soest eng zusammen. Die Stadt Hamm hat für das IP-LIFE kommunale Flächen zur Verfügung gestellt.

„Wir freuen uns sehr, dass wir mit Hilfe des IP-LIFE in den vergangenen Jahren so viel für die bedrohte Knoblauchkröte erreicht haben“, betont Jessica Dieckmann, Mitarbeiterin des Hammer Umweltamtes. „Die vielen neuen Trittsteinbiotope entlang der Lippe tragen dazu bei, die bedrohte Amphibienart bei uns zu erhalten“ resümieren Janine Böyng und Dr. Martina Raffel von der Bezirksregierung Münster. Christian Härting von der ABU weist darauf hin, dass „insgesamt der Lebensraum Lippeaue von den Maßnahmen profitiert und auch andere Tier- und Pflanzenarten die Gewässer besiedeln werden“. Für eine Verstetigung der Ergebnisse sind auch in Zukunft die Zwischenvermehrung seltener Amphibien erforderlich, genauso wie Pflegearbeiten an den Laichgewässern.

Die Knoblauchkröte ist europaweit als sogenannte Anhang IV-Art der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie besonders geschützt. Ihr bevorzugter Lebensraum sind offene Landschaften mit sandigen Böden, wie sie in der Lippeaue zu finden sind. Außerhalb der Paarungszeit leben die Tiere tagsüber tief im Boden vergraben. Nur zur Nahrungssuche in der Nacht werden sie aktiv. Im März und April suchen sie zur Fortpflanzung lang wasserhaltende, stehende Gewässer in der Nähe ihres Landlebensraumes auf. Diese sind in Nordwestdeutschland jedoch sehr selten geworden, sodass die Knoblauchkröte hier als gefährdet gilt. Durch den Verlust von Laichgewässern und die zunehmende Versiegelung der Landschaft sowie die Intensivierung der Flächennutzung gingen viele Lebensräume der Knoblauchkröte verloren.

Im Zuge von Renaturierungen und der ökologischen Entwicklung der Lippeaue mit zwei LIFE-Projekten (von 2005 bis 2025) und dem Erlebensraum Lippeaue (von 2017 bis 2023) wurden viele neue Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten geschaffen. Die neuen Teiche ergänzen die durchgeführten Maßnahmen optimal um weitere Lebensräume für die kleinen Kröten, aber auch für andere Wasserorganismen.

Die Maßnahmen in der Hammer Lippeaue sind Teil des von der Europäischen Union geförderten Projekts „Atlantische Sandlandschaften“ zum Erhalt der biologischen Vielfalt, das seit Oktober 2016 gemeinsam von den Ländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen umgesetzt wird. Charakteristische Biotope der atlantischen biogeographischen Region, wie zum Beispiel Moor-, Heide- und Dünenlandschaften, artenreiche Borstgrasrasen und nährstoffarme Stillgewässer, sollen dabei nachhaltig aufgewertet werden. Auch die Bestände der für diese Lebensräume typischen Arten, wie Knoblauchkröte, Moorfrosch, Schlingnatter und Zauneidechse, sollen gestärkt werden.

Für die elfjährige Laufzeit des Projektes bis September 2027 steht beiden Ländern insgesamt ein Budget von 16,875 Millionen Euro zur Verfügung. 60 Prozent der Mittel werden von der Europäischen Union gestellt, jeweils 20 Prozent von den beiden Bundesländern. Die Gesamtverantwortung für das Vorhaben liegt in Nordrhein-Westfalen beim Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr (MUNV). Weitere Informationen sind im Internet unter www.sandlandschaften.de verfügbar.


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Knoblauchkröte

©  (© Luise Hauswirth, Biologische Station Kreis Soest – ABU
Knoblauchkröte

Knoblauchkröte (Pelobates fuscus)